
„Tag der Zahngesundheit“ – positives Aushängeschild des Berufsstands
von Chefredakteurin Dr. Marion Marschall *
Angesichts der vielen negativen Berichte über die Zahnärzte in den vergangenen Wochen zur GOZ-Novellierung à la „Besuch beim Zahnarzt wird (schon wieder) teurer“, „Neue Gebührenordnung – noch schnell zum Zahnarzt, bevor alles teurer wird“, „Zahnärzte wollen mehr Geld“ in allen Gazetten und auf allen Kanälen ist der „Tag der Zahngesundheit“ am Sonntag dieser Woche fast schon eine Insel der Erholung: Zahnärzte und ihre Teams haben es, gemeinsam mit vielen anderen Akteuren aus Ämtern und Krankenkassen, durch ihre oft ehrenamtliche Arbeit in der Gruppenprophylaxe, in der Aufklärung und durch ihre Arbeit in den Praxen geschafft, die Mund- und Zahngesundheit der Menschen in diesem Land, vor allem der Kinder, deutlich zu verbessern. Und sie sind „weiter dran“, nicht nur an der Zahngesundheit, auch an den gesundheitlichen Problemen der Menschen insgesamt.
Die vielen Aktivitäten von Kammern, Arbeitskreisen, Arbeitsgemeinschaften, Zahnarztpraxen etc. rund um den Tag der Zahngesundheit sorgen so hoffentlich wieder für positive Nachrichten über den Berufsstand. Wer irgend kann, sollte daher mitmachen, seine Arbeit, sein Engagement zeigen – gegen die Negativschlagzeilen.
Positiv ist auch, dass Zahnärzte, Ärzte und Krankenkassen in ihrem Engagement für eine bessere Mundgesundheit der Bevölkerung noch enger kooperieren wollen. Will man den Gruppen mit besonderen Mundgesundheitsproblemen wirksam helfen, geht das nur gemeinsam. In diesem Jahr stehen die Kleinsten im Fokus, sozusagen schon vom Mutterleib an. Aber das gilt genauso für behinderte Menschen, Senioren und Pflegebedürftige. In all diesen Bereichen gibt es in der vertragszahnärztlichen Versorgung und in der Gruppenprophylaxe Lücken, die es zu schließen gilt, um die Mund- und die Gesamtgesundheit dieser Menschen zu verbessern. Ehrenamtliches Engagement allein kann diese Probleme nicht lösen.
Die Ärzte und die Kassen hat man zumindest beim Tag der Zahngesundheit schon an seiner Seite. Auf der lokalen Ebene funktioniere die Zusammenarbeit schon vielfach recht gut, hieß es in Berlin. Auf der Landes- und Bundesebene fehle es aber an Strukturen und geregelter Zusammenarbeit. „Es reden einfach zu viele rein“, so der Kommentar dazu. Aber vieles ist auf einem guten Weg, schon gemeinsam abgestimmte, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Ernährung werden Kinderärzten, Ärzten und Zahnärzten im gemeinsamen Bemühen um die Gesundheit ihrer Patienten deutlich unterstützen können.
Ärgerlich für die Zahnärzteschaft ist, dass ihr Bemühen um die Mundgesundheit und damit – man kann es nicht oft genug betonen – auch für die Gesamtgesundheit offensichtlich jenseits der Sonntagsreden auf der Landes- und Bundesebene in der Politik nicht ankommt. Nichts anderes kann man schließen, wenn Programme für Migranten, für gesündere Ernährung oder bessere Pflege von Bundesministerien aufgestellt werden, ohne die Zahnärzte einzubeziehen. Hier müsse der Berufsstand noch seine Hausaufgaben machen und noch präsenter sein, so BZÄK-Vizepräsident Oesterreich, sich stärker in Netzwerke einbringen und Beteiligung fordern.
Das liegt sicher zunächst im Aufgabenbereich der Standespolitik und der Wissenschaft. Aber auch jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt kann dazu beitragen und dieses Engagement des eigenen Berufsstands unterstützen. Indem er seinen Patienten deutlich macht, dass „Gesund beginnt im Mund“ mehr ist als nur ein griffiger Slogan, sondern eine wissenschaftlich-medizinisch belegte Tatsache.
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