
Das Potenzial der autologen Zahntransplantation nicht vergessen
„Therapieentscheidung und Diagnostikrelevanz“ – Karl-Häupl-Kongress in Köln (1) –
Das Thema des diesjährigen Karl-Häupl-Kongresses am 5. und 6. März 2010 „Therapieentscheidung und Diagnostikrelevanz“ war offensichtlich ein Treffer: Mehr als 1.000 Teilnehmer – Zahnärztinnen, Zahnärzte und Praxisteams – waren nach Köln gekommen. Angesprochen wurden Behandlungsalternativen in allen zahnärztlichen Bereichen. Wie man zu einer sachgerechten Therapieentscheidung kommt, war das Thema des Referats von Prof. Dr. Michael J. Noack, Köln (siehe dazu DZW 10/10). Einen auch nach eigenen Worten eher kabarettistischen Beitrag leistete Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle, Heidelberg, in seinem launigen Referat über „Die Zähne von Prominenten im Wandel der Zeit“.
Dieser spiegelt sich auch im Erscheinungsbild von Prominenten wider, die häufig als Repräsentanten der jeweils aktuellen Vorstellung, „wie man auszusehen hat“ fungieren. Wenn man den Gebisszustand von Prominenten beispielsweise aus den 1950er und 1960er Jahren mit dem von heute vergleicht, werden diese unterschiedlichen Vorstellungen sehr deutlich. Die heute zur Verfügung stehenden, zum Teil bizarr anmutenden Optionen der „kosmetischen“ Zahnheilkunde können auch an den Zähnen etlicher „dental entstellter“ Prominenter abgelesen werden. Zahlreiche Beispiele aus der „dentalen Welt“ prominenter Persönlichkeiten aus Politik, Sport, Film etc. trugen zu einer unterhaltsamen Geschichtsstunde bei.
Im Rahmen der dentoalveolären Chirurgie im Oberkiefer ist eine Eröffnung des Sinus maxillaris häufig unvermeidbar. Aus diesem Grunde ist eine präoperative Beurteilung des Sinus maxillaris bei derartigen Eingriffen notwendig. Prof. Dr. Dr. Ralf Schön, Freiburg, beleuchtete die Ursachen der odontogenen und rhinogenen Sinusitis und moderne bildgebende Verfahren zur Diagnostik und Therapie bei Kieferhöhlenerkrankung in seinem Vortrag „Sinusitis und orale Chirurgie“.
Mund-Antrum- Verbindungen bleiben oft unerkannt und führen danach im Verlauf von einer Woche in 80 Prozent der Fälle zu einer Sinusitis maxillaris, wie Wassmund bereits 1939 beschrieb. Als Grundlage für die Therapie bei iatrogener Kieferhöhleneröffnung und/ oder bei Verdacht auf eine Sinusitis maxillaris wurde die Anatomie und Physiologie der Drainage und Belüftung des Nasennebenhöhlensystems aufgezeigt und mit klinischen Beispielen demonstriert.
Der Indikation für transorale und endonasale Zugangswege bei der Therapie der Sinusitis maxillaris galt besondere Aufmerksamkeit. Während die gesunde Kieferhöhle sofort mit großer Erfolgswahrscheinlichkeit plastisch gedeckt werden soll, kann auch bei einer odontogenen Sinusitis nach einwöchiger Spülung mit pyhsiologischem Kochsalz mit ähnlichen Erfolgsaussichten gedeckt werden. Cave! Nicht mit H2O2, Braunol, Rivanol oder Ähnlichem spülen!
Die radikale Kieferhöhlenoperation nach Caldwell-Luc ist obsolet und hat funtionellen, die Schleimhaut erhaltenden Versorgungen weichen müssen. Detaillierte Therapiekonzepte und Möglichkeiten zur Vermeidung einer odontogenen Sinusitis in der Praxis wurden aufgezeigt. Fallbeispiele und Videodemonstrationen vermittelten das Management von Komplikationen unter besonderer Berücksichtigung der dentoalveolären Chirurgie.
Prof. Leonardo Trombelli, Ferrara (Italien), hielt seinen Vortrag auf Englisch zu einem parodontalchirurgischen Thema: „Single Flap Approach: a simplified procedure for periodontal reconstruction“. Die Voraussetzungen und der Umfang eines rekonstruktiven Vorgehens bei der Behandlung einer Knochentasche wurden dargelegt. Gesteuerte Gewebsregeneration, Transplantate und Schmelzmatrixproteine in Verbindung mit offenen Maßnahmen wurden besprochen.
Die minimal-invasive Chirurgietechnik eines nur einseitig den Defekt zugänglich machenden Lappens und eine resorbierbare Membran sollen sowohl die postoperativen Beeinträchtigungen mildern als auch das rekonstruktive Ergebnis optimieren und unnötig zeitraubende und kostenträchtige Behandlungen vermeiden, bei denen ohne nachweislich bessere Ergebnisse oft sehr teure Biomaterialien und Geräte verwendet werden.
Prof. (em.) Dr. Dr. Franz Härle, Kiel, wollte das Auditorium (und die Lehrstühle) äußerst engagiert davor bewahren, die autologe Zahntransplantation ohne Notwendigkeit aus den Augen zu verlieren: „Das Zahntransplantat: Wann eine Alternative zu Endodontie Prothetik, Kieferorthopädie und zu Implantaten? Diese einfache Methode, die möglicherweise zu Unrecht ziemlich in Vergessenheit geraten ist – und dies auch an den Universitäten, ist prognostisch mit Implantaten vergleichbar, jedoch mit besserer Prognose als Endodontie und Wurzelspitzenresektion. Die klassische Technik ist die Transplantation von Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum. Das Transplantat heilt in der Regel im Schleimhautniveau innerhalb einer Woche mit Anheftung der Gingivamanschette ein, wobei eine Schienung überflüssig ist. Nach drei bis vier Wochen ist der Zahn klinisch fest. Nach drei Monaten ist die Pulpa regeneriert und reagiert auf Kälte.
Wichtig: Die Pulpaobliteration nach ein bis zwei Jahren signalisiert die vitale Einheilung und ist keine pathologische Begleiterscheinung, wie man irrtümlich vermuten könnte. In der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Kiel wurden von 1982 bis 2004 bei 198 Patienten 242 Zähne transplantiert, davon sind 211 eingeheilt, 203 haben nach drei Monaten auf Kälte reagiert, 31 Transplantate gingen verloren. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate nach Kaplan-Meier betrug 95 Prozent und nach 20 Jahren noch 85 Prozent.
ZA Carlheinz Swaczyna, Krefeld
(wird fortgesetzt)
(Artikel gekürzt)
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 11/10 auf der Seite 11.
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