22. Juni 2010 |  Zahnmedizin kompakt

MKG-Chirurgie: Sichtbares Beispiel interdisziplinärer Höchstleistungen

Dr. Karlheinz Kimmel über den 60. DGMKG-Kongress und die 41. DÖSAK-Jahrestagung in München –

 

Der 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und die 41. Jahrestagung des Deutsch-Österreichisch-Schweizerischen Arbeitskreises für Tumoren im Kiefer- und Gesichtsbereich vom 25. bis 29. Mai 2010 im Sofitel-Hotel Bayerpost am Münchner Hauptbahnhof war mit seinem Motto „Fortschritte, Innovationen und Forschung in der MKG-Chirurgie“ eine eindrucksvolle Demonstration der Komplexität und des Leistungsstands eines medizinischen Fachgebiets, das durch ein doppeltes Studium, eine doppelte Approbation und – fast ausnahmslos – einen doppelten Doktortitel eine besondere Stellung in der Medizin einnimmt.

Unterkiefermehrfachfraktur nach Fahrradsturz: Die Frakturen im Bereich des Unterkieferkörpers wurden über kaum sichtbare chirurgische Zugänge hinter dem Unterkiefer und durch den Mund reponiert und mit Plattenosteosynthesen fixiert.

Die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen sind auch deshalb in einer nahezu einzigartigen Lage, weil ihre erfolgreiche Tätigkeit auch nach einem extrem schwierigen Behandlungsablauf durch die vor allem ästhetisch gelungene Wiederherstellung im Kopfbereich der Patienten nach außen hin dokumentiert wird, während in anderen chirurgischen Fächern ein solches Erfolgserlebnis verborgen bleibt.

Die Vorstellung von vier in der Münchner MKG-Klinik operativ versorgten Patientinnen in der DGMKG-Pressekonferenz war ein deutlich sichtbarer Beweis für interdisziplinäre Höchstleistungen.

Ein stattliches Programm als Gemeinschaftsleistung

Der Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Michael Ehrenfeld und seine Kollegen aus den Kliniken für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der LMU und des Klinikums der Technischen Universität München sowie der DÖSAK-Vorstand hatten ein facettenreiches Programm zusammengestellt, wobei hoch qualifizierte Referenten vor allem für die Übersichtsvorträge in den Arbeitsfeldern des Fachgebiets gewonnen werden konnten. Die beachtliche Zahl der Vortragsanmeldungen bewies insbesondere die engagierte wissenschaftliche Aktivität in allen Bereichen der MKG-Chirurgie, wobei gerade das Fortbildungsprogramm gleichermaßen niedergelassene MKG-Chirurgen sowie -Kliniker ansprechen konnte. Bei den zahlreichen Parallelveranstaltungen war es für manchen Teilnehmer oft schwierig, die richtige Auswahl zu treffen. Insgesamt waren 190 Sitzungsleiter und Referenten aus Dänemark, Deutschland, England, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, der Schweiz und den USA am wissenschaftlichen Programm beteiligt.

Mikrochirurgie bei Gesichtsrekonstruktion: Was heute alles möglich ist

Neue Verfahren der Mikrochirurgie und des Tissue Engineering können heute erheblich zur Optimierung der Lebensqualität und des Erscheinungsbilds von vorher vielleicht sehr unglücklichen Patienten beitragen. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) erkranken jährlich mehrere Hunderttausend Menschen an Tumoren im Bereich der Mundhöhle, des Rachens und der Gesichtshaut. Über 120.000 davon sind bösartig, konkret etwa 100.000 bis 120.000 im Bereich der Gesichtshaut und mehr als 3.000 im Bereich der Mundhöhle. Die Entfernung dieser Tumore, sei es an der Zunge, am Kieferknochen oder Gesichtsgewebe –  hinterlässt mitunter große Defekte. Die MKG-Chirurgie verfügt über unterschiedliche Methoden, fehlenden Knochen und Weichgewebe wiederherzustellen.
Im Gegensatz zur Deckung von Gewebeverlusten durch beispielsweise Hundebiss oder Unfall ist bei der Wiederherstellung des Gesichts nach Tumorentfernung eine Fremdspende wie beispielsweise die Transplantation von Gesichtsteilen eines Toten ausgeschlossen. „Die gegen mögliche Abstoßreaktionen notwendige Immununterdrückung könnte eine Tumorneuentstehung oder Metastasenbildung begünstigen“ – so Prof. Dr. Dr. Elmar Esser in der DGMKG-Pressekonferenz. Daher werden zur Wiederherstellung bei Tumordefekten andere Verfahren eingesetzt.

Tissue Engineering: Stammzellenanwendung kommt voran

In manchen Fällen kann zu ersetzendes Gewebe oder selbst fehlender Knochen heute mit Stammzellen und Wachstumsfaktoren gezüchtet werden. Ein Kieler MKG-Chirurgen-Team hat zum Beispiel jüngst einen Teil des Unterkiefers eines Tumorgeschädigten in dessen Rückenmuskulatur vorwachsen lassen und das „körpereigene Ersatzteil“ dann im betroffenen Areal implantiert. Dazu sind jedoch vielfältige Voraussetzungen erforderlich: von der 3-D-Animation mit CAD/CAM-Verfahren über aufwendige Labortechnik bis zur klinisch sinnvollen Anwendung im Individualfall.

Zahnimplantationen: Immer mehr auf der sicheren Seite, wenn …

Aus einer DGMKG-Pressemitteilung geht hervor, dass 2009 mehr als eine Million Zahnimplantate inseriert wurden. Die Versorgung mit Dentalimplantaten zählt dabei zu den besonderen Schwerpunkten der MKG-Chirurgie. „Mehr als 50 Prozent aller Implantationen in Deutschland werden von Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen ausgeführt; Patienten profitieren durch die Verbindung von zahnmedizinischer, allgemein- und knochenchirurgischer Kompetenz, bekommen auch bei schwierigen Voraussetzungen alle erforderlichen Maßnahmen aus einer Hand“, so DGMKG-Pressereferent Prof. Esser.

Die MKG-Chirurgie mit neuen Perspektiven

In seinem Hauptvortrag über die Zukunft der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie hat Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner  neue Perspektiven für sein Fach aufgezeigt, die in einem Dialog mit dem Mainzer MKG-Klinikchef in einer der nächsten DZW-Ausgaben zur Diskussion gestellt werden. Es geht dabei um Leitlinien, Vernetzungen und nicht zuletzt um die Nachwuchsförderung mit ganz konkreten Zielen.

Mit diesem Bericht wird – zusammen mit den Interviews mit den Professoren Ehrenfeld und Wagner – der Versuch unternommen, das überaus komplizierte Geflecht der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie den DZW-Leserinnen und -Lesern deutlich zu machen. Wenn man als „einfacher“ Zahnarzt an einem solchen Kongress teilnimmt, wird einem bewusst, dass dieses Fach von seinem Wesen und seiner Struktur her unendlich viel von seinen Angehörigen verlangt, wobei allein die Aus- und Weiterbildung in der Regel mindestens zwölf Jahre in Anspruch nehmen.

(Artikel gekürzt)

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 25/10 auf Seite 1.

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