
Tradition und Fortschritt verbinden sich
Generalist setzt auf Digitaltechnik für Diagnostik und Therapie –
Monokulturen können die Produktivität erhöhen –, und „große Therapiethemen“ wie Parodontologie, Implantologie, Laserchirurgie oder kosmetische Zahnmedizin können den Expansionskurs beschleunigen und das Praxisprofil schärfen. Aber es sind Szenarien denkbar, in denen ein „Turbo-Fach“ schnell wieder an Stellenwert verliert. Da ist es gut, das Generalistenkonzept zu pflegen und auf ein differenziertes, breit gefächertes Therapieangebot zu setzen. Im folgenden Fall setzte der Praxisinhaber als Generalist auf einen Verbund von Spezialisten unter einem Dach, die interdisziplinär zusammenarbeiten und dabei moderne Behandlungsverfahren und Digitaltechnik einsetzen.
Auf eine 125-jährige zahnmedizinische Tradition kann Dr. Wilhelm Schweppe, Zahnarzt in vierter Generation und Praxisinhaber in Fröndenberg (Ruhr), zurückblicken. Urgroßvater Josef Wertz ließ sich 1885 als Dentist nieder und gilt als Gründer der Schulzahnmedizin, die später vom Land Nordrhein-Westfalen übernommen wurde. Aus der nachfolgenden zweiten Generation entschlossen sich der Sohn Josef Wertz II und drei weitere Geschwister, sich ebenfalls der Zahnmedizin als Lebensaufgabe zuzuwenden. Aus der dritten Generation absolvierte Josefs Tochter Ingeborg 1953 ihr Examen als Zahnärztin in Köln und bewegte Ehemann Wilhelm Schweppe senior, den Vater des heutigen Praxisinhabers, auch den Zahnarzt-Beruf zu ergreifen. Der nächste Stabwechsel erfolgte 32 Jahre später. Der Sohn, Dr. Wilhelm Schweppe junior, ließ sich nach dem Studium der Zahnheilkunde in Berlin und Kiel 1987 in der traditionsreichen Praxis nieder.
Schweppe junior stellte sich die Frage nach der konzeptionellen Ausrichtung seiner Praxis, die traditionell einen prothetischen Schwerpunkt hatte. Mit den Genen des Generalisten ausgestattet, erweiterte er mit seinen Praxispartnern die Behandlungskompetenz.
Seine Frau, Dr. Barbara Schweppe, 1986 in Bonn approbiert, verantwortet die Kinder- und Jugendzahnheilkunde, Kieferorthopädie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie die Prophylaxeprogramme für die verschiedenen Patientengruppen. Dr. Nicol Thiedemann, 2001 in Gießen approbiert, eröffnete der Praxis neue Wege: Allergie-Diagnostik, Amalgamausleitung, Akupunktur, Angstbehandlung mit Hypnose und die methodische Nutzung der Ganzheitlichen Zahnheilkunde zählen zu ihrem Repertoire. Wilhelm Schweppe verantwortet die konservierende sowie prothetische Restauration und hat als zertifizierter Implantologe einen weiteren Behandlungsschwerpunkt geschaffen.
Damit erfüllte sich für Schweppe die Vision „multiple Therapiemethoden unter einem Dach“ und qualifizierte das Praxisteam auf einschlägigen Curricula in den Disziplinen Endodontie, Parodontologie, Oralchirurgie, Ästhetische Zahnheilkunde, geriatrische Prothetik, Laserbehandlung, Karies- und Parodontitisprophylaxe. Aufgrund der Zulassung für die klinische Hypnosetherapie kann sich der Praxispatient bei chirurgischen Eingriffen für eine Dämmerschlafbehandlung (Analgosedierung) entscheiden.
Die Akzeptanz des Patienten für die angezeigte Therapie war für Zahnarzt Schweppe ein wichtiges Kriterium. Er stellte fest, dass viele Patienten großen Wert auf metallfreie Restaurationen legen, ebenso auf ein ästhetisch gestaltetes Zahnbild. Damit erweiterte Schweppe sein Praxisprofil mit den Determinanten „metallfrei, biokompatibel, perfekte Ästhetik“ und bereitete den Einsatz vollkeramischer Werkstoffe vor. Bei der Wahl der Verarbeitungstechnik visierte er das Chairside-Verfahren an, denn er wollte bei Ästhetik und Funktion selbst Hand anlegen. Nach gründlicher Prüfung der klinischen Optionen sowie der Wirtschaftlichkeit entschied er sich 1990 für die Cerec-Methode, denn er beabsichtigte, ein CAD/CAM-System zu nutzen, das ein breites Behandlungsspektrum bot und schrittweise – je nach Praxisbedarf – erweiterungsfähig war.
Patienten schätzen die abdruckfreie Behandlung
Mit dem Cerec-System arbeiten inzwischen alle drei Behandler. Das Chairside-Verfahren wird für Inlays, Onlays, Teilkronen, Veneers und monolithische, verblendfreie Kronen eingesetzt. Die Patienten schätzen die lichtoptische Abformung, die zahnfarbene Keramik und die Versorgung in einer Sitzung ohne Provisorium. „Cerec wurde zum Aushängeschild unserer Praxis“, so der Praxisinhaber. „Die Patienten sparen Wiederholungsbesuche und dadurch Zeit. Das schätzen besonders Berufstätige.“
Für die Gestaltung von Kronen-Kauflächen wird neuerdings die biogenerische Software V3.80 eingesetzt, die eine individuell geformte Okklusalfläche berechnet. „Dadurch entsteht automatisch in wenigen Sekunden eine patientenspezifische Kaufläche mit funktionellen Eigenschaften. Ein virtuelles Registrat, vestibulär aufgenommen, sorgt für die Schlussbiss-Anatomie. Im Ergebnis erfordert die biogenerisch gefertigte Kaufläche kaum noch Einschleifmaßnahmen“, erklärte Schweppe. Kronen aus Lithiumdisilikat mit individueller Bemalung und Glanzbrand oder Verblendkronen auf Oxidkeramikgerüsten werden auf dem Schwestersystem inLab im Praxislabor gefertigt, ebenso Brückengerüste und Abutments aus Zirkoniumdioxid für die Implantatprothetik.
„Die Entscheidung, eine Restauration chairside zu fertigen oder labside ausführen zu lassen, mache ich von der klinischen Situation, von der gewünschten Ästhetik und vom Arbeitsvolumen abhängig“, erklärte Schweppe.
Durch die flexible Arbeitsorganisation nutzt der Praxisinhaber die Ressourcen seines Praxislabors. „Die integrierte Zahntechnik erlaubt mir, zeitaufwendige Prozesse zu delegieren, so dass ich mich anderen Patienten und Aufgaben widmen kann.“ Hierbei hat Schweppe die Praxiskosten und die Wirtschaftlichkeit seiner Systeme stets im Blick. „Das Ergebnis wird von zwei Kriterien beeinflusst“, erklärt er, „das eine sind die Kosten der Praxisstunde, das andere der Abgabepreis der Restauration an den Patienten. In Anbetracht der allseits bekannten knappen Kassen in den Privathaushalten kann das mit konventioneller, fremdgefertigter Zahntechnik sehr eng werden. Hier hat sich die Eigenleistung mit Cerec und inLab bewährt; damit erzielen wir einen guten Beitrag zum Praxisergebnis.“
Digitalröntgen und Cerec ergänzen sich
Schon mit Übernahme der väterlichen Praxis eröffnete sich Schweppe junior mit der Implantatbehandlung einen wachsenden Tätigkeitsbereich. Inzwischen investierte er zur Verbesserung der Befundung, der Behandlungsplanung und zur Steigerung der Therapiesicherheit bei der enossalen Insertion in die digitale Volumentomographie. Mit dem installierten Galileos-System wird die Knochensituation dreidimensional und strahlungsarm visualisiert. Ferner ermöglicht das DVT eine deutlich höhere Qualität der Befundung des Implantatbetts, verbunden mit der exakten Ortung des Nervus alveolaris und der Positionierung der Enossalteile. In praxi werden die klinische Lückensituation mit der Cerec-Bluecam intraoral gescannt und eine passende Implantatkrone mit Suprastruktur virtuell konstruiert. Dieser Datensatz wird als prothetische Planung in das 3-D-Röntgenbild exportiert und mit der Weichgewebssituation abgebildet. Pfeilerdimension, enossale Eintauchtiefe, Einschubrichtung und Abwinkelung der Abutments können schon in dieser Planungsphase festgelegt werden. Ebenfalls werden präoperativ Position und Abmessungen der Bohrschablone bestimmt und die stereolithografische Herstellung im ZT-Labor ausgelöst.
Dr. med. dent. Peter Schneider, Heidelberg
(Artikel gekürzt)
Den vollständigen Artikel mit den entsprechenden Abbildungen finden Sie in der DZW 26/10 auf Seite 11.
DZW im Abo
Jede Woche: Die
Zahnarztwoche im
Abonnement
DZW TV
Informationen aus
der Gesundheits- und
Berufspolitik, Neues
aus der Zahnmedizin,
Hinweise auf
interessante
Veranstaltungen,
Interviews u.v.m.



Eigenen Kommentar hinzufügen