Chance Praxis - Das Fachmagazin für Praxisgründer

15. Juni 2011 |  Kommentar

Erfolge für die Zahnärzte gibt es nur im Miteinander

von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall *

 

Fast konnte man am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche in Hamburg auf der Frühjahrsvertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) den Eindruck gewinnen, der jetzt zum Greifen nahe Erfolg beim Versorgungsgesetz sei den Delegierten etwas unheimlich. Großer Jubel war jedenfalls nicht zu vernehmen, und auch der Beifall für die eigene Leistung und die der maßgeblichen Protagonisten in Vorstand, Beirat und Verwaltung fiel nicht gerade stürmisch aus.

Dr. Marion Marschall

Oder hat sich die Zahnärzteschaft mit ihren Körperschaften schon so in der Verwaltung des vorgegebenen Mangels eingerichtet, dass die plötzliche Freiheit, aber auch hohe Verantwortung, das eigene (Verhandlungs-)Glück wieder in die eigenen Hände zu nehmen, eher Drohung als Hoffnung ist? Wie viel ab 2013 wirklich an Mehr in den Praxen ankommt, hängt dann ja entscheidend vom Know-how und dem Verhandlungsgeschick der regionalen KZVen ab.

Welche Erfolge gemeinsam, auch im Zusammenwirken mit der Bundeszahnärztekammer und der Wissenschaft zu erreichen sind, zeigt zum Beispiel das AuB-Konzept. In Sachen GOZ-Stellungnahme hat der gemeinsame Auftritt für Aufmerken bei Politik und Ministerialen gesorgt. Inwieweit er für die Zahnärzte positive Folgen zeitigt, wird man in den kommenden Wochen sehen können.

Dieses Zusammenwirken wird für die Zahnärzteschaft immer wichtiger, um die ganz unterschiedlichen und immer wieder neuen Anforderungen und Zumutungen für den Berufsstand nicht nur hinterhechelnd zu kommentieren und als Erfüllungsgehilfe dann zwangsweise umsetzen zu müssen, sondern um im Sinne der Zahnärzte Dinge mitgestalten und auch selbst initiieren zu können. Im Augenblick hakt, klemmt und knirscht es bei vielen Dingen gewaltig, wie die Diskussionen in Hamburg deutlich zeigten. Zwischen BZÄK und KZBV zum Beispiel beim Patientenrechtegesetz und beim Modellprojekt „Jeder Zahn zählt“. Auch beim G-BA, der immer mehr Kammerthemen zum Beispiel in der Qualitätssicherung an sich zieht und in dem die BZÄK einen ständigen Beobachterstatus haben möchte.

Im KZBV-Vorstand selbst ist nach der denkwürdigen Wahl vom März der Weg zum wieder konstruktiven Miteinander anscheinend noch nicht erfolgreich beschritten – sichtbar auch in den gerne verteilten verbalen Spitzen in den Redebeiträgen. Und auch in der Kommunikation zwischen Vorstand und Delegierten läuft es noch nicht rund, wie leicht genervte Delegiertenbeiträge deutlich machten. Gerade für die Ehrenamtlichen ist es offensichtlich schwierig, rechtzeitig die nötigen Informationen und Unterlagen zu erhalten, um bei so wichtigen Themen wie dem Patientenrechtegesetz mitberaten zu können.

Erfolge lassen sich nur erzielen, wenn man in offener, sachlicher Kommunikation Themen und Fragen gemeinsam anspricht und abarbeitet – das zeigen die obigen Beispiele. Alleingänge von welcher Seite auch immer kann sich der Berufsstand nicht mehr leisten, will er nicht die gerade mühsam erworbene Reputation und Anerkennung für seine Konzepte in der Politik und in der Gesellschaft gleich wieder verspielen. Wer von den Ärzten und Kassen nicht untergebuttert werden will, muss sich gemeinsam stark machen. Und die Voraussetzungen dafür sind eigentlich sehr gut, stehen doch erfahrene und kompetente Standespolitiker an der Spitze von KZBV, BZÄK, KZVen und Kammern.

Für Machtspielchen, Kompetenzgerangel und Nickeligkeiten haben aber auch die Kolleginnen und Kollegen an der Basis wenig Verständnis – weder bei KZVen/KZBV noch bei Kammern und BZÄK. Immerhin haben doch noch viele von ihnen ihre Standesvertretungen gewählt und erwarten, dass ihre Interessen beachtet und erfolgreich vertreten werden. Und Erfolge gibt es nur im Miteinander.

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