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23. Mai 2011 |  Praxismanagement und Praxismarketing

Rauchentwöhnung in der Zahnarztpraxis

Viele Raucher leiden unter den Auswirkungen des Tabakkonsums auf die Allgemein- und Mundgesundheit. Mehr als die Hälfte möchte deshalb dauerhaft mit dem Rauchen aufhören [1]. Eine ärztlich begleitete Rauchentwöhnung erhöht die Chance auf einen langfristigen Erfolg erheblich.

Das Praxisteam kann wesentlich zur Motivation von ausstiegswilligen Rauchern beitragen. – Foto: Fotolia

Regelmäßiges Rauchen schadet der Gesundheit. Auch das Risiko, an oralen Erkrankungen wie Mundhöhlen- und Rachenkrebs Parodontitis und Leukoplakie, zu erkranken, ist erhöht. Zudem sinkt die Qualität zahnärztlicher Behandlungen bei rauchenden Patienten aufgrund schlechter Wundheilung, Parodontitis und Knochenabbau. So ist bei Rauchern beispielweise die Gefahr, ein neues Implantat zu verlieren, um etwa 30 Prozent höher als bei Nichtrauchern [2]. Unangenehmer Mundgeruch und Zahnverfärbungen treten ebenfalls als typische Begleiterscheinungen des Rauchens auf.

Suchtmechanismen des Rauchens

Bis zu 80 Prozent aller Raucher probieren den Rauchausstieg mindestens einmal spontan mithilfe des „kalten Entzugs“. Mit dieser Strategie ist das Scheitern oft programmiert: Die Abstinenzrate liegt nach einem Jahr bei nur etwa drei bis fünf Prozent [3].

Grund dafür ist das hohe Suchtpotenzial des Nikotins. Nach Aufnahme bindet es an a4ß2-Acetylcholin-Rezeptoren im Gehirn. Diese aktivieren die Freisetzung von Dopamin in den Kerngebieten des neuronalen Belohnungssystems [4] – die Folge ist ein angenehmes und entspanntes Körpergefühl. Außerdem steigert sich die Konzentrations- und Gedächtnisleistung, Aggressivität und Ängstlichkeit nehmen dagegen ab. Entzugserscheinungen wie Gereiztheit oder Schlafstörungen treten dann auf, wenn der Dopaminspiegel wieder absinkt. Es entsteht das als „Craving“ bezeichnete Rauchverlangen. Mit steigender Nikotinaufnahme werden außerdem zusätzliche nicotinerge Rezeptoren ausgebildet. Zudem entwickelt sich durch regelmäßiges Rauchen eine Toleranz gegenüber Nikotin [5]. Dem Gewöhnungseffekt folgt oft ein erhöhter Zigarettenkonsum.

Soziale und psychologische Faktoren sind ebenfalls relevant für die Suchtentstehung. So verknüpfen Raucher die Zigarette an bestimmte Tätigkeiten oder Schüsselreize, sodass sie in spezifischen Situationen auf das Rauchen konditioniert sind.

Effektive Therapiestrategie mit Vareniclin

Die beste Rauchentwöhnungsstrategie ist deshalb eine Kombination aus Verhaltensänderungen und medikamentöser Unterstützung [6]. Entzugssymptome können beispielsweise mithilfe der Nikotinersatztherapie (unter anderem Kaugummi, Pflaster, Lutschtabletten) abgemildert werden. Als nikotinfreie Option steht außerdem das verschreibungspflichtige Medikament Champix (Vareniclin) der Pfizer Deutschland GmbH (Berlin) zur Verfügung. Diesem Wirkstoff, der speziell zur Rauchentwöhnung entwickelt wurde, liegt ein dualer Mechanismus zugrunde. Er bindet als partieller Agonist an die nicotinergen Rezeptoren im Gehirn und verringert so die Dopaminfreisetzung. Entzugserscheinungen werden damit reduziert [7].

Bei einem Rückfall schwächt Vareniclin durch die Hemmung von Nikotin das durch Rauchen erzeugte Belohnungsgefühl [8]. Bei einer offenen, randomisierten Vergleichsstudie wurde die Wirksamkeit einer Vareniclin-Therapie im Vergleich zu einer mit dem Nikotinpflaster untersucht. Während der letzten vier Behandlungswochen stellte sich die kontinuierliche Rauchabstinenz unter Vareniclin signifikant höher dar (55,9 Prozent) als unter dem Nikotinpflaster (43,2 Prozent). [Die Unterschiede in den (kontinuierlichen) Abstinenzraten waren in den Wochen 24 und 52 nicht signifikant. Die Aussagekraft der Studie unterliegt Limitierungen, da es sich um ein offenes Studiendesign handelt und die Behandlungsdauer in der Vareniclin-Gruppe (zwölf Wochen) und in der Nikotinersatztherapie-Gruppe (zehn Wochen) unterschiedlich war.] [9]

Ärzte – wie Zahnärzte, Hausärzte und Psychotherapeuten – nehmen eine Schlüsselrolle bei der Rauchentwöhnung ein. Insbesondere das zahnärztliche Praxisteam kann wesentlich zur Motivation des rauchenden Patienten beitragen: Die direkten Auswirkungen des Tabakkonsums im Mund- und Rachenraum, wie Zahnverfärbungen oder Zahnfleischrückgang, lassen sich beispielsweise im Rahmen von Prophylaxebehandlungen anschaulich demonstrieren. Ebenso können die positiven Effekte des Rauchausstiegs, die bereits nach kurzer Zeit sichtbar werden, den Patienten in seiner Entscheidung bestärken.

Das in vielen Zahnarztpraxen etablierte Recall-System bietet dem Zahnarzt und seinem Praxisteam dafür optimale Voraussetzungen: Sie können durch den regelmäßigen Kontakt den Patienten während der gesamten Rauchentwöhnungstherapie – auch in rückfallkritischen Situationen – begleiten und beraten.

Orientierung bei der strategischen Raucherberatung bietet das „5-A-Stufenmodell“:
• „Ask“: Jeder Patient wird bei der Anamnese zu seinen Rauchgewohnheiten befragt.
• „Advice“: Rauchern wird der Rauchausstieg empfohlen. Wichtig ist die persönliche Ansprache.
• „Assess“: Die Einstellung des Patienten zum Rauchen und seine Motivation zum Rauchausstieg werden bewertet.
• „Assist“: Der Rauchentwöhnungsprozess wird durch Beratung und Therapie unterstützt.
• „Arrange“: Während und auch nach der Rauchentwöhnungsphase wird der Patient intensiv betreut.

Für die medikamentöse Behandlung oder verhaltenstherapeutischen Maßnahmen kann der Raucher auch an einen spezialisierten Arzt für Rauchentwöhnung überwiesen werden. Mithilfe einer interdisziplinären Aufgabenteilung zwischen Zahnarzt und Hausarzt kann der Raucher bei seinem Vorhaben so wirkungsvoll unterstützt werden. Rauchentwöhnende Ärzte und Zahnärzte können ihre Praxis unter www.arztdatei.de eintragen. Patienten erhalten Infos unter www.rauchfrei-durchstarten.de.   

Die Literaturliste zu diesem Artikel finden Sie in der DZW 21/11 auf Seite 11.

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