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17. Mai 2011 |  Berichte

„Die Karten sind neu gemischt“

DZW Workshop Zukunft 2011 zeigt einen zuversichtlichen Blick auf die nahe Zukunft – klare Positionierung ist wichtigste Voraussetzung –

 

Am Samstag vergangenener Woche haben sich wieder einmal Zahntechniker, Laborinhaber, Vertreter großer Importzahnersatzunternehmen, der Dentalindustrie und des Dentalhandels sowie ein Zahnarzt in Bonn getroffen, um in einer Neuauflage des DZW-Workshop Zukunft gemeinsam mit den Workshop-Matadoren Rolf Frischherz und Rudolf Weiper die nähere Zukunft der Zahntechnik zu skizzieren. Anders als in vergangenen Workshops ging es diesmal nicht um klassische Zehnjahres-Prognosen, sondern um die relativ überschaubare Zeit bis 2015, um die kommenden vier Jahre.

Die Stimmungslage war durchweg positiv, die großen Gegensätze zwischen den Marktteilnehmern, Zahnärzten, Zahntechnikern, Handel und Industrie, scheinen beseitigt zu sein. Man begreife sich vielmehr als Teilnehmer eines gemeinsamen Markts, der viele Nischen für den bietet, der sich eindeutig positioniert und bereit ist, seine Strategie permanent zu hinterfragen und an sich verändernde Gegebenheiten anzupassen. „Man wartet nicht mehr auf Entscheidungen von oben, sondern emanzipiert sich zunehmend – auch von politischen – Weichenstellungen und agiert viel direkter am Markt“, lautete denn auch das Fazit dieser positiven Entwicklung.

Die 25 Workshopteilnehmer als Repräsentanten der unterschiedlichen in einem gemeinsamen Markt agierenden Unternehmen waren sich in einem Punkt alle einig: Der Dentalmarkt wird von vielen unterschiedlichen Parametern beeinflusst, verlässliche Prognosen sind kaum möglich, Trends dagegen lassen sich schon ausmachen. Selektivverträge, beim letzten Workshop 2009 noch das Schreckensszenario für die gewerblichen Labore, existieren zwar, haben aber weit weniger Auswirkungen entfaltet, als damals befürchtet wurde. Mit dem Thema Auslandszahnersatz, in den beiden letzten Workshops 2008 und 2009 noch ein „Feindbild“, kommt man klar. Teilweise setzt man sogar bewusst auf diese Schiene, um dem Patienten eine weitere, kostengünstige Alternative anbieten zu können. Insgesamt war man sich einig, dass sich Auslandszahnersatz auf dem derzeitigen Niveau allenfalls stabilisieren wird, möglicherweise sogar wegen steigender Konkurrenzfähigkeit inländischer Labore durch kostengünstige Herstellung (CAD/CAM) und steigendem Lohnniveau in den Herstellerländern verringern wird.

CAD/CAM auf Praxisseite, die Chairside-Fertigung von Zahnersatz, der Einzug der Intraoralscanner in die Praxen sind schon eher Themen, die man kritisch beobachtet. Hier lauten die Prognosen, dass bis 2015 rund 10.000 Praxen Kronen chairside fertigen werden, und in etwa derselben Anzahl werden Intraoral-Scanner zum Einsatz kommen. Aber, und da waren sich die Teilnehmer einig, die Entwicklung wird langsamer voranschreiten, als es die Erfolgszahlen der Industrie glauben machen wollen. Trotzdem gehen die Teilnehmer des Workshops davon aus, dass die Zahl der Praxislabore weiter steigen wird, freigesetzte Zahntechniker der gewerblichen Labore werden dafür den Arbeitskräfte-Pool bilden.

Befragt nach der Entwicklung der gewerblichen Labore selbst, war man sich weitgehend einig, dass sich die Zahl insgesamt verringern wird. Konstanz erwartet man lediglich für sehr kleine (ein bis vier Mitarbeiter) und große (mehr als 20 Mitarbeiter) sowie sehr große Labore mit mehr als 50 Mitarbeitern. „Die Mitte bricht weg“, lautete auch 2011 das Statement. Aber: „Laborgröße ist nicht mehr länger eine Frage der Mitarbeiterzahl, sondern vielmehr des Umsatzes“, so ein Teilnehmer.

Der Filialisierung von Laboren wird weiterhin Wachstum vorausgesagt, und auch hinsichtlich der Etablierung von Fertigungszentren in Laboren gehen alle Befragten von einer weiteren Zunahme aus. Stärker noch wird das Wachstum industrieller Fertigungszentren eingeschätzt, was nach Ansicht aller ebenso zu einer abnehmenden Zahl der Labore, zumindest aber zu weniger Beschäftigten in der Zahntechnik führen wird. Vor allem das Fräsen von Kronen werde in Fräszentren verlagert, da Wartung und Service kleinerer Maschinen zu teuer wird und genormte Qualitätsstandards günstig nur in größeren Zentren realisierbar sind. Überhaupt würden bei der digitalen Fertigung – analog etwa zur Automobilindustrie – Arbeitsbereiche verstärkt ausgelagert. Hier erwartet man nach wie vor großes Engagement der Industrie – darunter auch branchenfremder Unternehmen –, im Markt mit eigenen CAD/CAM-Systemen mitzumischen oder als Dienstleister in Form großer Fräszentren aufzutreten.

„Die Karten sind neu gemischt, und Chancen bestehen nach wie vor für alle diejenigen, die sich gut positioniert haben“, so der Grundtenor vieler Teilnehmeräußerungen, die die Veränderungen überwiegend als Chance begreifen. Insgesamt herrschte die Einschätzung, dass man sich für die nahe Zukunft besser gerüstet sieht als noch vor zwei Jahren, als Unsicherheit dominierte. „Die Labore haben mehr Bewusstsein für die Veränderungen entwickelt, die in Gang gekommen sind. Diese Veränderungen sind eine Chance, die es jetzt zu nutzen gilt“, lautete denn auch ein zuversichtliches Fazit.            OP

DZW-tv berichtete über den Workshop Zukunft unter:
http://www.dzw.quintessenz.tv/film.php?filmID=v00945de&cat=wzt <http://www.dzw.quintessenz.tv/film.php?filmID=v00945de&amp;cat=wzt>

Einen ausführlichen Bericht über den DZW Workshop Zukunft und seine Ergebnisse wird es außerdem in der nächsten Ausgabe der DZW ZahnTechnik (DZW 22/11) geben.

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