Liebe zur Lehre – der Professor aus Herne macht weiter
Prof. Rolf Hinz kann nicht von der UWH lassen und unterrichtet
noch immer –
Prof. Rolf Hinz hat die kieferorthopädische Abteilung der Universität Witten/Herdecke (UWH) geprägt wie kein Zweiter. Hinz ist Forscher, Unternehmer, Buchautor und -verleger sowie Hochschullehrer. Seine Haranni Clinic und das Fortbildungszentrum in Herne, die Haranni Academie, bescheren ihm wissenschaftliche Anerkennung und finanzielle Sicherheit. Trotzdem kann er nicht von der UWH lassen – seit April 2009 ist er mit 82 Jahren wieder kommissarischer Leiter der kieferorthopädischen Abteilung.
„Der Umgang mit den Patienten und auch die Lehre machen mir einfach sehr viel Spaß“, für Hinz Grund genug, nicht den wohlverdienten Ruhestand zu genießen.
„Ich habe gerne mit Studierenden zu tun. Die sind aufgeschlossen für praxisbezogene Lehre, was mir sehr gefällt.“ Der Altersunterschied zu den Unterrichteten falle dabei nicht ins Gewicht. „Ich habe schon das Gefühl, die Studierenden noch zu erreichen. Mir war immer wichtig, dass die Wissensvermittlung locker und humorvoll geschieht, ohne dabei den Praxisbezug zu verlieren. Ich glaube, das kommt ganz gut an,“ so Hinz weiter.
Der Praxisbezug stand immer im Mittelpunkt seiner Arbeit. Im Jahr 1945 begann er in der ehemaligen DDR seine Ausbildung zum Zahntechniker. Nachdem er staatlich anerkannter Dentist wurde, studierte er an der Humboldt-Universität in Berlin Zahnheilkunde und legte 1953 sein Staatsexamen ab. Drei Jahre später promovierte er in Berlin, bevor er 1960 die DDR illegal verließ. „Es gab politischen Druck, der sich bis auf meine Kinder ausgewirkt hat“, sagt Hinz. Und das, weil er sich nicht scheute, das zu tun, was er auch von seinen Patienten verlangte: den Mund aufzumachen. „Dafür war ich bekannt“, erinnert sich Hinz, der eine genehmigte Reise zu einem Fachkongress nach Hamburg nutzte, um der DDR den Rücken zu kehren.
"Prof. Hinz ist ein Organisationstalent, was für einen Wissenschaftler nicht selbstverständlich ist"
Noch im selben Jahr eröffnete er die noch heute bestehende Praxisgemeinschaft Prof. Dr. Rolf Hinz & Partner, die im kommenden Jahr 50 Jahre alt wird. Zur Universität Witten/Herdecke stieß er im Jahr 1984. Ein Jahr nach seiner Habilitation wurde er im Jahr 1988 auf den Lehrstuhl für Kieferorthopädie berufen. In der Folge baute er eine komplette Abteilung auf und hält seit 25 Jahren ununterbrochen Vorlesungen an der UWH. „Damals haben wir unter schwierigen Rahmenbedingungen gute Lehre und Forschung betrieben. Man musste sich anfangs eigene Projektoren mitbringen, später eigene Laptops und Beamer. Wir hatten nur einen leeren Raum mit einem kleinen Schrank und einem Waschbecken und keine finanziellen Mittel. Diese schwierige Situation haben die Studierenden mit Bravour gemeistert.“
Auch dank der tatkräftigen Unterstützung von Hinz. „Prof. Hinz ist ein Organisationstalent, was für einen Wissenschaftler nicht selbstverständlich ist“, lobt UWH-Geschäftsführer Günther Hanke. „Er kombiniert Übersicht, Gelassenheit und Engagement. Er macht alles, und was er macht, das macht er gut. Er hat außergewöhnliche Dinge angestoßen und umgesetzt. So etwas kann man nur bewundern.“
Auch in diesem Jahr ließ sich Hinz nicht lange bitten, als „seine“ UWH ihn bat, als kommissarischer Leiter der kieferorthopädischen Abteilung einzuspringen. „Wenn man etwas mit aufgebaut hat, dann hängt auch das Herz daran“, begründet er diesen Schritt.
Außerdem hat Hinz immer noch Ziele, an deren Umsetzung er stetig arbeitet. „Ich möchte die kieferorthopädische Prophylaxe und Frühbehandlung weiter vorantreiben. Die wird leider etwas vernachlässigt, sodass Patienten nicht früh genug behandelt werden. Dies ist für die Patienten nicht gut und kostet die Krankenkassen viel Geld.“ Außerdem will er die Schlafmedizin mit der Zahnmedizin enger verbinden. Hinz: „Zahnärzte sind in der Lage, durch Geräte, die im Mund getragen werden, etwa das Schnarchen zu unterbinden. Die Schlafmedizin hat einen großen Stellenwert. Hier ist es wichtig, dass sich die Zahnmedizin verstärkt einbringt.“
Im Jahr 2008 erhielt Hinz die Goldene Ehrennadel der deutschen Zahnärzte für sein Lebenswerk.
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