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06. Juli 2010 |  Aus Wissenschaft und Praxis

Mit Plasma auf den Zahn gefühlt

In Greifswald kooperieren Leibniz-Forscher und Uni im Rahmen von „PlasmaDent“ – vielseitige Anwendung von Plasma –

 

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) und Zahnmediziner der Universität Greifswald untersuchen seit Juli 2008 in einem gemeinschaftlichen Projekt, wie Plasma in der Zahnmedizin, beispielsweise bei Zahnfleischerkrankungen, wirkungsvoll eingesetzt werden kann. PlasmaDent, so der Titel des Leitthemas, läuft im Rahmen des Campus PlasmaMed, einem vom BMBF geförderten Projekt, in dem es um anwendungsorientierte Forschung zum Einsatz von Niedertemperaturplasmen in der Medizin geht.

Plasmabehandlung von Plaque (blau gefärbt) auf der Zahnwurzel eines extrahierten Zahns

Die Forscher zeigten in ihren Experimenten die antimikrobielle Wirkung von Plasma auf planktonische Erreger, also freibewegliche Mikroorganismen, wie sie in menschlichem Speichel vorkommen. Hierzu strichen sie Testkeime auf kleine Petrischalen mit einem Nährboden für Bakterien, behandelten sie mit Plasma und konnten bakterienfreie Zonen nachweisen.

Im Mund leben die Bakterien in Biofilmen, der sogenannten Plaque. Die Erreger sind dabei in eine Kohlenhydratmatrix, die sie vor Umwelteinflüssen und antimikrobiellen Substanzen schützt, eingebettet. Dagegen kommen auch handelsübliche Antiseptika nicht ohne weiteres an. Plasma könnte diese Probleme lösen.

Es gibt so gut wie keinen Bereich, in dem Plasma nicht auf die eine oder andere Weise eingesetzt wird. Seine einzigartigen Eigenschaften sind Grundlagen für viele technische Anwendungen. Wenn es nach den Wissenschaftlern des INP und der Universität Greifswald geht, sollen mit Plasmen auch bald solche Probleme in der Zahnheilkunde gelöst werden, die bisher nur sehr zeitaufwendig und schmerzhaft durchgeführt werden konnten.

Das gilt zum Beispiel für die Parodontitis. Nach einer konventionellen Parodontalbehandlung bleiben häufig mikrobiell besiedelte Resttaschen zurück. In diesem Bereich, der mit konventionellen Methoden nicht erreichbar ist, können sich die Bakterien sehr schnell vermehren. Um Zähne mit Zahnfleischtaschen langfristig zu erhalten, müssen diese Beläge alle drei bis sechs Monate entfernt werden. Die mechanische Entfernung ist für die Patienten oft sehr schmerzhaft. Mittels Plasma könnten Zahnärzte sehr viel sanfter mit ihren Patienten umgehen.

Ebenfalls langwierig und schmerzhaft sind Wurzelbehandlungen der Zähne. Aber auch hier könnte der Einsatz von Plasma die Behandlung schmerzärmer und gleichzeitig effektiver machen. Mit einem am INP Greifswald eigens dafür entwickelten dünnen Plasma ist es möglich, auch schwer zugängliche Hohlräume wie Wurzelkanalsysteme und Zahnfleischtaschen gründlicher zu behandeln, und das ohne operativen Eingriff.

Plasma könnte ebenfalls bei der Behandlung von Periimplantitis helfen. Sie ähnelt der Parodontitis des natürlichen Zahns und gilt als ein ungelöstes Problem in der Zahnheilkunde. Dabei verursacht der auf der Implantatoberfläche befindliche Biofilm eine Entzündung des umgebenden Gewebes, und es kommt auch hier zum Knochenabbau. Das gefährdet die Langlebigkeit eines Implantats.

Bei Prothesenträgern wiederum kann es häufig zu einer Entzündung der Mundschleimhaut kommen, die durch eine Besiedlung der Prothese mit Hefepilzen hervorgerufen wird. Die Entfernung des Pilzes auf der Prothese allein mit Bürsten oder chemischen Prothesenreinigern ist schwierig und reicht oft nicht aus. Die antimikrobielle Wirkung von Plasma ermöglicht es, Biofilme auf Titan-, Zahn- und Prothesenoberflächen zu inaktivieren. Spezielle flächig wirkende Plasmen könnten Prothesen zudem desinfizieren und der Prothesenstomatits vorbeugen. Der Einsatz von Plasmen biete somit vielversprechende und effektivere Alternativen zu den herkömmlichen Methoden in der Zahnmedizin, so die Wissenschaftler von PlasmaDent.   

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