
Zahnmedizin ohne Betonung der ethischen Komponente nicht zeitgemäß
Deutscher Zahnärztetag – DGZMK-Arbeitskreis Ethik formuliert Ziele –
Eine der ersten Veranstaltungen beim Deutschen Zahnärztetag 2010 in Frankfurt am Main war die Sitzung des in diesem Jahr gegründeten Arbeitskreis Ethik in der DGZMK. Am 12. November trafen sich 21 seiner Mitglieder, um unter dem Vorsitz des Aachener Medizinethikers Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Dr. phil Dominik Groß die durch eine Umfrage ermittelten ersten Tätigkeitsschwerpunkte Implementierung von Ethik in das Zahnmedizinstudium, Zahnärztliche Ethik in der Fort- und Weiterbildung und Ethik und Öffentlichkeitsarbeit zu beraten und weitere zukünftige Arbeitsfelder zu diskutieren.
Zuerst war es notwendig, wegen des Rücktritts des stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Peter Weishaupt dessen Nachfolger zu wählen. Der als Einziger vorgeschlagene Honorarprofessor Dr. Dr. Joseph Kastenbauer (Altötting) erklärte seine Bereitschaft zur Kandidatur und wurde als Zahnarzt aus der Praxis in dieses Amt gewählt.
Es wurde verabredet, sich mit bestehenden Leitlinien und Berufsordnungen zu beschäftigen und bei konkreten Anfragen wissenschaftliche Gesellschaften und berufsständische Organisationen bei der Erstellung ihrer Leitlinien in puncto Ethik zu unterstützen. In diesem Zusammenhang war es auch interessant, mehr über die neue Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer (MBO) zu erfahren, die aber wegen der unterschiedlichen Heilberufegesetze in den Bundesländern von den jeweiligen Landeszahnärztekammern nicht 1:1 umgesetzt werden kann.
Die aktuellen Bestrebungen zur Priorisierung im Gesundheitswesen sind aus ethischer Sicht ein überaus schwieriger Sach- und Problemkomplex, der vom AK Ethik ein besonderes Augenmerk verlangt. Alle, vor allem aber die zahnmedizinischen Initiativen, sollen beobachtet werden, wobei andere medizinische Disziplinen sicherlich eine größere Rolle spielen werden.
Es kommt beim AK Ethik in besonderem Maße darauf an, dass seine Mitglieder aus Wissenschaft, Praxis und Standespolitik sich über das Wesen der Ethik im Klaren sind. Deshalb ist bei zukünftigen Tagungen geplant, diese mit einer internen Fortbildung zu verbinden, was erstmals im Februar 2011 in Frankfurt am Main der Fall sein wird.
Bei dem gemeinsamen Projekt des Medizinhistorischen Instituts und der Klinik für zahnärztliche Prothetik des Aachener Universitätsklinikums, die Ethik in der Lehre zu thematisieren, wurde nach anfänglichen Problemen sehr bald klar, dass die konkrete Einbindung ethischer Problemstellungen durch ein multimediales interaktives Angebot am besten verwirklicht werden kann. In Zusammenhang mit der Vorstellung dieses Lehrprojektes sprachen sich die anwesenden Mitglieder dafür aus, zukünftig die Bezeichnung „Ethik in der Zahnmedizin“ anstatt des Begriffs „Dental Ethics“ anzuwenden.
Die von den Professoren Staehle und Schliephake angeregte Neuformulierung der DGZMK-Stellungnahme zur sogenannten Komplementärmedizin wird durch die verschiedenen Fachgesellschaften erfolgen; der AK Ethik hat dabei eine koordinierende Funktion.
Nachdem es erfreulicherweise schon beim Deutschen Zahnärztetag 2010 möglich war, sich im wissenschaftlichen Programm auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetiik in der Zahnmedizin mit drei Referaten in der Sektion „Ästhetik und Ethik“ zu präsentieren, plant der AK Ethik eine eigene Sektion im Deutschen Zahnärztetag 2011. Das Thema „Richtig entscheiden in schwierigen Situationen“ soll insbesondere dem Zahnarzt in der Praxis in ethischen Fragen behilflich sein und zur Stärkung des Problem- und Verantwortungsbewusstseins beitragen.
Die im Frühjahr 2010 erfolgte Gründung des AK Ethik hat sowohl eine wissenschaftliche als auch eine standespolitische und praxisbezogene Dimension. Die bisherige Diskussion der Aufgaben und Ziele hat deutlich gezeigt, dass eine Zahnmedizin ohne Betonung der ethischen Komponente gerade jetzt nicht zeitgemäß wäre. Dies ist den Teilnehmern beim dritten Treffen sehr bewusst geworden, wobei auch eine Reihe von Missverständnissen und Kontroversen über persönliche Standpunkte ausgeräumt werden konnten. Der konstruktiv-harmonische Verlauf war das äußere Merkmal für die Bestrebungen, der Ethik den ihr gebührenden Platz in der Zahnmedizin zu sichern. Die DZW – ZahnarztWoche wird dies gerne unterstützen.
Aber noch mehr ist der AK Ethik auf die aktive Mitwirkung der Profession angewiesen, da es sich bei diesem DGZMK-Arbeitskreis keinesfalls um einen elitären „Closed shop“ handelt. Wer mitmachen möchte, sollte sich bei der DGZMK-Geschäftsstelle (dgzmk@dgzmk.de) melden.
Kimmel
DZW im Abo
Jede Woche: Die
Zahnarztwoche im
Abonnement
DZW TV
Informationen aus
der Gesundheits- und
Berufspolitik, Neues
aus der Zahnmedizin,
Hinweise auf
interessante
Veranstaltungen,
Interviews u.v.m.



Eigenen Kommentar hinzufügen