08. Februar 2010 |  Zahnmedizin kompakt

Zahnerosion – sauer macht nicht lustig

Dr. Frank Gonser, MBA und Dr. Thomas Nahde zum irreversiblen Verlust von Zahnschmelz –

 

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz des menschlichen Körpers und dennoch anfällig für fortwährenden Abbau. Er besteht zu 85 Volumenprozent aus anorganischen Bestandteilen, vor allem aus Hydroxylapatit, und erlangt dadurch eine hohe Mikrohärte [1]. Somit ist er zwar weniger anfällig für Abrasivität [2, 3], die Gefahr besteht jedoch in einer zunehmenden Säureexposition, die den Schmelz irreversibel abbaut. Zahnschmelz entsteht aus den Ameloblasten, die nach dessen Bildung verlorengehen. Auf Grund dieser fehlenden zellulären Bestandteile ist keine biologische Regeneration der Zahnhartsubstanz nach der Schmelzreifung und dem Zahndurchbruch möglich.

Labiale Frontzahnerosion bei einem 68-jährigen Patienten, der ansonsten kariesfrei ist. (Foto: Sensodyne ProSchmelz)

Der irreversible Verlust von Zahnschmelz durch eine direkte Säureeinwirkung wird als Erosion bezeichnet und ist ein oberflächlich, durch chemische Prozesse verursachter Vorgang, der ohne Bakterienbeteiligung stattfindet. Grundsätzlich ist die Schmelzoberfläche einem ständigen physikalisch-chemischen Ionenaustausch ausgesetzt, der zu einer De- und Remineralisierung führt. Kleinere Erosionsläsionen können durch Kalzium- und Phosphationen aus dem Speichel remineralisiert werden. Eine verstärkte Säureexposition, die durch exogene und endogene Faktoren begünstigt wird, kann auf diese Weise nicht kompensiert werden.

Vor allem veränderte Lebens- und Essgewohnheiten lassen den Zahnschmelz unwiederbringlich verlorengehen. Während früher Mahlzeiten seltener und zu bestimmten Zeiten eingenommen wurden, verteilen sich diese heute häufiger über den ganzen Tag. Das Bewusstsein für eine gesunde und ausgewogene Ernährung führt zu einem gestiegenen Verzehr säurehaltiger Zitrusfrüchte, Soft- und vor allem Sport- und Fitnessgetränke [4]. Auch die erhöhte Lebensdauer der Zähne beansprucht den Zahnschmelz stark. Zu den wichtigsten endogenen Faktoren gehören Anorexia nervosa und Bulimia nervosa mit häufigem Erbrechen sowie chronische Magen-Darm-Störungen mit Reflux [5].

Epidemiologie: All diese Faktoren führen dazu, dass erosionsbedingte Zahnschäden immer häufiger in der Praxis beobachtet werden. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren hierzu nur in geringem Umfang systematische Untersuchungen durchgeführt. Einen chronischen, lokalisierten und erosionsbedingten Zahnhartsubstanzverlust zeigen Erhebungen der Universität Bern: Von 987 untersuchten Kindern im Alter zwischen zwei und fünf Jahren zeigten 31 Prozent erosive Defekte. Die Untersuchung ergab, dass im Alter von elf Jahren bereits 70 Prozent der Milchzähne mindestens eine Erosionsläsion aufweisen und 12 Prozent der Flächen der zweiten Dentition. Eine weitere Studie mit 391 Probanden belegte eine Prävalenz von 43 Prozent der Okklusalflächen bei 46- bis 50-jährigen Erwachsenen [6].

Klinisches Bild: In der Praxis ist die Diagnose der dentalen Erosion vor allem im Anfangsstadium schwierig, da der Patient keine Schmerzen verspürt und die Anzeichen minimal sind: Zu Beginn verliert die Zahnoberfläche ihren Glanz und ihre Textur. Der Zahn wirkt stumpf. Bei einer fortschreitenden Erosion wirken die Zähne gelblich, da das Dentin durch den dünner werdenden Zahnschmelz durchscheint. Kleine Risse und Mikrofrakturen schwächen die Schneidekanten der Zähne. Am Ende einer Erosion kann auch die Veränderung der Zahnform stehen. Typisch sind Füllungsränder, die über die Zahnhartsubstanz hinausragen.

Therapie: Wenn ein pathologischer säurebedingter Zahnhartsubstanzverlust vorliegt, sollten zunächst kausale Maßnahmen ergriffen werden. Hierzu wird die Ursache der Erosion erhoben. Hierbei gilt es, im Anamnesegespräch zu klären, ob eine endogene oder eine exogene Säureeinwirkung vorliegt. Die kontinuierliche Dokumentation aller verzehrten Speisen und Getränke (Ernährungstagebuch) kann klären, ob die Ursache für die Erosion in einer zu säurehaltigen Ernährung liegt. Daraufhin sollte bei betroffenen Patienten eine Verhaltensänderung herbeigeführt werden.

  • Reduktion der Säureexposition (Frequenz, Menge, Einwirkzeit),
  • säurehaltige Getränke nicht zwischen den Zahnreihen hin- und herspülen,
  • Verwendung von Trinkhalmen beim Genuss säurehaltiger Getränke, um die Kontaktfläche zu den Zähnen zu verringern,
  • Beendigung der Mahlzeit mit etwas „Neutralisierendem“ (zum Beispiel Käse, zahnfreundliche Bonbons, Kaugummis),
  • Führen eines Ernährungstagebuchs,
  • regelmäßige Zahnarztbesuche,
  • Mundhygiene-Steuerung.

Selbst geringfügige Säureexpositionen können den Zahnschmelz nachhaltig erodieren. Wenn die Quelle nicht identifiziert oder, wie im Fall von Essstörungen, nicht vermieden werden kann, ist eine präventive Vorgehensweise angezeigt. Fluoride reduzieren erosive Demineralisationen, härten den Zahnschmelz und machen ihn widerstandsfähiger gegen Säureangriffe [7, 8]. Bei Zahncremes ist wichtig, dass Fluoride in einer freien und für die Zahnhartsubstanz verfügbaren Form vorliegen. Nach einer Untersuchung von Craig S. Newby aus Großbritannien hat Sensodyne ProSchmelz Tägliche Zahncreme mit 1.450 parts per million Natriumfluorid eine höhere Fluoridverfügbarkeit als drei Vergleichszahncremes [7]. Die hohe Verfügbarkeit von Fluorid erreicht die Zahncreme,  indem sie auf Bestandteile verzichtet, die möglicherweise mit Fluorid interagieren oder eine Aufnahme des Fluorids in den Zahnschmelz reduzieren können.

Dr. med. dent. Frank Gonser, MBA, Parsippany/USA
Dr. rer. Physiol. Thomas Nahde, Bühl   

Eigenen Kommentar hinzufügen

* - obligatorisches Feld

*




*

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.
Drucken / als PDF ausdrucken
DZW im Abo

DZW im Abo

Jede Woche: Die
Zahnarztwoche im
Abonnement

DZW TV

DZW TV

Informationen aus
der Gesundheits- und
Berufspolitik, Neues
aus der Zahnmedizin,
Hinweise auf interessante
Veranstaltungen,
Interviews u.v.m.

Kommende Veranstaltungen

Kieferorthopädie Die funktionelle Therapie mit dem Twinblock 10.09 - 11.09 Greifswald
Praxismanagement & -marketing Power your life. Körperlich & mental topfit mit dem Erfolgsprogramm von Dr. Spitzbart 10.09 Herne
Zahntechnik model-tray – System zwischen Abdruck und Zirkon 10.09 Hamburg
alle Termine öffnen

KZV-Wahlen in diesem Jahr – gehen Sie wählen?

ja nein weiß noch nicht interessiert mich nicht
Hier gelangen Sie zum Umfragearchiv.

DZW Schlagwortwolke

Je größer das Schlagwort, desto häufiger wurde esverwendet. Klicken Sie ein Wort an, um verwandte Artikel anzuzeigen.

 AOK   BMG   BZÄK   CAD/CAM   der   Deutscher   DGZMK   Dr.   FDP   Fortbildung   FVDZ   Gesundheitsfonds   Gesundheitspolitik   GKV   GOZ   IDS   Implantologie   Internet   Interview   Kommentar   KZBV   KZV   Marschall   PKV   Prof.   Rösler   Selektivverträge   Urteil   Zahnärztetag   Zahnersatz