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Z-MVZ

ZMVZ-Ketten gründen einen Verband

Dr. Daniel Wichels ist Vorsitzender BNZK und Geschäftsführer von Zahneins. Tobias S. Richter, Geschäftsführer von Dentabene, ist Gründungsmitglied des neuen Verbandes.
Zahneins/Dentabene

Dr. Daniel Wichels ist Vorsitzender BNZK und Geschäftsführer von Zahneins (links). Tobias S. Richter, Geschäftsführer von Dentabene, ist Gründungsmitglied des neuen Verbandes.

Von Heuschrecken, Goldgräbern und Profitgeiern ist in der Standespolitik die Rede, wenn es um von Investoren finanzierte zahnmedizinische Versorgungszentren (ZMVZ) geht. „Das ist diffamierend und entspricht nicht der Wahrheit“, stellt Dr. Daniel Wichels klar. Der Geschäftsführer von Zahneins ist Vorsitzender des im September 2018 gegründeten Bundesverbands für nachhaltige Zahnheilkunde e.V. (BNZK). Der neue Verband vertritt die Interessen von ZMVZ und hat sich auf die Fahnen geschrieben, mit seinen Angeboten eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und nachhaltige zahnmedizinische Versorgung zu forcieren. Welche Ziele der Verband sonst noch verfolgt, darüber sprachen Dr. Wichels und Gründungsmitglied Tobias S. Richter, Geschäftsführer von Dentabene, mit DZW-Redakteurin Evelyn Stolberg.

Warum war die Gründung eines Verbands, der die Interessen von ZMVZ vertritt, notwendig?

Dr. Daniel Wichels: Wir wollen konkret und konstruktiv in den aktuellen Dialog eintreten, der um die ZMVZ entbrannt ist. Unser Verband steht für einen Qualitätswettbewerb im Sinne des Patienten. In den nächsten 15 Jahren wird die Hälfte aller Praxisbetreiber einen Nachfolger suchen. Die Investitionsanforderungen für eine Praxisgründung steigen immer weiter, ebenfalls die Bürokratie. Die neue Generation der Zahnärzte ist vorwiegend weiblich, doch auch junge männliche Zahnärzte suchen nach neuen, flexiblen Arbeitslösungen. Viele von ihnen scheuen den Schritt in die Selbstständigkeit. Wir glauben, dass ZMVZ eine Lösung sein können, diesen Herausforderungen zu begegnen.
Natürlich haben wir auch politische Forderungen. Zum Beispiel wollen wir nicht, dass die Neugründungen von ZMVZ beschränkt werden. Und wir sind der Auffassung, dass sich nicht alle Zahnärzte von der Politik der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) angesprochen fühlen. Ihnen möchten wir eine Plattform bieten.

Welche Zielgruppe haben Sie im Visier?

Wichels: Vor allem natürlich ZMVZ-Betreiber. Unsere Türen stehen aber grundsätzlich jedem offen, der sich an der Diskussion um eine nachhaltige zahnmedizinische Versorgung beteiligen möchte.

Was wollen Sie standespolitisch bewegen?

Wichels: Als Erstes wollen wir dafür sorgen, dass eine offene Diskussion über die Vorteile von ZMVZ- Strukturen entsteht. Wir bieten beispielsweise Nachfolgelösungen für viele Praxisinhaber und gleichzeitig flexible Anstellungsmöglichkeiten für die Generation der Zukunft, Punkte, die in der gegenwärtigen Diskussion zu wenig berücksichtigt werden. Gleichzeitig wollen wir dafür sorgen, dass die aktuelle Diskussion über die Thematik der Eigentümerstrukturen faktenbasiert geführt wird. Die Position der Standespolitik ist da recht einseitig und intransparent. Wir suchen den Dialog mit der Politik und der KZBV.

Investorengeführte ZMVZ werden als Heuschrecken und Schlimmeres bezeichnet. Was sagen Sie dazu?

Wichels: Der Vorwurf ist diffamierend. Er trifft vor allem unsere Partnerzahnärzte, die dies als unseriös zurückweisen. Dass wir angeblich unnötige Leistungen an Patienten verkaufen wollen, ist schlicht unwahr. Und, um mal ein paar Zahlen der KZBV ins Spiel zu bringen: Auch der Freiberufler ist natürlich ein Unternehmer, der versucht, seine Zahnarztpraxis erfolgreich zu führen. KZBV-Statistiken aus den vergangenen zehn Jahren zeigen, dass sich Zahnärzte bei den Umsatzrenditen bei mehr als 30 Prozent bewegen. Deshalb ist es hypokritisch, wenn den ZMVZ vorgeworfen wird, nur sie seien profitorientiert. In die Arbeit der Zahnärzte und ihre Behandlungshoheit greifen wir zudem gar nicht ein. Wenn wir also über Qualität sprechen wollen: In jedem Wettbewerb zählt Qualität. Sollte jemand Patienten nicht so behandeln, wie sie es brauchen, wäre das sehr kurzsichtig gedacht.


Tobias S. Richter: Gerade die Qualitätsthematik wird penibel von uns betrieben. In der Regel investieren ZMVZ in teure neue Behandlungsmöglichkeiten. Davon profitieren die Patienten. Ein weiterer Vorteil: In solchen Strukturen können wir natürlich mehrere Fachbereiche und Spezialisierungen abdecken. Und die Zahnärzte profitieren ebenfalls. Wir nehmen ihnen einen Großteil der bürokratischen Verwaltung ab, wodurch jedem Zahnarzt mehr Zeit für die Patienten bleibt. Und sie haben die Möglichkeit, sich kollegial auszutauschen.

Wie steht es um die flächendeckende Versorgung? Ein weiterer Kritikpunkt ist ja, dass sich ZMVZ die Rosinen rauspicken und sie nur in Ballungszentren wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Wichels: Die KZBV kritisiert, dass 79 Prozent der ZMVZ in den Städten und nur 21 Prozent auf dem Land gegründet werden. Das entspricht genau der Bevölkerungsverteilung zwischen Stadt und Land. Es ist doch so: Die Praxen finden keine Nachfolger. Deshalb brauchen wir neue Strukturen, um die Versorgung sicherzustellen. Laut KZBV wurde außerdem innerhalb von zehn Jahren bis zum Jahr 2015 jeden Tag eine Praxis geschlossen. Wir suchen also nach Antworten für ein Problem, das nicht erst seit heute existiert. Ist die Antwort dann nicht, zusätzliche Angebote und Anstellungsmöglichkeiten in größeren Einheiten zu schaffen, oder ist die Antwort darauf zu sagen, wir wollen die Angebotsvielfalt einschränken und zurück zum alten System? Denn das ist die Position der KZBV. Doch was wäre dann die Lösung?


Richter: Wir kaufen nicht nur die attraktiven Edelpraxen inmitten der Großstädte. Ich habe für mein Unternehmen Dentabene, dem aktuell 13 ZMVZ in Deutschland angehören, ein konkretes Beispiel. In Rheinfelsen, einer Kleinstadt in der Nähe von Basel, haben wir eine Praxis übernommen. In den zwei kleinen Orten im Umkreis hiervon drohten zwei Praxen zu schließen. Wir haben entschieden, diese Praxen zu erhalten und mit angestellten Ärzten weiterlaufen zu lassen. Wir versuchen somit, Praxen in mittelgroßen Städten zu erwerben und auf dem Land Satellitenpraxen, die wiederum bei komplizierteren Fällen mit der Praxis in der nächstgrößeren Stadt kooperieren können.

Das klingt so, als würde es bald keine selbstständig arbeitenden Zahnärzte mehr geben?

Wichels: Wir sind Unternehmer, und was wir als Stärke einbringen können ist, dass wir den Zahnärzten administrativ gute Rahmenbedingungen bieten. Wir greifen nicht in die Behandlung ein. Die medizinischen Leiter der MVZ sind grundsätzlich weisungsungebunden. Von der KZBV wird aber ignoriert, dass rund 70 Prozent der Zahnärzte Frauen sind, von denen die meisten nicht nach Praxisübernahmen suchen, sondern flexible Konstrukte wollen und brauchen. Und auch junge männliche Zahnärzte wollen nicht mehr alle von 8 bis 8 arbeiten. Sie suchen nach einer modernen Work-Life-Balance. Das stellt ältere Zahnärzte vor Probleme, deren Praxis keiner übernehmen möchte. Wir können mit unserer MVZ-Struktur viele Lösungen anbieten. Ich denke, darauf sollte man sich fokussieren.

Was ist mit der aufsuchenden Betreuung? Die Versorgung der Pflegebedürftigen in den Heimen und zu Hause ist eine große Herausforderung.

Richter: Ich war kürzlich in München in einer potenziellen Partnerpraxis. Dort kam ich ins Gespräch mit einer Prothetikerin. Sie ist so erfolgreich in einem Altersheim, dass wir das auf jeden Fall ausbauen wollen. Natürlich können wir das nicht in jeder Praxis sofort umsetzen. Aber wir stehen ja auch erst am Anfang eines massiven Strukturwandels.


Wichels: Über unsere Zahneins-Partnerpraxen kooperieren wir bereits mit einer Vielzahl von Altenheimen und versorgen dadurch mehr als 600 Patienten durch Kooperationsverträge. Diese Angebote möchten wir zum Wohl der Patienten weiter ausbauen.

Zu den Gründungsmitgliedern des BNZK zählen Dentabene, Zahneins, DentConnect und Acura. Von wie vielen ZMVZ, die diese Mitglieder vertreten, sprechen wir?

Wichels: Auf der Website unseres Verbands sprechen wir momentan davon, dass mehr als 100 Zahnärzte, mehr als 1.000 Mitarbeiter sowie rund 150.000 Patienten pro Jahr durch uns vertreten werden. Wir haben allerdings schon weitere Mitgliedsanträge vorliegen. Die Zahlen sind also dynamisch, sie werden sich stetig verändern.


Richter: Grundsätzlich ist es ja auch in unserem Interesse, dass der Verband wächst und noch mehr Mitglieder bekommt.

Wenn die ZMVZ oder aufgekauften Praxen gut laufen – werden Sie sie dann weiterverkaufen?

Wichels: Das ist keine Frage, die ich für den Verband beantworten kann, denn ich kann natürlich nicht für die verschiedenen Unternehmen sprechen, die zu uns gehören. Grundsätzlich ist es aber so, dass die Übernahme auf Nachhaltigkeit und eine langfristige Entwicklung ausgelegt ist.

Es besteht die Angst, dass ZMVZ den Einzelpraxen auf Dauer das Wasser abgraben. Ist das so?

Wichels: Wir sehen ZMVZ als einen weiteren Baustein, der hilft, die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung sicherzustellen. Von der Größenordnung haben wir einen Markanteil von weniger als 1 Prozent. Prognosen besagen, dass wir uns innerhalb der nächsten fünf Jahre weiter im unteren einstelligen Bereich bewegen werden. ZMVZ werden die Einzelpraxis weder ablösen noch ersetzen.

Weitere Informationen zum Bundesverband für nachhaltige Zahnheilkunde e.V. gibt es online: www.bnzk.de

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