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07. Juni 2011 |  Kommentar

Für einen Schulterschluss zwischen Ärzten und Zahnärzten

von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall *

 

Der neue Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, gab sich nach seiner Wahl kämpferisch. Er wolle die Präsenz der Ärzte „im politischen Raum“ stärken, kündigte er an. Dass er kämpfen kann, hat er als Vorsitzender des Marburger Bunds in harten Tarifauseinandersetzungen bereits bewiesen. Und er wird seine Kampfkraft brauchen – beim Versorgungsstrukturgesetz und bei der Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Wo die Ärzte hier ihre Pflöcke einschlagen wollen, machte der Deutsche Ärztetag klar: Novellierung ja, aber mit dem abgestimmten Konzept der Ärzteschaft und einem Honorarplus, Nein zur Öffnungsklausel.

Bislang haben Bundeszahnärztekammer und Bundesärztekammer, unterstützt durch Kassenärztliche und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, in diesem Punkt zusammengestanden und – in der GOZ bislang erfolgreich – ihr starkes Nein zur Öffnungsklausel in der Politik vertreten können. Die BÄK hat in den Anhörungen zur GOZ, sowohl 2009 als auch kürzlich im Mai 2011, klug und mit starken Argumenten nicht nur die eigenen Positionen vertreten, sondern auch die Positionen der Zahnärzte unterstützt. Dieser nach außen erfolgreiche Schulterschluss wird mit der Novellierung der GOÄ eine erneute und harte Probe erfahren, hat die Öffnungsklausel für den ärztlichen Bereich doch eine deutlich größere Bedeutung für PKV und Beihilfe.

Das Modell GOZ ist für die Ärzteschaft sicher – bis auf den Verzicht auf die Öffnungsklausel – ohnehin kein leuchtendes Beispiel, haben die Zahnärzte doch gewaltige Abstriche von ihrem eigenen Konzept machen müssen und eine leicht und aus Sicht der Zahnärzteschaft vielfach unzureichend modifizierte GOZ-alt als „neu“ vorgelegt bekommen. Ebenso wie die Ärzte haben auch die Zahnärzte eine Anpassung des Uralt-Punktwerts an die wirtschaftliche Entwicklung gefordert – und bislang nicht einmal die Angleichung an den GOÄ-Punktwert zugestanden bekommen. Dass jetzt in den Medien wieder Attacken gegen die GOZ und gegen den FDP-Gesundheitsminister gefahren werden, weil er bei den Zahnärzten auf die Öffnungsklausel verzichtet hat, ist auch Vorgeplänkel für die GOÄ-Verhandlungen.

Aber nicht nur wegen der GOZ-GOÄ-Themen, auch bei vielen anderen Themen ist der Schulterschluss zwischen Ärzten und Zahnärzten gefragt – vom Gemeinsamen Bundesausschuss über die Qualitätssicherung, Berufsanerkennungsrichtlinien bis zu den Patientenrechten und den Bewertungsportalen für Ärzte im Internet. Das läuft im Hintergrund vielfach schon, und wo es läuft, sind auch die Ergebnisse oft positiv sichtbar.

Mit Montgomery steht ein Mann an der Spitze der Ärzteschaft, der das Licht der Öffentlichkeit wahrlich nicht scheut, streitbar, aber nicht streitsüchtig ist, kämpferisch, aber sachlich agiert. Dass er sein oben genanntes Ziel erreichen will, haben schon seine ersten Statements deutlich gemacht. Als Präsident der Ärzteschaft vertritt er mehr als 400.000 Mediziner in Deutschland, davon gut 325.000 ärztlich tätige – dem stehen gut 85.000 Zahnärzte, davon gut 67.000 behandelnd tätige, gegenüber. Ein weiterhin geübter Schulterschluss in allen Fragen, die Zahnärzteschaft und Ärzteschaft betreffen, ist mehr als wünschenswert. Denn gemeinsam vertreten sie bald eine halbe Million Mediziner, die Medizin oder Zahnmedizin studiert haben, um Menschen zu helfen. Ihre Sorge gilt der Gesundheit der gut 80 Millionen Menschen in Deutschland, ihren Patienten, die sie gemeinsam mit den ebenfalls hoch qualifizierten Mitarbeitern in Praxen und Kliniken betreuen und als deren Anwälte sie sich in einem von Sparrunden strangulierten Gesundheitssystem verstehen. Und nicht dem eigenen Einkommen und Bankkonto. Dieser unsäglichen und ewigen Neiddiskussion gemeinsam entgegenzutreten, ist allein schon den Schulterschluss wert.͆

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