Chance Praxis - Das Fachmagazin für Praxisgründer

17. August 2011 |  Praxismanagement und Praxismarketing

Ein Kinderkonzept passt in jede Zahnarztpraxis

In der Regel kommen Eltern erst dann zum ersten Mal mit ihren Kindern in die Zahnarztpraxis, wenn das „Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“. Multiple Karies, Gingivitiden und eine „Null-Bock-Haltung“ gegenüber regelmäßiger Mundhygiene sind bedauerlicherweise keine Einzelfälle. Hinzu kommt, dass die Prägungsphase eines Menschen bis zum siebten Lebensjahr abgeschlossen ist. Die meisten Verhaltensmuster und Glaubenssätze sind dann fest verankert und lassen sich nur schwer neu programmieren.

Der erste Besuch beim Zahnarzt

Bevor der kleine Patient das erste Mal in die Praxis kommt, wird er oft zu Hause auf das Ereignis vorbereitet – oft mithilfe verschiedener Bücher, dabei werden die Kinder unwissentlich durch Aussagen wie „beim Zahnarzt ist es gar nicht so schlimm, die Mama muss da auch zweimal im Jahr hin“ negativ konditioniert. Bilder, in denen Kinder große und unbekannte Instrumente im Mund haben, können für Verwirrung von Kinderseite sorgen, genauso Aussagen wie „du brauchst dich nicht zu fürchten“.

Nicht selten haben Sie gut unterrichtete Kinder in der Praxis, die wissen, dass sie sich nicht fürchten müssen und dass der Zahnarzt mit großen Instrumenten im Mund arbeitet – diese Kinder haben Herzrasen, bevor sie dem Zahnarzt zum ersten Mal begegnet sind. Das Beziehungskonto des neuen kleinen Patienten ist somit bereits im Minus und lässt sich nicht in so kurzer Zeit neutralisieren.

Ein erwachsener Neupatient kommt mit einem neutralen Beziehungskonto in die Praxis, erst durch positive oder negative Impulse und Erfahrungen verändert sich der Kontostand ins Positive oder sinkt ins Negative ab.

Der Desensibilisierungsbrief von der Zahnfee und dem Zahnritter

In den Zahnfee-Praxen wird bei der telefonischen Terminabsprache mit der Mutter oder dem Vater vereinbart, dass der zukünftige kleine Patient in den nächsten Tagen einen Brief von der Zahnfee beziehungsweise von dem Zahnritter erhält. Dieser Brief macht die Kinder neugierig auf den ersten Besuch beim Zahnarzt.

Dies ist nicht selten der allererste Brief, den das Kind bekommt. Damit der Überraschungseffekt noch größer ist, kann der Brief mit ein wenig Feenstaub oder Märchenwolle aus dem Bastelladen verziert werden. Mädchen bekommen den Brief von der Fee im rosa Kuvert und Jungen den Brief vom Ritter im blauen Kuvert.

Auch die Mütter bekommen Post: den Anamnesebogen und eine unterstützende Maßnahme zur Vorbereitung auf den ersten Zahnarztbesuch (siehe Kasten), und damit der kommunikative Einstieg erleichtert wird, zusätzlich einen Brief „Was mein Kind mag und nicht mag“. Vorbereitungsrituale in dieser Form habe ich fast nie in zahnärztlichen Praxen erlebt, Aussagen wie „Kinder gehen halt nicht gerne zum Zahnarzt“ nur zu oft.

Warum gehen Kinder nicht gerne zum Zahnarzt? Weil die Termine und Behandlungen in keiner Art und Weise kindgerecht sind und Spaß machen. Selten sehe ich kleine Patienten beim ersten Termin voller Vorfreude in der Tür stehen. Viel schöner ist es jedoch, wenn der kleine Patient mit einem strahlenden Lächeln zu Ihnen kommt. Die zahnärztlichen Leistungen sind einige der teuersten Leistungen in der Medizin, die Ihren Patienten zusätzlich noch am wenigsten Freude bereiten! Damit das Lächeln bleibt und vielleicht noch kraftvoller wird, begrüßen Sie den neuen kleinen Patienten mit einem Begrüßungsritual aus dem Feenwald. Bleiben Sie dabei authentisch, die feinen Antennen der Kinder spüren unverzüglich, wenn etwas nicht in Ordnung ist und sie sich unbehaglich fühlen.

Es gibt verschiedene Optionen, Kind und Eltern zu begeistern – die Rezeptionsfee könnte ein Feenkostüm mit wunderschönen Flügeln tragen oder das Kind mit einem Zauberspruch und Zauberstab begrüßen. An eigenen Zahnfee-Nachmittagen lassen Sie Ihren Ideen freien Lauf, versüßen Sie beispielsweise den Kindern die Wartezeit mit einem Zauberer, Ballonmagier oder der Möglichkeit, Gesichter zu schminken. Postieren Sie eine Fee mit zahnfreundlichen Süßigkeiten vor der Praxiseingangstür oder laden Sie doch einmal die Zahnfee „höchst persönlich“ ein. Das Sahnehäubchen Ihrer neuen Ideen ist der personenbezogene Umgang mit den unterschiedlichen Kinderpersönlichkeiten:
• der Rebell
• das angepasste Elternkind
• der Angsthase
• der Zappelphillip

Die ersten Besuche der kleinen Patienten beginnen meist ab dem dritten Lebensjahr in der Zahnputzschule. Auch in der Putzschule kann den Kindern mit zauberhaften Ideen aus dem Feenwald das Zähneputzen „schmackhaft“ gemacht werden. Um für Nachhaltigkeit und mehr Spaß der Putzschule zu sorgen, gibt es zum Beispiel ein Putztagebuch und einen Putzvertrag.

In das Putztagebuch werden tageweise Sonnen oder Wolken gemalt, Sonnen stehen für sehr gut geputzte Zähne und Wolken für schlecht geputzte Zähne. Die Eltern übernehmen die häusliche Kontrolle, und nach zwölf Wochen wird das ausgefüllte Tagebuch bei uns gegen ein kleines Dankeschön für das tolle Zähneputzen eingetauscht. Mit dem Putztagebuch nehmen die Kinder die Praxismotivation mit nach Hause. Begeistern Sie Ihre kleinen Patienten und motivieren Sie die Eltern mit Ideen aus dem Feenwald.

Nicole Graw, Hamburg   

(Artikel gekürzt)

Den vollständigen Artikel mit weiteren Informationen zu den unterschiedlichen Kinderpersönlichkeiten lesen Sie in der DZW 33-34/11 auf Seite 18.

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