Prothetik | CAD/CAM

Wie ein geeignetes Alveolenmanagement weitere Therapieschritte vereinfacht

Zahnextraktion
Geistlich Biomaterials

DZW: Der Volumenerhalt von Alveolen nach Zahnextraktion wird immer noch kontrovers diskutiert. Welche Evidenzen gibt es, dass es sich hierbei um eine sinnvolle Therapie handelt?
Dr. Thomas Braun: Die Datenlage zur Veränderung der Hart- und Weichgewebssituation nach Zahnextraktion ist eindeutig. Wir wissen heute aus zahlreichen Humanstudien, dass wir einen horizontalen Knochenverlust von 29 bis 63 Prozent und einen vertikalen Knochenverlust von 11 bis 22 Prozent sechs Monate nach Extraktion vorliegen haben (Tan, W.L. et al. Clin Oral Impl Res (Suppl 5) 2012:1-21). Das heißt, hier entsteht zweifellos ein Problem für eine spätere implantologische, aber auch rein prothetische Versorgung der Lücke. Die Kontroverse in der Diskussion besteht in der Beantwortung der Frage, ob man diesen Prozess verhindern, stoppen, ihm entgegenwirken oder ihn kompensieren kann.

Die Wissenschaft liefert auch in dieser Frage klare Antworten: Ein Verhindern der Resorption des Bündelknochens nach Extraktion ist nicht möglich – egal, ob oder was man in die Alveole füllt. Diese Struktur wird mit dem Zahnverlust überflüssig und deshalb vom Körper abgebaut. Die Studien mit Geistlich Bio-Oss und Geistlich Bio-Oss Collagen zeigen aber auch, dass eine Augmentation der Alveole mit diesen Materialien die Möglichkeit für eine knöcherne Rekonstruktion der Alveole bietet. Die Verluste werden sozusagen durch eine regenerative Maßnahme kompensiert.

DZW: Wo liegen die Vorteile für den Patienten bei dieser Methode?
Braun: Der Strukturerhalt des Kieferkamms bietet für den Patienten mehrere Vorteile, unabhängig von der Versorgung der Zahnlücke. Das Regenerieren der Extraktionsalveole ist technisch einfacher als komplexe und komplizierte Augmentationsverfahren nach Kieferkammresorption. Dies bedeutet in der Regel auch einen Kostenvorteil für den Patienten und weniger Belastung durch den einfacheren Eingriff. Bei der rein prothetischen Versorgung hat der Patient auch langfristig weitere Vorteile: Durch den stabilen Volumenerhalt des Kieferkamms entstehen keine ästhetischen Probleme durch Resorption und auch keine phonetischen Probleme.

DZW: Zähne ziehen, das macht jeder Zahnarzt – augmentieren tun aber wenige. Wie würden Sie diese Art der „Augmentation“ beurteilen? Ist das was für jedermann – was muss man beachten?
Braun: Natürlich gelten auch bei regenerativen Maßnahmen in der Alveole die Grundregeln der Wundheilung. So muss die Alveole natürlich entzündungsfrei sein, damit eine Regeneration  stattfinden kann. Zu beachten ist weiterhin, dass es natürlich auch in dieser Indikation einfache und komplexere Fälle gibt, die die Entscheidung, ob und wie eine Auffüllung der Alveole erfolgen kann, stark beeinflussen. Prinzipiell kann man aber sagen, dass dieses Konzept sicherlich, gerade in den einfachen Fällen, von einem Großteil der  Zahnärzte angewandt werden kann, da diese Art der Augmentation nicht mit chirurgischen Maßnahmen verbunden ist. Es ist lediglich das Legen einer Kreuznaht nötig, um eine Sicherung des Augmentationsmaterials vorzunehmen.

DZW: Wie sieht es mit der Kostenerstattung durch die Kassen aus? Werden diese Maßnahmen grundsätzlich anerkannt und bezahlt?
Braun: „Grundsätzlich“ gibt es natürlich bei der Erstattung von Therapiemaßnahmen nie! Nach der Novellierung der GOZ sollte eine Erstattung durch die PKV aber kein Problem mehr sein. Früher hatten wir vermehrt Nachfragen, diese haben sich aber auch aufgrund der wissenschaftlichen Anerkennung dieser Therapie durch zum Beispiel die DGI, das ITI oder die Osteology Foundation auf ein Minimum reduziert. Was wir allerdings aufgrund von Nachfragen der Kunden bei uns immer mehr feststellen, ist, dass nicht alle Produkte auf dem Markt von den Kassen übernommen werden. Grund dafür sind sicherlich die unterschiedliche wissenschaftliche Dokumentation der Produkte und neuerdings auch vergleichende Studien, die die Unterschiede im Ergebnis bei Verwendung verschiedener Materialien aufzeigen.

DZW: Wie sehen Sie die Rolle der Firma Geistlich in dieser Indikation?
Braun: Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit der Frage, wie man die Gewebe nach einer Zahnextraktion erhalten, beziehungsweise wie wir heute wissen, den Verlust kompensieren kann. Im Vergleich zu vielen anderen Mitbewerbern, die nun nach und nach auf den Zug aufspringen und zum Teil einfach ungeprüfte Materialien für diese Indikation anbieten, haben wir durch Round Tables mit erfahrenen Wissenschaftlern und Praktikern über verschiedene Lösungsmöglichkeiten diskutiert. In der Folge haben wir diese Konzepte und Empfehlungen  konsequent in unseren Broschüren und praxisunterstützenden Materialien umgesetzt. Wir sehen das Thema nicht eindimensional. Nach Zahnextraktion gibt es verschiedene Möglichkeiten der Versorgung und auch verschiedene Versorgungszeitpunkte. So zeigen wir unseren Kunden all diese Varianten von der Sofortimplantation über die verzögerte und Spätimplantation bis hin zur reinen prothetischen Brückenversorgung. All diese Konzepte haben je nach Ausgangssituation und Patentenwunsch ihre Berechtigung. Wir fixieren uns nicht nur auf das Auffüllen der Alveole um jeden Preis. Unser Ziel ist es, auch hier Lösungsanbieter für Behandler und Patient zu sein – und nicht reiner Materiallieferant.

Geistlich Biomaterials Deutschland
Geistlich Biomaterials Deutschland mit Sitz in Baden-Baden ist eine Tochter der Geistlich Pharma AG mit Hauptsitz in der Schweiz. Als einer der führenden Dentalhersteller vertreibt das Unternehmen Biomaterialien für den Bereich der dentalen Hart- und Weichgeweberegeneration. Das Produktportfolio umfasst die Bereiche Knochenersatzmaterial (Geistlich Bio-Oss, Geistlich Bio-Oss Collagen) und Membran (Geistlich Bio-Gide, Geistlich Bio-Gide Perio). Zudem ist das Unternehmen Premiumpartner des Deutschen Zahnärztetags mit dem Kompetenzfeld Regeneration.