
Forschung und Lehre im Praxistest
Erfahrungen einer Assistenzzahnärztin in der Endodontie –
Die Ansicht meines Chefs ist, dass Endo in unserer Praxis nicht nur „bezahlbar“ sein, sondern sich betriebswirtschaftlich auch lohnen muss. Zwar steht mir in meiner Ausbildungspraxis bei allen Behandlungsmaßnahmen eine gewisse Zeit für „trial and error“ zur Verfügung, aber ich muss, so seine väterliche Meinung, auch „fürs Leben lernen“. Ich soll irgendwann (und das möglichst bald) in der Lage sein, eine Praxis eigenverantwortlich wirtschaftlich führen zu können.
Und da habe ich mehr als einmal gestaunt, was das bedeutet. Nehmen wir zum Beispiel die Endodontie. Haben Sie nach dem Studium, nachdem Sie einige Zeit in der Praxis gearbeitet hatten, den Professor wiedergesehen, der Ihnen beibrachte, wie man Wurzelkanalbehandlungen lege artis durchführt? Akzeptieren Sie immer noch seine Aussage, für die Aufbereitung eines Wurzelkanals 90 Minuten (!) aufwenden zu müssen? Mein Chef hat mir dazu (anfangs durfte ich noch ein wenig üben, um Routine zu bekommen) etwas ganz anderes erzählt.
Etwas, das ich neben der praktischen Arbeit ebenfalls lernen musste, war der Bema. Der wird ja bei der Zulassungssitzung geprüft – meiner Meinung nach zu Recht. Es ist schon erstaunlich zu lesen, wie gering die Bewertungen und damit die Bezahlungen der einzelnen Leistungen ausfallen. Auf jeden Fall die des „WK“ so gering, dass dafür 90 Minuten wirtschaftlich nicht realistisch sind. Aber trotz aller Übung (mein Chef delegiert mittlerweile die meisten Endos an mich) habe ich große Probleme mit der manuellen Kanal-„Pfriemelei“. Und über dieses Problem habe ich mich bei meinem Chef auch beklagt.
Mittlerweile weiß ich, wozu es in unserem Fachgebiet Spezialisten gibt. Ich selbst möchte meine Gesundheit ja auch in die Hände eines Fachmanns legen, wenn es einmal erforderlich ist. Das jedenfalls meint mein Chef damit, wenn er sagt, ich solle für meine Patienten dieselben Grundsätze und Maßstäbe gelten lassen wie für mich selbst. Aber deswegen jede Endo an den Spezialisten überweisen? Nein, das ist weder nötig, noch (wirtschaftlich) sinnvoll. Aber muss ich, um gute Endos zu machen, selbst ein Spezialist sein? Nein, aber bei ihnen ein Seminar zu besuchen, und Tipps und Tricks vermittelt zu bekommen, das macht Sinn. Da kann man auch mal eigene Fragen und Probleme einbringen und merkt bei den anderen Seminarteilnehmer(innen), dass auch sie Probleme mit wirtschaftlicher Endo haben.
Die Firma Loser aus Leverkusen veranstaltet regelmäßig solche Kurse. Doch ist es nötig, zusätzlich zu dem, was wir auf der Uni an Endo gelernt hatten, Fortbildungen zu besuchen, um in einer „normalen“ Praxis „normale“ Endos durchführen zu können? Zu dem Seminar kamen auch ältere Kolleginnen und Kollegen. Wieso eigentlich? Die hatten doch sicher alle schon jahrelang ihre Erfahrungen in der Praxis gesammelt. Aber, so sagten mir die Kolleginnen und Kollegen auf meine Frage hin, Endo sei heute per se kein „Winning Team“ mehr. Der Referent des Seminars sagte uns, dass keine Studie belegen kann, dass eine Endo-Therapie über mehrere Sitzungen hinweg erfolgreicher ist, als Aufbereitung und Füllung in einer Sitzung. Deswegen stellte er eine einfachere Alternative zur Handaufbereitung und rotierender Aufbereitung mit NiTi-Feilen vor. Denn beide Vorgehensweisen bergen Risiken. So kann es bei der Verwendung von Handinstrumenten zu Überinstrumentierungen kommen. NiTi-Feilen können rasch brechen, zum Beispiel in engen gekrümmten Kanälen und wenn sie zu oft verwendet werden. Dr. Allan Deutsch hat mit dem Endo-Express eine neue Methode der maschinellen Wurzelkanalaufbereitung entwickelt, die diese Risiken minimiert.

- Die flache Seite der Feile sorgt dafür, dass sie sich im Kanal nicht festfrisst und selbst aus gekrümmten Kanälen Debris schnell und sicher heraus transportiert.
Die wesentlichen Unterschiede des Systems Endo-Express liegen darin, dass sich das Winkelstück oszillierend mit einem 40-Grad-Winkel bewegt und die flexiblen Stahlfeilen ein modifiziertes Schneidekantendesign aufweisen. Seitlich abgeflacht, können sich die sogenannten SafeSider-Feilen selbst bei einer höheren Drehzahl nicht mehr im Kanal festfressen. Mit der Kombination aus oszillierender Bewegung und den abgeflachten Schneidekanten lässt sich das Gewebe schonend und sauber aus dem Wurzelkanal entfernen.
Oszillieren statt rotieren
Bei drehenden Aufbereitungen hatte ich eigentlich immer ein weniger gutes Gefühl als bei oszillierenden Bewegungen. Schon oft hat sich bei nur der geringsten Unachtsamkeit eine rotierende Feile festgefressen. Da war mir das Winkelstück des Endo-Express lieber. Zum einen, da gemeinsam mit den SafeSider-Feilen ein Festfressen praktisch unmöglich ist, zum anderen auch, weil ich in ihm auch „normale“ Feilen einspannen konnte.
So war ich von Systemen, die „alles aus einer Hand“ erforderlich machten, eher unabhängig. Wer sich die Arbeit weiter erleichtern will, setzt einen Apex Locator ein. Abfüllen geht mit dem Easy Fill von EDS ebenfalls ganz einfach, ohne laterale, vertikale und ohne thermische Kondensation. Die Aufbereitung geschieht nicht nur mit den SafeSider-Feilen, sondern auch mit weiteren Systemkomponenten wie einem Gates-Bohrer und einem getaperten Pleezer sowie letztlich mit zwei abschließenden NiTi-Feilen.
Dr. Martyna Kotzian, Marl
(Artikel gekürzt)
Den vollständigen Artikel mit weiteren Abbildungen finden Sie in der DZW 44/10 auf Seite 18.
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