31. August 2009 |  Hochschule

Erfolgreiches Mentoring-Programm der UMG mit Vorbildcharakter

Erste Privatdozentin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Göttingen –

Priv.-Doz. Dr. Sabine Sennhenn-Kirchner, Zahnärztin und Fachärztin für Zahnärztliche Chirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist die erste Frau, die sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen im Fach Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde habilitiert und die Lehrbefugnis für dieses Fach erworben hat.

Urkunde für Priv.-Doz. Dr. S. Sennhenn-Kirchner

Der Studiengang Zahnmedizin ist seit dem Jahr 1919 als universitärer Studiengang in Göttingen etabliert. Die erste Göttinger Privatdozentin für Zahn-, Mund-, Kieferheilkunde hielt im April 2009 ihre Antrittsvorlesung zum Thema „Der Einsatz von Laser-Strahlung in der Zahnmedizin“.

„Den entscheidenden Anstoß und die nötige Portion Mut zur Habilitation hat mir das Mentoring-Programm der Universitätsmedizin Göttingen gegeben, ebenso die Unterstützung durch die Wissenschaftlerinnen des Göttinger Netzwerks medf3“, erklärt die Privatdozentin. Sennhenn-Kirchner hat bereits viele Jahre als Oberärztin gearbeitet, war aber auch wissenschaftlich und in der Lehre tätig.

Im Jahr 1960 in Walsrode geboren, begann sie 1979 mit dem Studium der Zahnheilkunde an der Uni Göttingen. Bis zur Approbation als Zahnärztin 1984 und der Promotion 1988 gleicht der akademische Weg von Sennhenn-Kirchner dem ihrer männlichen Kollegen. Sie erlangte die Gebietsbezeichnung „Zahnärztin für Oralchirurgie“ und arbeitete von 1989 bis zur Auflösung der Abteilung im Jahr 2008 als Oberärztin in der Zahnärztlichen Chirurgie.

Im Jahr 1990 heiratete sie und bekam eine Tochter. Ihre akademische Laufbahn erlitt den typischen Knick. Acht Jahre später erwarb Sennhenn-Kirchner die Zusatzqualifikation für orale Implantologie. Im Jahr 2009 erlangt sie Habilitation und venia legendi für das Fach Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Wissenschaftlich hat sich die Privatdozentin vor allem mit Fragen befasst, die in der praktischen Krankenversorgung eine Rolle spielen. Untersuchungen zu Zahnkeimtransplantationen und zur Problematik von Frontzahnimplantaten folgten Studien über die Akzeptanz des Patienten hinsichtlich der Möglichkeiten zahnärztlicher Implantologie.

Seit Mitte der neunziger Jahre konzentriert sie sich auf den Einsatz von Laserlicht in der zahnärztlichen Chirurgie und Implantologie. Seit 1995 setzt sie Laserlicht bei der Behandlung von Infektionen ein, die in der Implantologie eine Rolle spielen. Wie können zahnärztliche Implantate frei von Infektionen gehalten werden? Diese Frage führte sie zu Untersuchungen über die Bedeutung von Biofilmen in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Zusammen mit Experten aus der Abteilung Medizinische Mikrobiologie entwickelte sie ein Biofilm-Modell und untersuchte verschiedene Dekontaminationsmethoden auf implantologisch relevanten, unterschiedlich strukturierten Titan- und Keramikoberflächen. Aktuell stehen Untersuchungen zur Besiedlungsmöglichkeit dieser dekontaminierten Oberflächen mit Osteoblasten an.

Sennhenn-Kirchner ist selbst Mentorin im Mentoring-Projekt der UMG und begleitet eine Mentee aus der Zahnmedizin auf dem Weg zur Habilitation. Sie möchte Mut, Erfahrung und erfahrene Unterstützung an die junge Kollegin weitergeben.

Das Mentoring-Programm der UMG für weibliche Wissenschaftler fördert und unterstützt Frauen bei der Planung und Gestaltung ihrer Karriere. Es besteht bereits seit dem Jahr 2002 und hat Vorbildcharakter für andere universitäre Einrichtungen. Bislang haben mehr als 120 Wissenschaftlerinnen der UMG daran teilgenommen.

Förderungsprogramme wie das Göttinger Mentoring-Programm zielen darauf ab, Frauen zur Habilitation zu ermutigen. Der Anteil von Frauen in akademischen Spitzenpositionen ist umso geringer, je höher die Position ist. In den Jahren 2000 bis 2008 haben sich an der Göttinger Medizinischen Fakultät 193 Männer und 41 Frauen habilitiert. Die Habilitation ist die Voraussetzung, um auf eine Professur berufen werden zu können.    

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