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23. Mai 2011 |  Zahnmedizin kompakt

Auch Patienten mit chronischer PAR ohne A. a. und P. g. profitieren von adjuvanter Antibiotikatherapie

Welche Möglichkeiten bietet die adjuvante antibakterielle Parodontitistherapie, und wie steht es mit Mukositis und Periimplantitis? Diese Frage stand Ende April 2011 beim 15. Dresdner Parodontologie-Frühling im Fokus. Mit Prof. Dr. Andrea Mombelli, Universität Genf, konnte dazu ein renommierter, international anerkannter Experte gewonnen werden, der über das Thema „Adjuvante antibakterielle Parodontitistherapie und Therapie der Mukositis/Periimplantitis“ referierte.

Auch in diesem Jahr war ein zahlreiches und interessiertes Publikum – Zahnärzte aus der Region, aber auch aus ganz Deutschland – erschienen. Mombelli selbst war bereits zum zweiten Mal zum Parodontologiefrühling in Dresden und begeisterte sein Publikum mit neuen Erkenntnissen, die zu diesem Thema im Laufe der vergangenen elf Jahre gewonnen wurden.*

Einleitend sprach der Referent über den Biofilm als gemeinsame Ursache von Parodontitis und Periimplantitis und damit auch als Target der mechanischen und adjuvanten Therapie. Die spezifischen Eigenschaften der parodontalen im Gegensatz zur klassischen Infektion bestehen darin, dass die Mikroorganismen zum großen Teil außerhalb der erkrankten Gewebe lokalisiert sind und es sich bei Zahn und Parodont um ein offenes System mit Rekolonisierungsmöglichkeit handelt.

Im Hauptteil des Vortrags stand die effiziente minimal-invasive Parodontitistherapie im Fokus. Essenzielle Elemente für den Erfolg einer adjuvanten antibiotischen Therapie sind:
• Es handelt sich um eine bakterielle Infektion.
• Die Bakterien müssen auf das Medikament empfindlich sein.
• Das Medikament erreicht die erkrankte Stelle
• in genügend hoher Dosis und
• mit ausreichend langer Wirkdauer.

Für die chronische und aggressive Parodontitis kommt hier vor allem die Kombinationstherapie von Amoxicillin und Metronidazol infrage, um das gesamte Keimspektrum parodontopathogener Bakterien zu erfassen. Indiziert ist die Anwendung bei Patienten, die bereits bei der Erstvorstellung ein komplexes Krankheitsgeschehen bieten mit tiefen Taschen und fortgeschrittenem Knochenabbau. Wenn nach der Beurteilung durch den behandelnden Zahnarzt eine rein mechanische Therapie (Deep Scaling und Root Planing, SRP) nicht ausreicht, um einen Behandlungserfolg zu erzielen, sollten nach Mombelli adjuvant zur mechanischen Therapie systemische Antibiotika verabreicht werden.

Die Annahme, dass bei diesen Patienten in der überwiegenden Mehrzahl Aggregatibacter actinomycetemcomitans (A. a.) und Porphyromonas gingivalis (P. g.) in der subgingivalen Plaque vorhanden waren, wurde widerlegt. Die meisten Patienten mit chronischer Parodontitis wiesen zu Behandlungsbeginn weder A. a. noch P. g. auf. Daraus ergab sich die Frage, ob diese Patienten überhaupt von adjuvanten Antibiotika profitieren. Sie können es, denn bei einem berechneten protektiven Risikofaktor von 8,85 wird davon ausgegangen, dass diese Patienten (ohne A. a. und P. g.) ca. neunmal häufiger vor chirurgischer Intervention geschützt sind, wenn systemisch therapiert wurde. SRP und anschließende adjuvante Gabe von Amoxicillin und Metronidazol können die Stellen, die nach der Therapie noch Sondierungstiefen (ST) von mehr als vier Millimetern (mm) aufweisen und bluten, erheblich reduzieren und damit die Notwendigkeit für nachfolgende chirurgische Maßnahmen auf ein Minimum reduzieren.

Auf der Basis neuester vorläufiger Studienergebnisse, die erstmals auf der IADR-Tagung in San Diego im März 2011 präsentiert wurden, profitieren alle Patienten gleichermaßen, unabhängig davon, ob mit einem mikrobiologischen Test das Vorhandensein von A. a. und P. g. nachgewiesen wurde oder nicht. Für die Praxis bedeutet das, dass es nicht unbedingt notwendig ist, vor der Behandlung einen mikrobiologischen Test anzuwenden.

Mombelli favorisiert auf der Grundlage eigener Forschungsergebnisse folgendes Procedere: Nach Anamnese, parodontaler Untersuchung und Diagnosestellung wird innerhalb von 48 Stunden SRP durchgeführt und nach der letzten Behandlung systemisch Amoxicillin und Metronidazol verordnet. Nach sechs Monaten erfolgt die Reevaluation mit der Festlegung, ob erneutes Scaling oder Lappenoperationen notwendig werden. In der Zwischenzeit erhalten die Patienten nach einem und nach drei Monaten Prophylaxe und Mundhygieneunterweisungen/-remotivation bei der Dentalhygienikerin. Gastrointestinale Irritationen traten als häufigste Nebenwirkung lediglich bei einem Drittel der Patienten auf, was nicht dazu verleiten sollte, diese nicht ernst zu nehmen.
Um das Risiko für Resistenzentwicklungen zu minimieren, ist eine Kombinationstherapie aus zwei Stoffgruppen zu bevorzugen. Die Medikamente sollen über eine relativ kurze Zeitspanne (maximal sieben Tage) und in hoher Dosierung verabreicht werden. Die Gabe erfolgt immer adjunktiv zum mechanischen Debridement und nur bei Patienten, bei denen SRP nicht ausreicht, um die Parodontitis erfolgreich zu behandeln.

Bei Penicillinallergien kann auf Metronidazol allein ausgewichen werden. Auch die Kombination von Metronidazol und Cefuroxim oder Metronidazol und Ciprofloxacin ist möglich, es gibt jedoch auch hier Kreuzallergien bei hoch sensiblen Patienten. Alle diese Varianten schneiden in ihrer Wirksamkeit deutlich schlechter ab.

Dr. Katrin Lorenz, Poliklinik für Parodontologie, ZZMK Dresden  

(Artikel gekürzt)


Den vollständigen Artikel lesen Sie in der DZW 21/11 auf Seite 9.

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