Polyhexanid-Betain – Ein Meilenstein auf dem Weg zur optimalen Mundhygiene
Dr. med. dent. Markus T. Firla und Dr. rer. nat. Kurt Kaehn über einen in der Zahnmedizin noch wenig genutzten Wirkstoff zur Bekämpfung von Bakterien, Viren und Pilzen –
Polyhexanid-Betain (PHX) ist seit dem Konsens der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW) im Jahr 2004 der einzige mikrobiozide Wirkstoff ohne Beschränkung der Anwendungsdauer. Zusätzlich bietet es eine hohe therapeutische Breite bei einem sehr hohen Wirkspektrum hinsichtlich der effektiven Bekämpfung von Bakterien, Viren und Pilzen gleichermaßen auf Haut und Schleimhaut. Seine Potenz als Mittel der Wahl bei der lokalen wie auch generellen Dekontamination aller Bereiche der Mundhöhle sollte nicht außer Acht gelassen werden.
Medizingeschichtlicher Hintergrund: Polyhexanid wie auch Chlorhexidin sind Biguanide. Beide Substanzen wurden von Imperial Chemical Industries Ltd. (ICI) in den 1950er Jahren im Rahmen der Suche nach einem Wirkstoff gegen Malaria entwickelt. Es zeigte sich schnell, dass beide Substanzen zwar gegen humanpathogene Plasmodien (einzellige parasitäre Sporentierchen) als Erreger der Malaria unwirksam sind, dafür aber sehr gute antibakterielle Eigenschaften aufweisen. Genauer betrachtet fiel auf, dass Chlorhexidin (CHX) vorwiegend nur bakteriostatisch wirkt, Polyhexanid (PHX) dagegen schon in geringen Konzentrationen bakterizid, also bakterienabtötend ist.
Obwohl ebenfalls sehr bald klar war, dass das Spektrum der antibakteriellen Wirkung von PHX weiter gefächert ist als das von CHX, war es CHX, das sehr erfolgreich als Desinfektionsmittel für Haut und Schleimhäute vermarktet wurde, nicht jedoch PHX. Der Grund hierfür liegt darin, dass CHX chemisch gesehen eine Einzelsubstanz darstellt. PHX dagegen ist ein Gemisch unterschiedlich langer Polymerketten, wodurch dessen anwenderfreundliche Lagerstabilität nicht ohne weiteren chemischen Aufwand und Kosten zu erzielen ist.
Der Schweizer Professor für Chirurgie Hans Willenegger führte als erster Polyhexanid in der Medizin für die lokale Antiseptik ein. Im Jahr 1991 brachte dann der Hersteller Fresenius mit dem Produkt Lavasept Polyhexanid als Pharmarohstoff auf den deutschen Markt. Mitte 2000 wurde dann Prontosan D zur Dekontamination von mit MRSA-Keimen belasteten Flächen durch die Firma Prontomed (Hiddenhausen) entwickelt. Die Wundspüllösung Prontosan W als Medizinprodukt folgte ein Jahr später.
Seitdem ist die Substanz Polyhexanid in der prophylaktisch oder tatsächlich geforderten antiseptischen Wundversorgung auf dem Vormarsch. Weitere Produkte wie Serasept für die Antiseptik von Oberflächen, Lavasorb zur Wundspülung, Prontosan und Lavanid als Wundgele, Pharmacur als Wundspray bezeugen den medizinisch-klinischen Erfolg von Polyhexanid. Insbesondere die Verwendung von PHX in Wundauflagen, wie beispielsweise Suprasorb X, Kerlix und Telfa bekunden die anerkannte und mittlerweile sicher bestätigte antiseptische Wirkung dieser Substanz.
Wirkungsweise von Polyhexanid plus Betain
Polyhexanid: Die ausgezeichnete antimikrobielle Wirkung von Polyhexanid beruht auf dem Prinzip der elektrostatischen Wechselwirkung. Das kettenförmige Polymer PHX besitzt in regelmäßigen Abständen positiv geladene Biguanidgruppen, die sich an negativ geladene Phospholipide in der Zellmembran von Mikroorganismen anlagern. Eine PHX-Polymerkette „verklammert“ dabei mehrere Phospholipidmoleküle miteinander. Dadurch sinkt die Fluidität der Zellmembran, sie wird zähflüssiger und steif. In der Folge werden lebenswichtige Stoffwechselvorgänge an der Zellmembran gehemmt, und die Ionengradienten brechen zusammen. Die Mikroorganismen sterben nach kurzer Einwirkzeit ab.
Betain: Betaine sind besonders wirksame, hochwertige waschaktive Substanzen mit ausgezeichneter Reinigungswirkung. Undecylenaminidopropyl-Betain (UAP-Betain) besitzt daneben eine ausgezeichnete Hautverträglichkeit. Durch diese positiven biologisch-chemischen Eigenschaften greift Undecylenaminidopropyl-Betain weder Haut noch Schleimhäute an und führt insbesondere auch nicht zu einer Austrocknung natürlicher Gewebe. So gestattet der Gesetzgeber einen Zusatz von bis zu 40 Prozent Betain in Babyshampoos. In der Mundspüllösung ProntoCare beträgt der Undecylenaminidopropyl-Betain-Gehalt 0,1 Prozent. In der Kombination PHX und UAP-Betain (Polyhexanid-Betain-Komplex) wird der Wirkstoff PHX durch die benetzenden Eigenschaften des Betains gut verteilt.
Die Kombination von Polyhexanid mit Betain in einem Polyhexanid-Betain-Komplex erhöht den antiseptischen Effekt von PHX-Lösungen. Die Betain-Komponente erniedrigt die Oberflächenspannung und erlaubt das Vordringen der PHX-Lösung in Bereiche, die sonst für Wasser nicht zugänglich sind. So werden auch schwer zugängliche Wund-, Haut- und Schleimhautbereiche gründlich gereinigt und von Mikroorganismen befreit.
Dr. med. dent. Markus T. Firla, Hasbergen-Gaste
Dr. rer. nat. Kurt Kaehn, Aschaffenburg
(Artikel gekürzt)
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