Immer noch die Methode der Wahl
Seit fast 60 Jahren gilt die Metallkeramik als erfolgreiche Entwicklung –
„Blättert man die Fachliteratur der vergangenen fünf Jahre einmal durch, so entsteht der Eindruck, dass die Welt der zahnärztlichen Prothetik nur noch in ,weiß‘ erscheint. Vollkeramische Gerüstmaterialien schienen in aller Munde zu sein – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch die Verbrauchszahlen sprechen eine andere Sprache: Nach wie vor werden ca. 80 Prozent des in Deutschland eingesetzten Zahnersatzes mit metallischen Gerüsten hergestellt, und das, so meine ich, aus gutem Grund.“ Diese Aussage von Prof. Dr.-Ing. Rudolf Wagner von der Fachhochschule Osnabrück [1, 12] wird durch die Feststellung unterstützt, dass Metallkeramik weiterhin der Standard in der Schweiz ist [2].
Im Laufe von beinahe sechs Jahrzehnten – die ersten Metallkeramikbrücken beruhten auf der Entwicklungsarbeit der Vita Zahnfabrik, der Degussa, von DeTrey (später Dentsply) und Heraeus (übrigens wurde eine der ersten Biodent-Herador-Brücken 1962 vom Autor in dessen Praxis eingegliedert) – erfuhren die sogenannten Aufbrennlegierungen als auch die Keramikwerkstoffe kontinuierliche Verbesserungen [3]. Die Prognose von Thomas Kerschbaum (Köln) in einem ZM-Beitrag im Jahr 2006 [4], dass die Metallkeramik trotz des Trends zur Vollkeramik ihre Bedeutung behalten wird, hat sich bewahrheitet. Und wenn M. Walter (Dresden) im Kapitel „Metallkeramik“ des im Jahr 2008 erschienenen Lehrbuchs Zahnärztliche Werkstoffe und ihre Verarbeitung [5] schreibt, dass „metallkeramischer Zahnersatz bei dem Erfordernis zahnfarbener festsitzender Restaurationen in der Regel das Mittel erster Wahl ist“, wird damit aus berufenem Munde dokumentiert, dass diese Versorgungsart von der Wissenschaft her Standard geblieben ist, also von einer Renaissance eigentlich nicht die Rede sein dürfte [6].
Während in der Anfangszeit der Metallkeramik-Anwendung zirkuläre Abtragtiefen von bis zu 1,8 Millimetern (mm) waren, und so die stufenförmige Präparationstechnik angezeigt war [7, 8], sind heute nur noch Abtragwerte zwischen 0,8 und 1,2 mm erforderlich, wobei die Hohlkehle als optimale Präparationsform anzusehen ist [9, 10]. Die Vielfalt der gegenwärtig angebotenen MK-Verblendsysteme [11] sowie der dazugehörigen Legierungen (etwa 1.450) und Keramikwerkstoffe (53 verschiedene) [12] unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Brenntemperatur und in ihrem Expansionsverhalten, das durch den Wärmeausdehnungskoeffizienten (WAK-Wert) charakterisiert ist [11]:
- klassische Metallkeramik-Verblendsysteme mit Brenntemperaturen von ca. 880 bis 950 Grad Celsius und einem Legierungs-WAK zwischen 13,8 und 15 x 10–6 K–1
- normal expandierende, niedrig brennende Metallkeramik-Verblendsysteme mit Brenntemperaturen von ca. 750 bis 800 Grad Celsius und einem WAK, wie oben bereits angegeben, zwischen 13,8 und 15 x 10–6 K–1
- Universallegierungs-Verblendsysteme mit Brenntemperaturen von ca. 750 bis 820 Grad Celsius und einem WAK zwischen ca. 16 und 17 x 10–6 K–1
- Titan- und Titanlegierungsverblendsysteme mit Brenntemperaturen zwischen 750 und 800 Grad Celsius und einem an das Titan beziehungsweise die Titanlegierung angepassten Expansionsverhalten.
Die klassischen Verblendsysteme bilden die größte und bedeutendste Gruppe. Ihr derzeitiger Marktanteil beträgt ca. 80 Prozent. In dieser Gruppe sind fast alle Legierungstypen vertreten, von hochgoldhaltigen „Bio“-Legierungen (mit hohen WAK-Werten) über die goldreduzierten bis hin zu den Palladium-Basislegierungen (mit niederen WAK-Werten) sowie die seit einigen Jahren mehr und mehr vordrängenden Nichtedelmetall (NEM)-Legierungen, insbesondere auf Kobalt-Chrom- und Nickel-Chrom-Basis.
Bei der Abstimmung der Werkstoffauswahl und Verfahrensweise ist es wichtig, dass die zahntechnischen Anforderungen erfüllt sind und der Zahnarzt über das angewandte System Bescheid weiß. Gerade bei der Metallkeramik ist das gemeinsame Qualitätsstreben von Zahnarzt (Präparation und Abformung) und Zahntechniker (Herstellungsprozess) von erheblicher Bedeutung.
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