Chance Praxis - Das Fachmagazin für Praxisgründer

17. Dezember 2010 |  Assistenten

Berufskunde und Globetrotter in Sachen Zahnmedizin

Ein fest etablierter Programmpunkt des deutschen Zahnärztetags ist das Studentenprogramm. Wie in den vergangenen Jahren standen auch diesmal zwei Themen im Vordergrund: die Berufskunde und das Arbeiten im Ausland. Gerade das zweite Thema kommt beim jungen Publikum immer wieder gut an.

Isabelle Chartres zog die Zuhörer in ihren Bann.

Unter dem Motto „Tschüss – Arbeiten im Ausland“ berichtete Daniel Bäumer lebhaft über seinen Auslandsaufenthalt an der Minnesota School of Dentistry, einer Partneruniversität der Uni Heidelberg, und die Teilnahme am Outreach-Programm für einhundert Tage. Dieser praktische Einsatz außerhalb der Zahnklinik hat es ihm besonders angetan, und er möchte diese Erfahrung nicht missen.

Isabelle Chartres aus Paris absolviert derzeit ihre Weiterbildung zur Kieferorthopädin an der Freiburger Universitätszahnklinik. Sie referierte über ihre Erfahrungen als Globetrotter in Sachen Zahnmedizin. Ihr Bericht über Studienaufenthalte und das Arbeiten in fünf Ländern mit vier verschiedenen Sprachen zog die Zuhörer in ihren Bann. Wen bei diesen Erzählungen nicht das Fernweh gepackt hat, den wird es wohl niemals packen. Zahlreiche Fragen aus dem Publikum zeigten bei der anschließenden Diskussion das große Interesse der jungen Kollegen an internationalen Arbeitsmöglichkeiten. Trotz tatkräftiger Mithilfe aus dem Auditorium konnten nicht alle Fragen beantwortet werden. Bei der Planung künftiger Veranstaltungen dieser Art wäre es wünschenswert, wenn der ein oder andere kompetente Ansprechpartner zu diesem Themenschwerpunkt mit Rat und Tat zur Seite stünde.

Dafür konnte mit dem Ehrenvorsitzenden der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) Dr. Dr. Jürgen Weitkamp das Thema Berufskunde keinen besseren Referenten finden. Wie schon im vergangenen Jahr, als sich Dr. Dietmar Österreich, Vizepräsident der BZÄK, diesem Thema widmete, zeigte sich, dass der Berufskunde höchste Priorität eingeräumt wird. Dies ist auch durchaus notwendig. In der Kernfrage „Berufskunde, wofür brauche ich das?“ konnte Weitkamp in der Kürze der Zeit nur einen Überblick über die Möglichkeiten des Fachbereichs geben und Chancen, die er bietet, aufzeigen. Er unterschied zwischen der klassischen und der wesentlich umfangreicheren ambitionierten Berufskunde. Dass hier noch viel Arbeit ansteht, versteht sich von alleine. Im Verlauf der Diskussion des Fachgebiets stellte sich unweigerlich die Frage „Was soll ich damit vor dem Staatsexamen anfangen?“.

Nach wie vor sind Berufskundevorlesungen in der nicht mehr zeitgemäßen Approbationsordnung für Zahnmedizin verankert und ein Lehrauftrag der Universitäten. Allerdings finden diese Vorlesungen nicht an allen Universitäten statt. Wo sie stattfinden, sind sie unterschiedlich organisiert. Das Fach ist vielschichtig und komplex und nur praxisnah zu vermitteln. Ein Ansatz wäre es, das Fachgebiet völlig neu zu organisieren, was schon mit der Benennung anfängt, denn die reichlich angestaubte Bezeichnung „Berufskunde“ wird dem Anspruch der beruflichen Kompetenz kaum gerecht. Es wäre denkbar, vor dem Examen Inhalte wie Berufsethik und Geschichte der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zu lehren und postgradual eine strukturierte Fortbildung durch die Landeszahnärztekammern mit unterstützenden Onlinemodulen zur Erlangung von Praxisführungskompetenz und Eigenverantwortung zur Verfügung zu stellen, wie es von Bundeszahnärztekammer, dem Bundesverband der Zahnmedizinstudenten (BdZM) und dem Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni (BdZA) vorgeschlagen wird. Diese betreiben gemeinsam die Webseite Berufskunde 2020, um angehende Zahnmediziner auf ihrem Weg in die Freiberuflichkeit zu unterstützen und sie mit dem Ratgeber rund um den Berufsstart unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu beraten. Der Standpunkt der drei Organisationen wird nicht von allen Landeszahnärztekammern geteilt, zumal der Berufskunde lange Zeit nicht unbedingt der ihr angemessene Stellenwert zukam. Mittlerweile sind verschiedene Hochschulen dazu übergegangen, eigene Curricula zu entwickeln, sodass derzeit alles andere als eine allgemein gültige Regelung herrscht. Eine Lösung könnte man finden, wenn sich alle Beteiligten an einen Tisch setzten und die bestehenden Konzepte überarbeiteten, um neue Ansätze zu finden.

Tobias Bauer, Singen   

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