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30. Juni 2011 |  Hochschule

Deutschland bildet besonders viele Mediziner aus

Mit rund 10.000 Medizinern pro Jahr bildet Deutschland – nach den USA mit rund 19.500 – die meisten Ärztinnen und Ärzte aus. Auf Platz drei folgt Japan mit annähernd 7.500 Absolventen. Bezogen auf die Einwohnerzahl gehört Deutschland ebenfalls zur Spitzengruppe. Mit rund zwölf Absolventen pro 100.000 Einwohner werden in Deutschland doppelt so viele Ärztinnen und Ärzte wie in den USA oder Japan ausgebildet.

So die Daten der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD), auf die der Verband Deutsche Hochschulmedizin e.V., die Vertretung der Medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika Deutschlands, anlässlich der Debatten um zusätzliche Medizinstudienplätze und den Ärztemangel hinweist.

„Auch beim Vergleich der Ärztedichte liegt Deutschland mit 3,6 praktizierenden Ärzten pro 1.000 Einwohner weit vorne“, sagt Prof. Dieter Bitter-Suermann, Vorsitzender der Deutschen Hochschulmedizin. „Der internationale Vergleich zeigt, dass die Ärztedichte weitgehend unabhängig von der Zahl der Absolventen des Medizinstudiums in den jeweiligen Staaten ist. So hat etwa die Schweiz eine etwas höhere Ärztedichte als Deutschland, obwohl im Verhältnis zur Bevölkerungszahl dort nicht so viele Mediziner ausgebildet werden.“ Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden in der Schweiz ein Viertel weniger Ärzte pro 100.000 Einwohner ausgebildet als in Deutschland.

„Entscheidend für die Ärztedichte eines Landes sind die Arbeitsbedingungen und Strukturen vor Ort, nicht die Präsenz einer Medizinischen Fakultät und eines Universitätsklinikums in der Region“, sagt Bitter-Suermann. Dies belege auch ein Vergleich des Statistischen Bundesamts hinsichtlich der Einwohnerzahl pro Vertragsarzt. So bildet das Land Bremen gar keine Mediziner aus, hat aber die meisten Vertragsärzte in der Bundesrepublik. „Der ärztliche Nachwuchs wird immer mobiler. Lediglich die Hälfte der Absolventen arbeitet im Umkreis von hundert Kilometern um den Studienort“, gibt Bitter-Suermann zu bedenken. Dies zeige eine Untersuchung der Fachhochschule Münster.

„Wir dürfen uns nicht wundern, wenn ein Teil der Absolventen ihre fachärztliche Weiterbildung nicht in Deutschland antritt. Der ärztliche Nachwuchs stimmt heute mit den Füßen ab. Die Bürokratie mit den arztfremden Tätigkeiten muss daher schnell abgebaut und die Weiterbildung verbessert werden. Auch die Bedingungen des beruflichen Umfeldes müssen familienfreundlicher für den langfristig auf mehr als 60 Prozent steigenden Anteil von Ärztinnen gestaltet werden. Die medizinischen Fachberufe und die als Ärzte tätigen Mediziner müssen ferner insgesamt besser zusammenwirken können. Dazu gehören die tradierten Versorgungsstrukturen auf den Prüfstand. Auch die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung müssen aufgebrochen werden“, fordert Bitter-Suermann. „Mit mehr Studienplätzen für Mediziner würden lediglich die Kosten für die Universitäten erhöht, ohne dass jedoch die Probleme der Versorgungsstrukturen gelöst werden.“    

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