
Effizientere Mitarbeiterführung mit dem DISC-Modell
Welchen Stellenwert motivierte Mitarbeiterinnen für den Erfolg einer Zahnarztpraxis heute haben, zeigt sich erst dann, wenn Probleme, Dissonanzen oder Unzufriedenheiten die Effizienz der Arbeitsabläufe beeinträchtigen und eine professionelle Patientenbetreuung erschweren. Top-Leistungen werden letztlich von denjenigen Mitarbeiterinnen erbracht, die mit Freude und Begeisterung bei der Sache sind.
Die Gebrauchsanleitung für die „richtige“ Motivation ist – angesichts der großen Vielfalt an Menschen und Persönlichkeiten – noch nicht erfunden worden. Vielmehr sollte es der Zahnärztin/dem Zahnarzt darum gehen, den richtigen Führungsstil für die jeweilige Mitarbeiterin zu entschlüsseln. Das DISC-Modell leistet dazu einen wertvollen Beitrag.
Das DISC-Modell, das in der Praxis von mehr als 500.000 Anwendern genutzt wird, hat sich auch in unserer jahrelangen Arbeit bestens bewährt. Das Modell unterscheidet vier grundlegende Persönlichkeiten: den extrovertierten, den introvertierten, den menschen- und den aufgabenorientierten Typ. Aus der Kombination dieser einzelnen Charaktere ergeben sich vier markante Verhaltensstile, die dem DISC-Persönlichkeitsmodell seinen Namen geben: der Dominante (extrovertiert und aufgabenorientiert), der Initiative (extrovertiert und menschenorientiert), der Stetige (introvertiert und menschenorientiert) und der Gewissenhafte (introvertiert und aufgabenorientiert). Wenngleich es in der Realität kaum einen Reintypen gibt, so hat jeder Mensch einen Verhaltensstil, der besonders ausgeprägt ist.
Dominanter Verhaltenstyp
Dominante haben das Ziel, ihr Umfeld zu formen und Widerstände zu überwinden. Sie sind in erster Linie an Ergebnissen interessiert. Ihr Grundbedürfnis ist die Unabhängigkeit von äußeren Umständen, aber auch von anderen Menschen. Aus der Grundangst davor, von anderen bezwungen zu werden, wird das Handeln dominanter Persönlichkeiten dadurch motiviert, dass sie sich durch die jeweilige Aktion selbst behaupten, sich mit anderen messen können, sich beweisen können, sich Respekt verschaffen, sich durchsetzen, gefürchtet sind, ums Überleben kämpfen oder Erfolg haben.
Die Stärken der Dominanten sind ihre hohe Zielorientierung und -erreichung, gepaart mit einer hohen Problemlösungskompetenz. Allerdings haben sie – gerade auf der menschlichen Ebene – ihre Schwächen: Kontaktarmut, Ungeduld und autoritäres Auftreten – in der Praxis zum Beispiel ungerechtfertigtes Zurechtweisen von Kolleginnen oder Drängen des Patienten zur Inanspruchnahme von Zuzahlungsleistungen.
Initiativer Verhaltenstyp
Auch der Initiative will sein Umfeld formen und Ergebnisse erzielen, sucht dabei aber die Hilfe anderer. Seine größte Angst ist die Furcht vor Benachteiligung, und sein Grundbedürfnis ist es, akzeptiert zu werden. Initiative Persönlichkeiten verstehen die Gefühle anderer und mögen es, mit Menschen umzugehen – was übrigens die besondere Stärke des initiativen Typs ist: Initiative lieben es, Menschen zu motivieren und zu begeistern. Mögliche Schwächen der Initiativen sind Oberflächlichkeit, mangelnde Detailgenauigkeit und Organisationsdefizite – so etwa in der Praxis „eben schnell noch“ eine ungeplante Behandlung mit in die Sitzung einzubeziehen, anstatt sich an den Terminplan zu halten.
Stetiger Verhaltenstyp
Stetige wollen – wie Dominante und Initiative auch – Ergebnisse erzielen, aber nicht ihre Umwelt formen. Mehr noch als Initiative suchen sie die Kooperation mit anderen. Am meisten haben Stetige Angst vor dem Alleinsein, und ihr Grundbedürfnis ist ein Bedürfnis nach Sicherheit. Die Motive für das Handeln stetiger Persönlichkeiten sind das Ausdrücken wahrer Gefühle, die Ablehnung dessen, was ihren Vorstellungen widerspricht, von anderen wichtig genommen zu werden und Forderungen gegenüber anderen zu rechtfertigen. Menschenorientierung und hohe Teamfähigkeit gehören zu den größten Stärken der Stetigen, sind paradoxerweise aber auch ihre große Schwäche: Ihr Bedürfnis nach Harmonie hat bisweilen höhere Priorität als die Erreichung eines Ziels: In der Zahnarztpraxis neigen Stetige dazu, Probleme im Team nicht anzusprechen, und in der Patientenberatung fehlt es ihnen oft an Überzeugungskraft.
Gewissenhafter Verhaltenstyp
Der Gewissenhafte will in erster Linie mit anderen über die Konsequenzen von Aktionen reden. Aus der Angst heraus, kritisiert zu werden, hat er ein elementares Bedürfnis, Dinge richtig zu machen. Seine Motive sind: andere fair behandeln, die Welt verbessern, Fehler korrigieren, die eigene Ansicht rechtfertigen, alles nach einer einheitlichen Vorstellung beurteilen, sich von bedrohlichen Dingen fernhalten. Die größten Stärken der Gewissenhaften sind ihre Ausdauer und ihre Genauigkeit, ihre größte Schwäche ist, dass sie oft zu vorsichtig und zu gründlich agieren und eine Aufgabe „zu gut“ erledigen wollen: Der menschlichen Komponente ihrer Arbeit – so zum Beispiel der Kommunikation im Team oder mit dem Patienten – gehen sie häufig aus dem Weg.
Erste Schritte der Anwendung
Auch wenn die eben genannten Persönlichkeiten Reintypen darstellen, denen niemand zu 100 Prozent entspricht, liefert das DISC-Modell doch einen guten Analyse- und Interaktionsrahmen zur Führung von Mitarbeiterinnen. Bei der Anwendung lassen sich unter Beantwortung der relevanten Leitfragen erste Ergebnisse erzielen:
Schritt 1: Wo finde ich mich beruflich und privat innerhalb der DISC-Typisierung wieder? Welche Verhaltenstendenz ist bei mir am stärksten ausgeprägt? Gibt es Unterschiede in meinen Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen (Behandlung, Beratung, Meetings, Kritikgespräch etc.)?
Schritt 2: Nun empfiehlt es sich, die Praxismitarbeiterinnen in das DISC-Schema einzuordnen. Folgende Fragen sollten dabei zur konstruktiven Mitarbeiterführung gestellt werden: Wo finde ich diese wieder? Was können sie besonders gut, und wie kann ich diese Potenziale als Verantwortlicher fördern? Wo gibt es „Lernfelder“ oder „Schwachstellen“? Wie können letztere abgestellt werden?
Tobias Lensing, Bingen
(Artikel gekürzt)
Den vollständigen Artikel mit weiteren Tipps zur effizienten Mitarbeiterführung lesen Sie in der DZW 28/11 auf Seite 10.
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