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16. April 2010 |  Berichte

Was wurde getan – was ist zu tun?

Tobias Bauer über Hilfsprojekte für Haiti – Ergebnisse vom Chicago Midwinter Meeting –

 

Dr. Samuel Prophete fasste es in klare Worte: Was die haitianische Bevölkerung an Spenden, Hilfen und Zuwendungen von außen bekam, hat sich tief in die Herzen eingegraben. Anlässlich des diesjährigen Chicago Midwinter Meetings hatte ihn die American Dental Association zu einer der größten zahnärztlichen Veranstaltungen in die Stadt am Michigan See eingeladen. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Weltzahnärzteverbands FDI, Dr. Roberto Vianna, sowie dem Vertreter der Zahnärzteschaft Lateinamerikas, FOLA-Präsident Dr. Adolfo Rodríguez, konnten sie über die angelaufenen Hilfsprojekte berichten.

Wie Rodríguez aus der Dominikanischen Republik berichtete, wird seitens seiner Regierung alles unternommen, die haitianische Bevölkerung direkt an der Grenze zu versorgen. Da sein Heimatland allerdings auch nicht gerade zu den reichsten der Welt gehört, ist man für jede Unterstützung von außen dankbar. Vor allem möchte man den Menschen Perspektiven im eigenen Land geben. Gebraucht wird eigentlich so gut wie alles, denn das wenige, was es gab, ist zum größten Teil nicht mehr benutzbar, zerstört oder anderweitig verschwunden. Beeindruckt zeigte man sich in Chicago von der Solidarität der Kollegen aus Mittel- und Südamerika, die selbst nicht allzu viel haben und trotzdem eine große Menge an Materialien und gebrauchten Instrumenten für Haiti gesammelt hatten.

Das Midwinter Meeting in Chicago war von Solidaritätsveranstaltungen für Haiti geprägt. Eine ganze Reihe von Sitzungen und Symposien am Rande einer der größten zahnärztlichen Veranstaltungen in Amerika waren außerordentlich gut besucht. Über das DINO-Netz (Dental International Networking Organisation) sowie die ebenfalls beteiligte Organisation Dental Aid Worldwide kamen viele Kollegen nach Chicago, um sich auf der Messe wie auch bei den angeschlossenen Veranstaltungen zu informieren. Einer der großen Momente anlässlich des Chicago Midwinter Meetings war das Gala-Diner von Oral Health of America, bei dem allein mehr als 400.000 Dollar an Spenden zusammengekommen sind.

Für Dental Aid International als Projekt junger und „ehemals junger“ Zahnärzte aus dem Umfeld der New Young Practitians in Dentistry war das Chicago Midwinter Meeting ein nicht nur zeitlich gesehen wichtiger Treffpunkt. Schließlich sind zahlreiche weitere Projekte in Planung – und wollen entsprechend vorbereitet sein.

Die Unterstützung vieler Zahnärzte, die eigens nach Haiti gereist sind, um mit ihren dortigen Kollegen in den schlimmsten Tagen zu helfen, wird ein Schlüsselerlebnis bleiben. Diese Hilfe vor Ort ist angekommen. Die Bande von Haiti zu den nördlicheren Staaten des amerikanischen Kontinents sind zwar zweifellos enger als die zu Europa, aber auch von hier aus entstehen neue Verbindungen.

Medizinische Hilfe ist weiterhin nötig

Eine Spontangründung unter dem Eindruck der Bilder von der Erdbebenkatastrophe waren „Ärzte für Haiti“, „Helphaiti“ und „dentists4haiti“ (www.dentists4haiti.wordpress.com). Dank dieser im Aufbau befindlichen Strukturen sind mittlerweile mehr als 250 Ärzte, aber auch Zahnärzte, nach Haiti gelangt. Mit Unterstützung von Air Berlin und Condor ging es in die Dominikanische Republik. Über die Initiative „Haiti needs you“ entstanden schnell Kontakte ins Land. Helfer und Material werden von Defensa Civil, einer dominikanischen Organisation, die in etwa unserem technischen Hilfswerk entspricht, direkt vom Flughafen abgeholt und in einem sicheren und begleiteten Konvoi nach Haiti geleitet.

Auch wenn das Land mittlerweile wieder aus den Schlagzeilen verschwunden ist, ist der Bedarf an Hilfe aus medizinischer Sicht noch lange nicht gedeckt. Obwohl die erste Phase der Soforthilfe noch gar nicht abgeschlossen ist, ist es sicherlich nicht verkehrt, auch jetzt schon Pläne für den Wiederaufbau zu schmieden. So mancher stellt sich die Frage: Was können wir weiter tun? Aus zahnärztlicher Sicht beginnt die eigentliche Hilfe erst jetzt in der zweiten Phase.

Im Vordergrund steht dabei in erster Linie die Hilfe in Notlagen. Gleichzeitig soll dabei ein wichtiger Aspekt immer mitberücksichtigt werden. Das ist zum einen die Hilfe zur Selbsthilfe. Den Menschen vor Ort soll über die Hilfe in der Notlage hinaus Unterstützung zukommen, damit sie eine Chance haben, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Dazu gehört zum Beispiel, dass in die Infrastruktur investiert wird, Ausbildungsplätze geschaffen und Schulen gebaut werden – Nachhaltigkeit ist hier der Kerngedanke. In diese Richtung zielen seit langem auch die Projekte des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte (HDZ).

Aktuell weist die Organisation Ärzte ohne Grenzen darauf hin, dass es immer noch große Probleme in der Versorgung der Bevölkerung gibt. Fast drei Monate nach dem Erdbeben lebt ein Großteil der Bevölkerung in der nun beginnenden Regenzeit immer noch unter notdürftig hergerichteten Planen auf der Straße. Es gilt nun, alles daran zu setzen, um den durch die mangelhaften hygienischen Bedingungen geförderten Ausbruch von Epidemien entgegenzuwirken.

Eines ist gewiss: Durch die enge Verzahnung vieler Hilfsprojekte und die Präsenz ausländischer Helfer wird vor allem gewährleistet, dass die Hilfe auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Gemessen an dem Umstand, dass sich viele Organisationen und ihre Mitarbeiter im Angesicht der Katastrophe erst gefunden haben, sowie der damit verbundenen Aufbauphase wurde schon Beachtliches geleistet. Doch genug ist es noch lange nicht.

Tobias Bauer, Singen 

(Artikel gekürzt)


Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 16/10 auf Seite 26.

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