
Ein perfektes Lächeln ist nicht alles, was Patienten brauchen
„Aktuelle prothetische Konzepte“ auf dem 4. Hamburger Zahnärztetag –
Unter dem Motto „Aktuelle prothetische Konzepte“ stand der 4. Hamburger Zahnärztetag der Zahnärztekammer Hamburg, der Ende Januar 2010 stattfand. Insgesamt 460 Teilnehmer besuchten im Empire Riverside Hotel mit seinem besonderen Ambiente direkt am Hamburger Hafen Fortbildungsangebote für Zahnärzte, Mitarbeiterinnen und Zahntechniker sowie eine Dentalausstellung.
Die Zahntechniker-Innung Hamburg-Schleswig-Holstein brachte einen eigenen ausgebuchten Part in den Zahnärztetag ein. Eine Dentalausstellung rundete das Angebot ab.
Zum vierten Mal begrüßte der Hamburger Kammerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Sprekels die Teilnehmer des Hamburger Zahnärztetags. Erfreut stellte er fest, dass der neue Gesundheitsminister in Berlin ein junger Arzt ist und der FDP angehört. Sprekels in seinen Eröffnungsworten wörtlich: „Es sieht so aus, als ob tatsächlich einmal eine ,Jahrhundertreform‘, die das Wort auch verdient und die ein wenig unsere Interessen berücksichtigen könnte, auf den Weg gebracht wird.“ Dr. Horst Schulz, Vorsitzender des Fortbildungsausschusses der Zahnärztekammer Hamburg, leitete durch die Vorträge.
Das wissenschaftliche Programm startete mit dem Vortrag von Prof. Dr. Christian Besimo, Basel, zur Frage „Was für Patienten kommen in Zukunft zu uns?“. Besimo: „Es geht darum, die präventiven Erfolge anzuschauen, die sehr wohl unsere zahnärztliche Landschaft verändert haben.“ Zunächst erläuterte er kurz die Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS). Bei Kindern, Erwachsenen und Senioren sei die Karies rückläufig, und zwar um bis zu 80 Prozent. Dies habe Auswirkungen auf die Patientenzahl in den Praxen und auf das Behandlungsvolumen.
Bei der Wurzelkaries, vor allem bei den Senioren, sei dagegen eine Zunahme zu verzeichnen, der Sanierungsgrad dagegen sei sehr hoch. Eine deutliche Reaktion auf dieses Ergebnis sei eine deutliche Zunahme im Bereich der kosmetischen Zahnheilkunde. Es stelle sich jedoch die Frage, ob ein perfektes Lächeln alles ist, was die Patienten brauchen.
Im zweiten Vortrag dieses Tages berichtete Prof. Dr. Dr. Ludger Figgener, Münster, über „Konfliktprophylaxe“. Die Behandler müssten immer häufiger damit rechnen, dass die zahnärztliche Arbeit im Konfliktfall einer juristischen Prüfung unterzogen wird. Die beste Prophylaxe sei es natürlich, keine Fehler zu machen; eine gute Prophylaxe sei es, zumindest die Aufklärung und Dokumentation durch strukturierte Integration dieser Pflichten in den Behandlungsablauf sicherzustellen.
Im Abschlussvortrag des ersten Kongresstags berichtete Dr. Wolfgang Bengel, Heiligenberg, über die „Mundschleimhaut – parodontale Reaktionen auf Dentalwerkstoffe aus zahnärztlicher Sicht“. Die Kontaktstomatitis wurde in allen Einzelheiten erörtert, so die Frage, ob Prothesenunverträglichkeit ein durch Zahnersatz ausgelöster, objektivierbarer morphologischer Befund oder eine reine Befindlichkeitsstörung sein könne.

- Dr. Horst Schulz, Vorsitzender des Fortbildungsausschusses der ZÄK Hamburg
Der zweite Vortragstag startete mit dem Vortrag von Prof. Dr. Matthias Kern, Universität Kiel, über „Ästhetik – was können vollkeramische Restaurationen?“ Die klinische Anwendung vollkeramischer Restaurationen habe ein sehr gutes bis gutes Ergebnis bei Inlays und Veneers, bei Kronen und Frontzahnbrücken sowie bei Frontzahn-Adhäsivbrücken gezeigt.
Erneut rege Fragen und Antworten produzierte das anschließende Diskussionsforum. Hier hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, mit fast allen Referenten übergreifende Fragen zu erörtern. Dr. Horst Schulz leitete die Diskussionsrunde auf seine bewährte Art.
Zum Ende des Kongresses referierte Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Meyer, Greifswald, zum Thema „Funktionelle Aspekte oraler Rehabilitation“. Der natürliche Zahn sei die Grundlage für ein physiologisches Gleichgewicht: „Form is function“ oder „If the form isn’t there, the function isn’t there“.
In seinem Schlusswort dankte Schulz Referenten und Teilnehmern und lud zum 5. Hamburger Zahnärztetag im Januar 2011 ein, der unter dem Motto Endodontologie stehen wird.
Susan Röse, Gerd Eisentraut, Hamburg
(Artikel gekürzt)
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 7/10 auf der Seite 13.
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