
QM – Investition in die eigene Zukunft
von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall –
Der kürzlich geschlossene Selektivvertrag zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) hat einige Verwunderung ausgelöst. Außer beim beiderseits ungeliebten Basistarif gibt es für K(Z)Ven und PKV nur wenig Gemeinsames.
Auch das Thema, eine bessere Qualität der ambulanten medizinischen Versorgung, hätte man eher bei einer Kammer angesiedelt. Doch die KVB bemüht sich – wie auch andere ärztliche Gruppierungen – schon länger um das Thema und ist mit ihrem Programm hierzu wohl nicht ohne Erfolg unterwegs. Das Häppchen für die Ärzte im Vertrag: Wer in diesem Programm erfolgreich ist, kann sich mit Segen der PKV auch bei der Werbung um den wichtigen Privatpatienten profilieren.
Nun hat die Vertreterversammlung der KVB den Vorstand um den streitbaren und umstrittenen KV-Vorsitzenden Dr. Axel Munte aufgefordert, diesen Vertrag sofort wieder einzustampfen. Aber damit nicht genug, das ganze ungeliebte Thema Qualität sollte gleich mit „in die Tonne“, wenn nicht die Kassen dafür etwas zahlen. Dabei haben sich die Ärzte mit dem staatlich verordneten Qualitätsmanagement früher und vielfach praxisnäher auseinandergesetzt als die Zahnärzte. Auch beim Thema Qualitätssicherung der Behandlung ist man in vielen medizinischen Fächern mit Leitlinien deutlich weiter als in der Zahnmedizin.
Vonseiten der zahnärztlichen Berufspolitik gab es auf diesen speziellen Vertrag wenig Echo. Allein der FVDZ reagierte und kritisierte die aus seiner Sicht unnötige zusätzliche vertragliche Bindung gerade an die PKV, mit der es zumindest auf zahnärztlicher Seite keine Verträge gibt. Noch nicht.
Zum Gegenstand selbst, die Frage der besseren Qualität der medizinischen Versorgung, wurde nichts gesagt. Hat man das nur übersehen? Oder sollte man gelernt haben? Auf jeden Fall gibt es heute auch vonseiten der zahnärztlichen Standesorganisationen gute und funktionierende QM-Konzepte für die Praxis.
Unabhängig davon, ob Kassen für bessere Qualität mehr zahlen wollen, wie jüngst auf dem Gesundheitskongress des Westens in Essen wieder angekündigt, oder nicht: Jede Zahnärztin, jeder Zahnarzt muss sich darauf einstellen, dass die Patienten künftig stärker nach der Qualität fragen, gerade bei den Leistungen, die sie selbst ganz oder zu einem großen Teil zahlen sollen. Da sie die Qualität der medizinischen Leistung selbst kaum bewerten können, ist für sie das „Drumherum“ wichtig. Gut beraten ist daher, wer seine Praxis mit einem Qualitätsmanagement so aufgestellt hat, dass die Organisation dahinter reibungslos und möglichst ohne Fehler läuft.
Wer QM nicht als lästige Pflicht sieht, sondern als Mittel zur erfolgreicheren Arbeit als Zahnarzt – wie eine neue Praxissoftware, ein neues Gerät oder eine Fortbildung –, hat gute Chancen, sich damit auch in einem stärker werdenden Wettbewerb erfolgreich zu positionieren. Verträge wie den KVB-PKV-Vertrag braucht es dazu aber nicht.
Jeder in ein gutes QM investierte Euro ist eine Investition in die eigene Zukunft. Informationen und Anregungen dazu gibt es zum Beispiel im DZW-Spezial, das dieser Ausgabe beiliegt.
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