10. März 2010 |  Politik aktuell

„Die Kollegen sensibilisieren für das, was sie erfolgreich implantologisch leisten können“

Stärkere Rolle auch für Zahntechniker – DZW-Interview mit Dr. Georg Bayer, Präsident der DGOI, und Prof. Dr. Dr. Joachim E. Zöller, Vizepräsident der DGOI (2) –

 

Die deutsche Gesellschaft für Orale Implantologie (DGOI) hat seit mehr als 100 Tagen mit Dr. Georg Bayer, Landsberg am Lech, einen neuen Präsidenten. Nach den ersten Monaten im neuen Amt ist es an der Zeit, kritisch nachzufragen, wie es weitergeht mit der jüngsten implantologischen Fachgesellschaft Deutschlands. Mit mittlerweile 1.500 Mitgliedern in Deutschland hat sie sich neben den übrigen Gesellschaften etabliert. Welche Ziele die DGOI verfolgt und wie sie weiter wachsen will, erläutern Dr. Georg Bayer und Prof. Dr. Dr. Joachim Zöller, erster Vizepräsident, im Interview mit der DZW-Redaktion.

Dr. Georg Bayer

Im ersten Teil des Interviews (siehe DZW 9/10) ging es unter anderem um Fragen der Positionierung der DGOI in der Vielfalt der Fachgesellschaften und die Fortbildung. Im zweiten und abschließenden Teil stehen die praktischen Aspekte der Implantologie, die Wünsche der Patienten und die weitere Entwicklung der Therapie mit Implantaten im Fokus.

DZW: Sie selbst sind in einer Gemeinschaftspraxis tätig und zählen zu den „Vielimplantierern“– wohin geht aus Ihrer Sicht der Trend in der Therapie mit Implantaten?
Dr. Georg Bayer: Wir haben die Implantologie heute auch unter dem Aspekt Knochen- und Weichgewebserhalt zu sehen. Bei den immer älter werdenden Patienten muss auf lange Zeit wertvolle Hart- wie Weichgewebssubstanz erhalten bleiben, um langzeitstabile Verhältnisse zu schaffen.
Prof. Dr. Dr. Joachim Zöller: Die dreidimensionalen Implantatplanungsmöglichkeiten nehmen zu und auch die maschinelle Herstellung des Zahnersatzes. Damit verändern sich wesentlich die Rolle des Zahntechnikers und die Zusammenarbeit mit ihm. Er wird in Zukunft stärker mit in den Planungsprozess integriert werden und ich sehe ihn auch mehr in der Beratung am Patienten, zum Beispiel bei der Farbauswahl für Ästhetikrestaurationen. Allerdings muss diese zusätzliche Dienstleistung auch bezahlt werden. Das kann problematisch werden.
Bayer: Leider kommunizieren immer noch zu wenige Kollegen aktiv mit ihren Patienten und sind nicht in der Lage, sie entsprechend zu motivieren. Immer wieder erlebe ich, wie fachlich gute Kollegen in die Defensive geraten, wenn es um das Thema Preis geht. Hier wünsche ich den Kollegen mehr Selbstbewusstsein.

Prof. Dr. Dr. Joachim E. Zöller
Prof. Dr. Dr. Joachim E. Zöller

DZW: Mit welchen Wünschen und Bedürfnissen kommen Patienten heute zu Ihnen? Welche Rolle spielen die Kosten einer Implantatbehandlung? Und welche Chancen bietet die moderne Implantologie heute Zahnärzten und Implantologen, diesen Wünschen und Forderungen auch unter Kostenaspekten Rechnung zu tragen?
Bayer: Die Patienten wollen schöne und feste Zähne. Für dieses Ziel sind viele Menschen motiviert, selbst umfangreiche augmentative Eingriffe bei Spezialisten auf sich zu nehmen. Sie sind auch bereit, den finanziellen Aufwand zu tragen, um ihr imaginäres einfaches Ziel – die festen und schönen Zähne – zu erreichen.

DZW: Über Implantate wird in der Fachpresse und auch in den Publikumsmedien viel geschrieben, aber noch immer gibt es sowohl bei Patienten als auch bei nicht implantierenden Zahnärzten viel Unsicherheit bei diesem Thema. Was könnte dazu beitragen, zu einem realistischen Bild der Chancen und Möglichkeiten, aber auch der Grenzen der Implantologie in den Praxen und bei den Patienten zu kommen?
Bayer: Wichtig ist uns, die Kollegen zu sensibilisieren für das, was sie erfolgreich implantologisch leisten können und welche Fälle besser in die Hände von Spezialisten gehören. Es gehört zu unserem Beruf, auch die persönlichen Grenzen zu kennen und zu akzeptieren.
In Zukunft werden immer Patienten in einem Alter über 50 Jahren in die Praxen kommen. Die sogenannten „Best-Ager“ fühlen sich noch jung und wollen sich verständlicherweise mit Prothesen nicht zufrieden geben. Aber wir müssen bei dieser Patientengruppe den Aspekt der Multimorbidität beachten. Mit den zunehmenden Nebenerkrankungen steigt das allgemeine Risiko. Wir dürfen bei diesen Patienten das erhöhte Risiko nicht wegdiskutieren.
Zöller: Hinzu kommt bei älteren Menschen der Aspekt, dass ihre Knochenstruktur weniger gut ist. Je nachdem, wie viele und wie lange Zähne verloren sind, ist der Knochen vielleicht sogar stark atrophiert. Hier sind dann auch größere Eingriffe notwendig.

(Artikel gekürzt)

Das vollständige Interview lesen Sie in der DZW 10/10 auf der Seite 5.

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