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09. März 2010 |  Kommentar

Neues Denken in Praxis und Lehre

von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall –

 

Es wird viel geschrieben und geredet von der Therapievielfalt und der Vielzahl der alternativen Versorgungsmöglichkeiten in der modernen Zahnmedizin – immer mit dem Verweis darauf, dass sich darüber natürlich auch bessere Honorare für den Zahnarzt eröffnen. So gut, so richtig. Nicht vergessen werden darf dabei aber, dass dies mit den altgewohnten Mitteln und Verfahren bei Befund, Diagnose, Dokumentation und vor allem Therapieentscheidung und Kommunikation mit dem Patienten nur begrenzt und schon gar nicht auf Dauer erfolgreich umzusetzen ist.

Dr. Marion Marschall

„Legen Sie den Schalter in Ihrem Denken um“, forderte Prof. Michael Noack auf dem Häupl-Kongress in Köln. Sich für die Praxis das Spektrum der modernen Therapiemöglichkeiten zu erschließen, verlangt nicht nur Fortbildung und Aneignung neuer Verfahren und Techniken, sondern auch ein neues Herangehen an Befundung, Diagnose und Dokumentation. Noch wichtiger ist das neue Denken bei der Therapieentscheidung, die heute vielfach ohne den Patienten nicht mehr getroffen werden kann und darf. Die vonseiten der Krankenkassen und über die Medien vorinformierten Patienten wollen mitentscheiden. Sie wollen erfahren, was passieren soll und welche Erfolgsaussichten die Therapie hat. Und sie wollen wissen, welche Belastungen auf sie zukommen, physisch und materiell.

Das setzt voraus, dass der Zahnarzt für sich selbst Klarheit hat, welche Vor- und Nachteile die von ihm angebotenen Therapieoptionen haben und wie es um deren Erfolgsaussichten generell und in seiner Praxis bestellt ist. Das sei der schwierigste Schritt, so Noack, denn sich das dazu erforderliche Wissen zu beschaffen, die Meta-Studien und Reviews mit hoher Evidenz, sei für die Praxis in Deutschland nur mit hohem Aufwand möglich. Er richtete daher an die Bundeszahnärztekammer und die Kammern die Aufforderung, hier ähnlich wie die American Dental Association einen Zugang zu solchen Studien zu schaffen, vielleicht auch über das Institut für Qualitätssicherung (IQZ).

Eine Forderung, die nicht neu ist und die genauso an die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) zu stellen ist. Denn abgesehen von den DGZMK-Stellungnahmen und den in der Zahnmedizin noch spärlich und nicht immer praxisgerecht entwickelten Leitlinien werden diese Meta-Studien und Reviews zum „State of the Art“ künftig bei gerichtlichen Auseinandersetzungen eine immer stärkere Rolle spielen – Kostenerstatter und Rechtsanwälte werden sie sich in Zeiten des Internets zu beschaffen wissen. Auch mit dem geforderten „Shared decision making“ werden viele Zahnärzte sich nicht leicht tun. Mehr am Praxismarketing orientierte Patienteninformationen reichen hierfür nicht aus. Neuere soziologische Studien zeigen deutlich, dass Aufklärung und Information der Patienten unter anderem auf ihren Bildungsstand abgestimmt werden müssen. Interessant wäre daher zu erfahren, wie sich die von Noack in Köln vorgestellten Entscheidungshilfen nach amerikanischem Muster mit Grafiken und kurzen Erläuterungen zu den Therapieoptionen in der Praxis bewähren.

Zuzustimmen ist Noack auch in seiner Kritik, dass die Behandlungsplanung nicht adäquat bewertet ist und die Politik damit ein wichtiges Element der zahnärztlichen Qualitätssicherung vernachlässigt. Gerade deshalb sollte dieses Thema in den Praxen nicht vernachlässigt werden, sichert es doch den Erfolg der Therapie und damit auch das höhere Honorar, wenn der Patient sich für die höherwertige Therapieoption entscheidet.

All diese für die zahnmedizinische Versorgung der Patienten und den wirtschaftlichen Erfolg in der Praxis wichtigen Themen sind natürlich in der alten Approbationsordnung nicht enthalten, und auch die jetzt noch auf Eis liegende „neue“ Approbationsordnung wird das nicht leisten. Umso erfreulicher ist es, dass an einigen zahnmedizinischen Universitäten diese Themen aufgegriffen werden und Eingang in die Lehre finden. Nicht nur in Köln will man in Sachen Approbationsordnung nicht mehr auf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten und beginnt, mit der alten AppOZ die Lehre neu und zukunftsorientiert zu gestalten.

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