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24. Mai 2011 |  Wirtschaft aktuell

„Sehen uns nicht mehr vertreten“ – Streit im Bundesverband Dentalhandel

Im Bundesverband Dentalhandel (BVD) gibt es jetzt auch offen Streit. Am Freitag vergangener Woche erklärten zehn Gesellschafter der Dental-Union GmbH (DU) in einer Mitteilung an die Presse, dass sie ihre Mitgliedschaft im BVD zum Ende des Jahres gekündigt haben. „Ab 2012 wird somit kein Gesellschafter der Dental Union GmbH mehr Mitglied im BVD sein“, heißt es. Am selben Tag legte Maximilian Bauer, Bauer & Reif, sein Amt als kooptiertes Vorstandsmitglied im BVD „mit sofortiger Wirkung“ nieder.

Hintergrund des Austritts sind die Vorgänge um die Neuausrichtung der regionalen Dentalfachmessen („Fachdentals“). Das Bundeskartellamt hatte nach den gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Direktvertreibern um die Zulassung zu den Fachdentals in einer Stellungnahme Ende 2009 sehr enge Grenzen für reine Fachhandelsmessen im Dentalmarkt gesetzt. Danach gab es Versuche, neue Konzepte zu entwickeln, die jetzt in den „ID deutschland – Infotage Dental-Fachhandel“ mündeten (die DZW berichtete mehrfach, siehe dazu auch das Interview auf Seite 5 der Ausgabe 21/11).

Federführend dabei waren die drei großen Dentalfachhandelsunternehmen Henry Schein Dental Deutschland, NWD Gruppe und Pluradent AG, in Zusammenarbeit mit der CCC Gesellschaft für Marketing und Werbung, Köln. Diese hatte in der Vergangenheit die Mehrzahl der Fachdental-Messen mit den regionalen Arbeitsgemeinschaften des Dentalfachhandels organisiert.
Dafür wurde von den drei Unternehmen die Leistungsschau Dentalfachhandel (LDF) GmbH gegründet, deren Geschäftsführer Dipl.-Volkswirt Thomas Meertens gleichzeitig Geschäftsführer der CCC ist.

Vonseiten der Gesellschafter der DU – Bauer & Reif, C. Klöss Dental, Dension Dental, Dental 2000 Full Service Center, Dental Bauer, Dental Eggert, Funck Dental-Medizin, Gerl, Anton Kern, Wolf + Hansen – dominieren diese drei großen Fachhandelsunternehmen, die nach Schätzungen etwa 50 bis 60 Prozent des deutschen Markts abdecken, den BVD: „Die Gesellschafter der Dental-Union sehen in der derzeitigen Verbandsstruktur ihre Interessen nicht mehr gewahrt. Der Verband wird von den drei großen Dental-Depots Henry Schein, Pluradent und Nordwest-Dental beherrscht. Die Verbandspolitik richtet sich nach den Interessen der drei großen Depots aus und berücksichtigt nicht die Belange der mittelständischen Mitglieder.

In einer verdeckten Aktion haben die drei großen Depots mittels der LDF GmbH als Strohmanngesellschaft den Versuch unternommen, die Kontrolle über die deutschlandweit eingeführten Fachdentalmessen zu erlangen, um diese Messen unter Ausschluss des mittelständischen Depot-Fachhandels zu veranstalten. Das Vorhaben scheiterte nach Intervention des Bundeskartellamts.“

Der BVD habe dem Treiben tatenlos zugesehen, obwohl laut BVD-Satzung die Verpflichtung bestehe, die Zusammenarbeit in der Dental-Branche zu fördern. Der versuchte Ausschluss des mittelständischen Depot-Fachhandels von der Veranstaltung der Fachdentalmessen sei das Gegenteil dessen, was laut BVD-Satzung geboten war.

„Die Gesellschafter der Dental-Union sind nicht länger bereit, mit ihren Beiträgen einen gegen sie gerichteten Verdrängungswettbewerb zu finanzieren. Mit ihrem Austritt ziehen die vorgenannten Gesellschafter der Dental-Union die überfällige Konsequenz aus den geschilderten Vorfällen“, heißt es in der Pressemeldung der DU. „Wir zahlen viel Geld in den Verband, aber wir sehen uns nicht mehr vertreten“, so auch Maximilian Bauer gegenüber der DZW.

Lutz Müller, Präsident des BVD und als Geschäftsführer von Deppe Dental, Hannover, selbst Vertreter der mittelständischen Depots, erklärte gegenüber der DZW, der BVD habe nach den Problemen mit den Fachdentals selbst geprüft, ob er als Organisator der Fachmessen auftreten könne. Dies sei aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, und dies sei den jetzt austretenden DU-Depots auch bekannt gewesen. „Wir hätten alle gerne mitgenommen“, so Müller dazu weiter. Das Angebot stehe auch jetzt noch.

Die Dominanz der drei großen Depotunternehmen bei der Genese des neuen Fachmessenkonzepts sei sehr unglücklich gelaufen, so Müller, der bereits in der Vergangenheit kritisch die Entwicklung der Fachmessen begleitet hatte. „Das Ausstellungswesen war immer die große Klammer für alle Mitglieder im BVD, groß oder klein. Hier begegneten sich alle auf Augenhöhe.“ Dies sei vonseiten der drei großen Dentaldepots aus Sicht der kleineren Depots ignoriert worden, was sich schließlich als kontraproduktiv erwiesen habe.

Jetzt dürften zwar alle mitmachen, allerdings hätten bis auf die Region Hannover in allen anderen BVD-Regionen Henry Schein, Pluradent und Nordwest die Mehrheit. Für den BVD sei der Austritt von zehn „noch selbst denkenden Depots“ ein schmerzlicher Verlust, ein Domino-Effekt mit dem Austritt weiterer Depots sei nicht auszuschließen, so Müller. Er kündigte für Mitte der Woche von seiner Seite eine offizielle Stellungnahme als BVD-Präsident an.

Vonseiten der LDF-Gesellschafter hieß es, man habe auch die DU-Depots und andere BVD-Mitgliedsdepots mehrfach eingeladen, an der Entwicklung des neuen Konzepts mitzuarbeiten.
Sicher sei einiges in der Genese der neuen ID Deutschland nicht ganz glücklich gelaufen, man habe aber nach der Stellungnahme des Bundeskartellamts handeln müssen, und dies mit einem bundesweit verbindlichen Konzept. Wäre das regionale Konzept fortgeführt worden und hätte eine der regionalen Veranstaltergemeinschaften abweichende Regelungen zum Beispiel zur Teilnahme von Direktvertreibern eingeführt, hätte es neben erneuten Klagen auch ein teures Ordnungswidrigkeitenverfahren des Bundeskartellamts geben können. „Davor musste ich unsere Depots schützen. Und es kann auch nicht im Sinne der kleinen Depots sein, ein solches, mit hohen Kosten verbundenes Risiko einzugehen“, erläuterte dazu Uwe Jerathe, Vorstand der Offenbacher Pluradent AG, gegenüber der DZW. Er habe kein Interesse an einem schwachen BVD, ihm sei es wichtig, einen starken Verband zu haben, so Jerathe.    

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