
„Neue Wege in der Basisversorgung – quecksilberfrei und abrechnungsfähig“
So sehe ich es – Prof. Dr. Dr. h.c. G. Meyer zum Beitrag über die GC-Seminarreihe zur Anwendung und Abrechnung von Equia (DZW 48/11, Seite 20)
Es ist bedauerlich, dass sich die deutsche Niederlassung einer seriösen Weltfirma aus Marketinggründen auf wissenschaftliches und ethisches Glatteis begibt. Auf der einen Seite ist das neue Füllungsmaterial Equia nur vorgesehen für Klasse-I- und kleinere Klasse-II-Kavitäten, wie es einleitend ja auch angemerkt wird und wie es der bisherigen Zielvorstellung des Mutterkonzerns entspricht, was mir zudem einige Repräsentanten dieser Firma während der letzten FDI-Tagung in Mexico City bestätigten.
Auf Basis dieser Einschränkungen werden in Deutschland derzeit klinische Studien durchgeführt, an denen unter anderem auch die Greifswalder Zahnmedizin zusammen mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen beteiligt ist. Wissenschaftliche Ergebnisse hierzu liegen aber bisher noch nicht vor.
Somit reicht es argumentativ nicht aus, wenn bei der wissenschaftlich verfrühten Einführung dieses Produkts ein zahnärztlicher Referent zu Worte kommt, der ein „überzeugter Anwender“ ist und sich darüber hinaus noch damit brüstet, in seinem Berufsleben bislang lediglich zwei Amalgamfüllungen gelegt zu haben. Vielmehr kommt der Verdacht auf, dass hier einmal mehr Zahnärzte dazu gewonnen werden sollen, ihre Patienten/innen zu Versuchskaninchen zu machen. Wie kann bei der vorgegebenen Einschränkung auf Klasse-I- und kleinere Klasse-II-Kavitäten von einem Standardersatzmittel für Amalgam gesprochen werden? Ich frage mich weiterhin, wie komplette Füllungen mit diesem Material standardmäßig innerhalb von zwei bis drei Minuten gelegt werden können – das steht im völligen Gegensatz zu allen auch für unser Versicherungssystem relevanten seriösen Zeitstudien – eine geradezu gefährliche Behauptung!
Bisher war es doch so, dass sich Materialien und Verfahren in Wechselwirkung von zahnmedizinischer Wissenschaft und Praxis etabliert haben. Es macht deshalb nachdenklich, wenn hier ein neues Produkt mit Unterstützung von Medizinanwälten durchgesetzt werden soll, in dem beispielsweise „mit dem Irrglauben aufgeräumt wird, dass allein Amalgam von den gesetzlichen Krankenversicherungen erstattet werde“. Das mag juristisch zwar durchaus stimmen, aber alle weltweit relevanten Studien belegen nachhaltig, dass Amalgam im Seitenzahnbereich insbesondere mit zunehmender Kavitätengröße und unter widrigen Bedingungen – man denke hier an die Alterszahnheilkunde – die beste Langzeithaltbarkeit hat. Somit werden „amalgamfreie Praxen“ die Kosten unseres gesetzlichen Versicherungssystems insgesamt deutlich erhöhen.
Im März 2011 erschien im Journal der Michigan Dental Association ein Artikel unter der Überschrift „Sind amalgamfreie Praxen ethisch vertretbar?“. Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass unter medizinischen und biologischen Gesichtspunkten eine amalgamfreie Praxis unethisch wäre. Sollten andere Gründe, wie Kosmetik, der individuelle Wunsch nach metallfreien Restaurationen oder andere persönliche Präferenzen eine Rolle spielen, darf der Zahnarzt selbst keinesfalls von sich aus etwas vorschlagen, was wissenschaftlich nicht korrekt ist, denn auch das wäre unethisch.
Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer, Universität Greifswald
Kommentare
Es ist doch umgekehrt unethisch weiterhin giftiges Quecksilber in die Zähne von Menschen zu stopfen und die Bestrebungen nach amalgamfreien Praxen schlechtzureden.
Amalgamfreie Praxen würden wohl das Weltbild des Weltzahnmediziners in Wanken bringen.
Denn Amalgam ist für ihn das A&O
obwohl schon der Europarat in seiner Resulution 2011 die Empfehlung gab, Amalgamfüllungen wegen seiner Quecksilbervergiftung zu verbieten
zu den, meiner Meinung nach völlig unlogischen Argumenten von Herrn Prof. G. Meyer, warum man am Amalgam besser festhalten sollte hat der Deutsche Berufsverband der Umweltmediziner Stellung genommen.
http://www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/110_dbu.pdf
Vor allem jüngere Zahnarzte stehen auf einem moderen Standpunkt.
Auch wird endlich mal eine Alternative für Amalgam gebraucht, wer möchte heute noch mit so schwarzen Dingern im Mund lächeln?
Der Patient sollte auch mit endscheiden.
1. Kovarik RE. Restoration of posterior teeth in clinical practice: evidence base for choosing amalgam versus composite. Dent. Clin. North Am. 2009;53(1):71–76, ix. Available at: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19215745. Zugegriffen Januar 16, 2010.
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