
Dank Dreikant dreht der Bohrer nicht mehr durch
Praxisverwaltung auf dem Smartphone und mehr – Chicago Midwinter Meeting 2010 –
Das 145. Midwinter Meeting der Chicago Dental Society CDS vom 25. bis 27. Februar 2010 stand in diesem Jahr unter dem Motto „Go West, CDS“. Dieser Aufruf sollte durchaus nicht bedeuten, dass sich nun alle Chicagoer Zahnärzte aufmachen sollten, in den Wilden Westen oder nach Kalifornien zu ziehen. Das wäre auch ziemlich sinnlos, wenn man vorher nicht weiß, ob es im Westen überhaupt etwas Neues gibt, außer dass dort die Sonne später untergeht.
„Go West, CDS“ bezog sich aber nur auf den Umzug der Veranstaltung in das neue Westgebäude auf dem Ausstellungsgelände mit dem großen Vorteil kürzerer Wege und mehr Platz für die Dentalausstellung, über die hier berichtet werden soll. Sie ist die viertgrößte Gesundheitsmesse der USA und ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für Chicago, das davon in einer Größenordnung von 50 Millionen US-Dollar profitiert. Die mehr als 600 Aussteller hatten sich mit der Änderung von einem Freitag-bis-Sonntag- auf ein Donnerstag-bis-Samstag-Format anzufreunden, was offensichtlich nicht so recht geschäftsförderlich war. Von den insgesamt 31.373 Besuchern zählten 9.319 zu den Ausstellern selbst, die Fachpresse war mit 127 Vertretern vor Ort.

- Abb. 1: Die Vorrichtung für den nicht mehr durchdrehenden Dreikantschaft lässt sich nachrüsten.
Nachrüstbares Dreikantschaft-Konzept auch für Dental
Eigentlich ist ein Besuch in einem US-Baumarkt daran schuld, dass es bei Prodrivesystems etwas wirklich Neues gibt. Um zu verhindern, dass sich Bohrer im Bohrfutter drehen, gibt es bei Home Depot längst Bohrer mit einem Dreikantschaft. Warum das nicht einfach auf Turbinen übertragen – rutschen dort doch oft die Diamantscheifer oder drehen sich gar heraus?
Man tue sich mit führenden Herstellern auf diesem Gebiet zusammen, möglichst aus Deutschland (Sirona, Meisinger, SycoTec/ MicroMega, vormals KaVo, Leutkirch), und Chicago ist um eine Neuvorstellung reicher. Auch Friction-grip-Turbinenhandstücke etwa von KaVo, Sirona und W&H lassen sich auf das Dreikant-Schaftsystem nachrüsten. Für besonders lange/tiefe Präparationen lässt sich der Bohrer um drei Millimeter herausziehen und bleibt dank zweier Rillen dennoch stabil im Futter (Abb. 1).

- Abb. 2: Noch ohne FDA-Zulassung – der iLase-Diodenlaser
Intraorale Scan-Tech-nologie und CAD/CAM
In der an echten technischen Neuheiten armen Dentalschau kam man an den „Straumann Digital Solutions“ nicht vorbei. Straumann ist nach eigenen Angaben der bislang einzige führende Hersteller in der implantatbasierten, restaurativen und regenerativen Zahnheilkunde, der alle Produkte und Dienstleistungen für die computergeführte Chirurgie, intraorales Scannen und CAD/CAM-Prothetik für Fach- und Allgemeinzahnärzte sowie Dentallabore in verschiedenen Märkten rund um den Globus anbietet. Die so integrierten computergestützten Technologien sollen die Sicherheit, Präzision und Zuverlässigkeit sowie das Vertrauen in die Implantologie und restaurative Zahnheilkunde erhöhen. Ein kompletter Straumann-Zahn – vom Implantat bis zur fertigen Krone – soll aus einer Hand erhältlich sein, wobei die hochmodernen, integrierten digitalen Lösungen von nun an die Implantatinsertion, Restauration und anspruchsvolle Ästhetik unterstützen sollen.
Das Unternehmen teilte in Chicago mit, dass seine CAD/ CAM-Technologie jetzt mit dem intraoralen 3-D-Scansystem iTero von Cadent verknüpft ist. Zusätzlich zum vereinbarten Datenaustausch verfügt Straumann über die exklusiven Vertriebsrechte für das Scansystem von Cadent in Europa und bietet so europäischen Zahnärzten diese intraorale Scantechnologie als Bestandteil seiner Palette an integrierten Lösungen an. Der iTero-Scanner verfügt über eine offene Architektur und kann mit verschiedenen Dentalsystemen für die CAD/CAM-Technologie verwendet werden: Inlays, Onlays, Kronen und Brücken werden am Computer konstruiert (CAD) und an computergesteuerten Maschinen zentral gefräst (CAM), was deutlich effizienter als traditionelle Prozesse und für Dentallabore sehr profitabel ist. Ein neuer Scanner, der sich noch in der Entwicklung befinde, soll später in diesem Jahr eingeführt werden und enthalte eine integrierte Webkamera für den Online-Support, heißt es. Durch die Partnerschaft mit Ivoclar Vivadent bietet Straumann auch Hochleistungsglaskeramiken für höchstwertige ästhetische Restaurationen an. Eine Reihe neuer Produkte und Funktionalitäten sollen im Laufe dieses Jahres eingeführt werden.
Biomimetik bei Cerec
Die in Chicago mit auffälliger Zurückhaltung präsentierte Beta-Version der Cerec-Software bewerkstelligt die Kauflächengestaltung der Restauration völlig ohne den Einsatz einer „Zahndatenbank“ mittels biomimetischer „Korrelation“. Beim Einsatz einer „Zahndatenbank“ bei nicht intakter Okklusalmorphologie des Ausgangszahns wird die Kaufläche aus gekrümmten Dreiecksflächen aufgebaut, deren Morphologie sich an gespeicherten Zahnformen der Datenbank und der Nachbarzähne orientiert. Eine „Korrelation“ ermöglicht, die Restauration nach tatsächlich vorhandenen Kauflächen zu gestalten. Der erste optische Abdruck bildet die vorhandenen Okklusalflächen vor der Präparation, die zweite Aufnahme die Präparation ab. Somit ist eine weitgehend identische Okklusalmorphologie zum Ausgangszahn sogar ohne Einbeziehung der Gegenbezahnung möglich. Der Grundgedanke der Biomimetik ist das Kopieren oder Imitieren eines Vorlagemodells, welches im Idealfall der natürliche, intakte Zahn ist. Um diesen möglichst exakt zu reproduzieren, müssen neben Aufbau eines natürlichen Zahns auch dessen Biomechanik und Funktion berücksichtigt werden. Erstaunlich: Mit nur wenigen Parametern lässt sich die gesamte Bandbreite der natürlichen Zahnform- und Okklusalmorphologien nachbilden.
Laser
Biolase Technology, Inc. hat zwar nach allem, was zu hören war, bisher noch keine Erträge erzielt, stellte jedoch beim Midwinter Meeting im McCormick Place West den daran interessierten 6.922 Zahnärzten und 3.784 Hygienists nach eigenen Angaben eine „Weltneuheit“ vor. Es handelt sich um den iLase-Diodenlaser (Abb. 2), den ersten „personal laser for dentists and hygienists“, was immer man nun genau darunter verstehen soll. Der akkubetriebene 5-Watt-Laser in der Form eines überdimensionalen Füllfederhalters kommt ohne Fußschalter und Kabel aus. „You just point and shoot“ heißt die Devise, frei nach John Wayne.

- Abb 3: Preiswerter Diodenlaser: Picasso
Das iLase-Gerät hat zehn voreingestellte und per Knopfdruck abrufbare Weichgewebs- und Hygieneeinstellungen, darunter Gingivektomie, Sulkusvertiefung und -reinigung und zur Taschenreinigung bei Parodontitis. Da zwar das CE-Zertifikat, nicht aber die Zulassung seitens der U.S. Food and Drug Administration (FDA) erteilt war, konnte man das Wunderding vor Ort nicht im Betrieb erleben. Es soll nach FDA-Zulassung zu einem „wettbewerbsfähigen Preis“erhältlich sein und sich für minimal-invasive Weichgewebs- und Hygienemaßnahmen eignen. Immerhin gibt es ein Video im Internet unter www.biolase.com und die Hoffnung, dass der Schein nicht trügt (pun intended), ist doch Henry Schein der Vertriebspartner von Biolase auch hierzulande. Die erst 2006 gegründete AMD Lasers aus Indianapolis/Indiana machte mit einem einprägsamen Namen und einem unschlagbar günstigen Angebot auf sein neuestes Produkt und sich selbst aufmerksam: Als der „Aldi“ unter den Laserherstellern soll der 7-Watt-Laser Picasso „High value for a low investment“ bieten (Abb. 3), wie CEO Alan Miller es ausdrückt und hinzufügt: „Wir wollen jedes Behandlungszimmer in jeder Praxis überall auf der Welt mit unserer Spitzenlasertechnik ausstatten und wir bieten überlegene Produkte zu vernünftigeren Preisen an als die Konkurrenz.“

- Abb. 4: Aus Taiwan: transportables Luft-Absauggerät mit besonderen Filtern für die Laserbehandlung
Produkte aus Taiwan
Der erstmalig in Chicago mit Unterstützung der taiwanesischen Wirtschaftsförderung finanzierte Gemeinschaftsstand trug insofern auch der Lasertechnologie Rechnung, als dort von Win-Min Advanced Technology ein transportables Luft-Absauggerät mit besonderen Filtern vorgestellt wurde (Abb. 4). Angesichts der Probleme mit dem oralen humanen Papillomavirus (HPV) und anderen Infektionen wird bei solchen Lasereingriffen sicherlich ein gesetzgeberischer Eingriff nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Speicheltests
OralDNA Labs hat den OraRisk HPV-Speicheltest vorgestellt, der den oralen humanen Papillomavirus (HPV) im Speichel entdecken soll und damit ein erhöhtes Risiko, an Mundkrebs zu erkranken. Ob man für erheblich weniger als 199 Dollar plus 70 Dollar für die Laboranalyse nicht gleich einen Test wie eine DNA-Bildzytometrie mit höherer Aussagekraft hinsichtlich Krebs machen lassen sollte?

- Abb. 5: Wurzelspitzenextraktor
Raus mit der Spitze
US-Zahnärzte scheinen mit frakturierten Zähnen und dem Versuch, diese ohne eine Osteotomie aus der Alveole zu entfernen, so viel Zeit zu verbringen, dass es selbst deren Helferinnen zu bunt wird und eine davon kurzerhand einen Wurzelspitzenextraktor erfand. Unter Roottipextractor. com kann man das Produkt näher betrachten, das beim zweiten Hinschauen vielleicht unter implantologischen, minimaltraumatischen Gesichtspunkten doch sinnvoll sein könnte. Stolz der Preis mit 1.500 Dollar, und die dafür notwendigen spiralförmigen, diamantierten Bohrereinsätze kosten 20 Dollar (Abb. 5).
Mund auf
Nichts mit Guantánamo zu tun hat der autoklavierbare, flexible IsolationBlock der gleichnamigen Firma, von dem ein französischer Kollege ganz angetan war. Dieses auf den ersten Blick sperrig anmutende Teil ist gleichzeitig Bisssperre und Absaugung mit Anschluss an den Speichelzieher. Es hält Zunge und Wange ab und bietet ein trockenes Arbeitsfeld bis zum ersten Molaren. Im Selbstversuch konnte festgestellt werden, dass es auch keinen Würgereiz hervorruft. Für Versiegelungen, Kons, Brackets, Bleaching, Kinderbehandlung und alle Arbeiten geeignet, bei der man ohne Assistenz auskommen will oder muss, und eine Alternative zu Kofferdam zum Preis von 149 Dollar für ein Multi-Unit-Set.
Kontaminationsgedöns
Mit dem „one size fits all necks disposable bib holder“ haben die Amerikaner wahrscheinlich den Himalaya der Infektionsabwehr erklommen, auf dem dereinst ein Einmalzahnarzt im Ganzkörperkondom laut rufen wird „Yes, we can!“. Was auch immer.
ZA Carlheinz Swaczyna, Krefeld
(Artikel gekürzt)
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 11/10 auf der Seite 3 und 4.
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