Chance Praxis - Das Fachmagazin für Praxisgründer

24. Mai 2011 |  Berichte

60. DGPro-Jahrestagung: „Die ganze Welt der Prothetik“

Was schon in der Vorankündigungen und vor allem im DZW-Interview mit dem Tagungsleiter der 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien, Prof. Dr. Guido Heydecke, angeklungen war, wurde vom 12. bis 14. Mai 2011 im Hamburger Curio-Haus in die Tat umgesetzt: Die interdisziplinäre Komplexität der zahnmedizinischen Prothetik wurde in den diversen Veranstaltungen auf ebenso vielfältige wie eindrucksvolle Weise aufgezeigt.

Das Wesen der prothetischen Zahnmedizin heute und morgen wurde schon in der Eröffnungsansprache des DGPro-Präsidenten Prof. Dr. Michael Walter (Dresden) deutlich gemacht, der dabei auch die im Vorjahr erfolgte Änderung des Namens – von der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGZPW) in Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) mit dem Argument begründete, dass mit diesem Schritt die zunehmende Bedeutung präventiver, medizinischer und biologischer Aspekte besser sichtbar gemacht werden könne. Damit würde auch dem Eindruck begegnet, dass die Prothetik quasi die klinische Seite der Zahntechnik sei [1]. Nachfolgend eine erste Auswahl der für die Praxis interessanten Erkenntnisse und Vorträge der Tagung.

Wie viele Zähne braucht der Mensch? – Diese Frage, die bereits im Jahr 2003 mit einem von der DGZPW in Auftrag gegebenen Gutachten von Th. Kerschbaum beantwortet worden war, wurde von Prof. B. J. Pjetursson (Island) von allen Seiten beleuchtet. Er stellte dabei das Prinzip der Prämolarenokklusion und damit der gekürzten Zahnreihe in den Raum. Da mehrere Studien unter anderem ergeben haben, dass es auch bei fehlenden Molaren nicht zu Problemen im Kiefergelenksbereich kommt, werden 20 Zähne als ausreichend angesehen, wobei diese „Top 20“ allerdings in Ordnung sein sollten und eventuelle Zahnverluste durch Rekonstruktionen ausgeglichen werden müssten.

Extensionsbrücken zum Ersatz von Prämolaren einzusetzen, die auch von U. Schnaidt et al. in der aktuellen DZZ-Ausgabe [2] als empfehlenswert bezeichnet werden, bieten eine zusätzliche Möglichkeit, die als notwendig erachteten „Top 20“ komplett zu halten. Ausführlich wurde das Konzept der kumulativen Risikofaktoren diskutiert, und wie weit eine evidenzbasierte Therapieplanung ausgeführt werden kann, wobei auch Implantate darin einzubeziehen sind. Die Überlebens- und Erfolgsraten von zahn- und implantatgetragenen Rekonstruktionen wurden ebenso in extenso diskutiert.

Wie viele Implantate braucht der Mensch? – Bei dem inzwischen erreichten Stellenwert des implantatgetragenen Zahnersatzes auch gegenüber sogenannten konventionellen Rekonstruktionen stellt sich – und dies aus verschiedenen klinischen, technischen und ökonomischen Gründen – die Frage, wie viele Implantate bei der jeweiligen Versorgung erforderlich sind. Einerseits ist eine Überversorgung nicht sinnvoll, aber anderseits soll die implantatbezogene Planung und Therapie langfristig erfolgreich sein. Das von Prof. Dr. Stefan Wolfart (Aachen) beschriebene evidenz-basierte Konzept erfüllt diese Anforderungen, wenn die Voraussetzungen für eine optimale Verfahrensweise gesichert sind. Auf die zahnlosen Kiefer bezogen, sind im Oberkiefer in der Regel sechs und im Unterkiefer zwei Implantate erforderlich, wobei im extremen Fall klinisch und/oder ökonomisch ein Implantat im Unterkiefer ausreichend sein kann. Vier Unterkiefer-Implantate zur Verankerung einer Totalprothese wären auf jeden Fall optimal. Es wurde zwar erörtert, dass es auch die Möglichkeit gibt, sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer noch mehr Implantate für festsitzende Suprakonstruktionen vorzusehen, doch wird dies unter anderem aus hygienischen Gründen nicht empfohlen. Die Patienten sollten in dieser Richtung bestmöglich aufgeklärt werden.

Implantat- oder zahngetragen: Passiert da etwas bei großen Brücken (eventuell sogar als „Hufeisenkonstruktion“), sind die Folgen unter Umständen klinisch und/oder ökonomisch erheblich. Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind das Wissen und Können des ausführenden Zahnarztes, Oral- oder MKG-Chirurgen, und die Bereitschaft des Patienten zu invasiven operativen Eingriffen und einer optimalen Mund- und Zahnersatzhygiene im Sinne einer dabei zu erzielenden Lebensqualität.

„Die Prothetik bestimmt das implantologische Vorgehen.“ – Die moderne rekonstruktive Zahnmedizin ist in kontinuierlichem Wandel. Neue Materialien, neue Verfahren, der erfolgreiche Einsatz zahnmedizinischer Implantate und die Zusammenarbeit mit angrenzenden medizinischen Disziplinen stete Herausforderungen an den praktizierenden Zahnarzt sind. All dies führt einerseits zu verbesserten Behandlungsformen, aber andererseits wird die korrekte Behandlungsplanung sowie die Ausführung der erarbeiteten Therapie immer komplizierter und anspruchsvoller. Mit seiner Feststellung, dass die Prothetik die implantologisch-prothetische Verfahrensweise bestimmt, ging Prof. Dr. Christoph H. Hämmerle (Zürich) davon aus, dass es im gesamten Ablauf von zentraler Bedeutung ist, dass das gewünschte prothetische Ergebnis erreicht wird. Nach einer umfassenden Anamnese und Befunderhebung wird eine Diagnose gestellt. Basierend auf diesen Informationen wird gemeinsam mit dem Patienten die Entscheidung für die Art der Versorgung getroffen. Von der Planung her bedeutet dies, dass zuerst dieses prothetische Ergebnis simuliert wird und alle vorbereitenden und chirurgischen Schritte sich danach richten.

Die 60. DGPro-Jahrestagung hielt, was vorausgesagt worden war: Wer die Veranstaltungen im traditionsreichen Curio-Haus an der Rothenbaumchaussee miterleben wollte, wurde mit einem „Brillantfeuerwerk“ an Perspektiven, Erfahrungen und Erkenntnissen belohnt.  

Kimmel


(wird fortgesetzt)

Eigenen Kommentar hinzufügen

* - obligatorisches Feld

*




*

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.
Drucken / als PDF ausdrucken
DZW im Abo

DZW im Abo

Jede Woche: Die
Zahnarztwoche im
Abonnement

DZW TV

DZW TV

Informationen aus
der Gesundheits- und
Berufspolitik, Neues
aus der Zahnmedizin,
Hinweise auf
interessante
Veranstaltungen,
Interviews u.v.m.

Kommende Veranstaltungen

Abrechnung Frühjahrs-Seminar 2012: GOZ 2012 – Annehmen – Umsetzen – Durchsetzen 22.05 Bad Zwischenahn
Abrechnung Frühjahrs-Seminar 2012: GOZ 2012 – Annehmen – Umsetzen – Durchsetzen 22.05 Neuss
Abrechnung Mit uns an die Spitze: Das GOZ 2012–Update 23.05 Willich
alle Termine öffnen

Amalgam ist nicht unumstritten: Es gibt viele Befürworter, aber ebenso auch viele, die Amlagam ablehnen. Wie halten Sie es in Ihre Praxis?

Ich lehne es aus gesundheitlichen Gründen ab. Ich lehne es aus ästhetischen Gründen ab. Ich verwende es nur auf ausdrücklichen Patientenwunsch. Für mich ist Amalgam bislang ohne Alternative
Hier gelangen Sie zum Umfragearchiv.