
Zukunft gehört auch in der Zahnmedizin den generativen Verfahren
Einen Blick in die Welt der Fertigungstechnologie, vor allem für das sogenannte Rapid Manufacturing und Rapid Prototyping von Prototypen, Kleinserien und individuellen Produkten, aber auch für die Serienproduktion, eröffnet die Rapid.Tech in der Messe Erfurt. Auch in der vergangenen Woche waren wieder mehr als 50 Aussteller aus Fertigungstechnik, Entwicklungslaboren, Softwareunternehmen und der Wissenschaft nach Erfurt gekommen, um ihre Systeme für Computer Aided Design (CAD) und Computer Aided Manufacturing (CAM) vorzustellen – darunter auch zahlreiche Anbieter aus und für den Bereich Zahntechnik und Zahnmedizin.
Begleitet wird die Messe von Fachforen, so zur Medizintechnik, zum Flugzeugbau und zum dritten Mal auch zur Zahntechnik. Initiator Antonius Köster, seines Zeichens Modellbauer*, hatte erneut ein interessantes Programm zusammengestellt, das sowohl die aktuellen Möglichkeiten des CAD/CAM-Einsatzes in Zahntechnik und Zahnmedizin als auch interessante Zukunftsprojekte beleuchtete und an beiden Messetagen gut 100 Teilnehmer anlockte.
Ein klarer Trend in der Fertigungstechnik, der auch den Dentalbereich rasch erobern wird, sind die additiven oder generativen Verfahren, bei denen das zu fertigende Werkstück nicht aus Materialblöcken herausgefräst oder geschliffen, sondern aus Pulvern, Dispensionen oder Flüssigkeiten schichtweise aufgebaut wird. Bekanntestes Verfahren ist derzeit das Selektive Laserschmelzen (Selective Lasermelting), das auch im Dentalbereich bereits für das Herstellen von Metallgerüsten genutzt wird. Für die Medizin und Zahnmedizin genutzt werden können auch Verfahren wie das dreidimensionale Drucken mit flüssigen Kunststoffen, mit Keramikpulvern etc.
Nicht alle diese Verfahren sind, wie Prof. Dr. Horst Fischer, Universitätsklinikum Aachen, in seinem Eröffnungsvortrag zum gesamten Fachprogramm erläuterte, für alle Anwendungen geeignet. Für das Generieren von Knochenersatz für größere Defekte, bei denen poröse Strukturen bei ausreichender Festigkeit gewünscht sind und die biokompatibel und biodegradierbar sein sollen, werden heute Kalziumphosphatpulver oder Pasten sowie Biogläser eingesetzt, die durch spezielle Verfahren auch direkt mit bioaktiven Stoffen präpariert werden können. „Die Zukunft gehört den additiven, generativen Verfahren, auch weil die abtragenden Verfahren wegen des hohen Materialverbrauchs auf Dauer unwirtschaftlich sind“, so Fischer. So räumt er dem direkten Drucken („direct inkjet printing“) die größten Chancen ein, das CAD/CAM-Fräsen zu verdrängen.
Es lassen sich bereits größere Bauteile und Okklusalflächen aus Zirkoniumdioxid auf diese Weise herstellen. „Irgendwann wird man auch den Zahn komplett in seinen gesamten Skalen und Strukturen nachbauen können“, so Fischer.
Diese Perspektive eröffnete auch Antonius Köster in seinem einleitenden Beitrag über den Stand und die Zukunft der CAD/ CAM-Fertigung in der Zahntechnik dem gesamten Fachauditorium, das diesem Ausflug in die bei Maschinenbauern, Ingenieuren und CAD-Spezialisten oft unbekannten Welt der Zahntechnik mit großer Aufmerksamkeit folgte.
Köster machte dabei auf einige spezielle Probleme aufmerksam, die in den vorhergehenden Beiträgen bereits angeklungen waren. Wichtig sind für die gesamte digitale Fertigungskette einheitliche Standards, um die Datenkompatibilität und die Archivierung sicherzustellen. Letzteres ist gerade für die Zahntechnik ein Problem, verlangt doch das Medizinproduktegesetz eine langjährige Aufbewahrung (reproduzierbarer) Arbeitsunterlagen. Was bei herkömmlichen Modellen vor allem ein Platzproblem ist, ist bei digitalen Daten in erster Linie eine Frage der Kompatibilität und dauerhaften Verfügbarkeit von Datenformaten und Software, die diese Formate lesen und verarbeiten kann. „Ich kann schon heute Daten von Konstruktionen, die ich vor zehn Jahren erstellt und auf damals verfügbaren CDs gesichert habe, mit den modernen PCs nicht mehr auslesen oder gar in den jetzigen Softwareversionen öffnen und verarbeiten. Dieses Problem muss gelöst werden“, so Köster.
Das Fachforum selbst gab interessante und vielseitige Einblicke in das, was heute schon in Labor und Industrie möglich ist und in naher Zukunft möglich sein wird. Eine Totalprothese komplett digital zu gestalten und dann aus lichthärtendem Kunststoff in einem additiven Verfahren herzustellen, ist zum Beispiel heute nur noch eine Frage der Software, wie Thilo Brandt und Emanuel Mesaric (DeltaMed GmbH) vorführten. Noch sind die bekannten CAD-Programme für die Zahntechnik nicht in der Lage, eine 28er aufzustellen, es wird aber daran gearbeitet.
Die Grundlage für die von Mesaric vorgestellte Totale war noch eine konventionell gefertigte Totalprothese, die dann gescannt und dupliziert wurde. Offen gelassen wurde die Frage, ob dann Prothesenbasis und Zahnreihe getrennt hergestellt und durch konstruierte Verbindungselemente passgenau zusammengefügt und verklebt werden, oder ob zum Beispiel die Zahnformen aus farblosem Kunststoff direkt hohl angearbeitet und später von der Prothesenbasis aus mit zahnfarbenen Kunststoffen individuell aufgefüllt werden.
* siehe auch den Bericht auf www.dzw-tv.de
DZW im Abo
Jede Woche: Die
Zahnarztwoche im
Abonnement
DZW TV
Informationen aus
der Gesundheits- und
Berufspolitik, Neues
aus der Zahnmedizin,
Hinweise auf
interessante
Veranstaltungen,
Interviews u.v.m.




Eigenen Kommentar hinzufügen