Praxisführung

1+1 = Wir-Energie in der Zahnarztpraxis

Leuchtstäbchen / Knicklichter
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Wie funktionieren eigentlich Knicklichter? Sie enthalten zwei unterschiedliche Flüssigkeiten, die durch eine dünne Wand voneinander getrennt sind. Alleine bewirken diese Flüssigkeiten nichts. Sie sind farblos und unscheinbar. Sobald aber die Wand beim Knicken des Stäbchens gebrochen wird, mischen sich die beiden Flüssigkeiten und das Knicklicht beginnt zu leuchten.

Von Zuständigkeitsbereichen …

Auch Kooperationen sind besonders vielversprechend, wenn verschiedene Disziplinen oder Persönlichkeiten zusammenkommen. So kann sich das unterschiedliche Wissen gegenseitig bereichern und aktivieren. Doch erst gilt es, die Wand zu durchbrechen, die eine fruchtbare Zusammenarbeit verhindert.

In der Zahnarztpraxis sind es oft Zuständigkeitsbereiche, die im Weg stehen. Sei es, weil Hierarchien behindern oder weil beispielsweise der Empfang, der für die Terminvereinbarung zuständig ist, und die Assistenz in den Behandlungsräumen sich nicht einig werden über den besten Zeitplan. Nicht nur, dass sich dieser Disput auf das Klima intern negativ auswirkt – besonders schlecht ist es, wenn auch noch die Patienten in den internen Wettbewerb, der nur vermeintlich „das Geschäft belebt“, hineingezogen werden. Vielleicht hat schlicht und einfach noch niemand darüber nachgedacht, welche bemerkenswerten Ergebnisse eine gemeinsame Lösungssuche bringen könnte.

„Auf Augenhöhe bedeutet, der anderen Idee oder Überzeugung genauso viel Raum
und Gewicht zu geben wie der eigenen und genauso aktiv zuzuhören wie aktiv mitzuteilen.“

Ulrike Stahl

… bis zu den Hürden im eigenen Kopf

Manchmal sind es Hürden im Kopf, die uns daran hindern, eine Kooperation aktiv zu suchen. Diese Hürden werden umso massiver, je mehr wir uns auf die Unterschiedlichkeit konzentrieren und die Andersartigkeit des Anderen negativ bewerten. „Der geht es ja nur darum, möglichst viele Termine unterzubringen; der Patient interessiert die gar nicht.“ Oder: „Die ist immer so gefühlsbetont, Fakten scheinen ihr völlig egal zu sein.“ „Die immer mit ihren halbgaren Ideen, das ist gar nicht durchdacht.“ Oder auch: „Die stellen einen immer vor vollendete Tatsachen, so geht das nicht.“ So oder ähnlich klingt es dann, wenn wir uns missmutig über das Verhalten „der Anderen“ in der Praxis äußern.

Auf das konzentrieren, was einen verbindet

Diese Wände fallen ganz einfach zusammen, sobald wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet: Sowohl die Mitarbeiterin am Empfang als auch die Assistentin, die für Professionelle Zahnreinigungen zuständig ist, oder der Mitarbeiter im Labor geben ihr Bestes. Alle wollen, dass die Praxis weiter existiert, erfolgreich ist und so die Arbeitsplätze gesichert sind. Die Wände fallen auch, sobald die Beteiligten ein höheres Ziel ins Auge fassen. Aus dem Gefühl, (gezwungenermaßen) einfach zusammenzuarbeiten beziehungsweise es zu tun, weil es sich lohnt, entsteht ein innerer Antrieb, der es ermöglicht, auch große Gräben zu überwinden.

Wenn Wände durchbrochen werden …

Ein Beispiel aus einem anderen Bereich macht dies deutlich: Stadtverwaltungen gelten eher selten als ideale Kooperationspartner für kleine Start-up-Unternehmen. Die Stadtverwaltung gilt als verschlossen, langsam und konservativ, das Start-up als zu wenig verlässlich, unbedacht und unberechenbar. Eine Zusammenarbeit im Hinblick auf Datennutzung ist nur schwer vorstellbar.

Die Stadt Helsinki hat diese Wand durchbrochen und begonnen, die ihr zur Verfügung stehenden – nicht persönlichkeitssensiblen – Daten aufzubereiten und diese jedem zur Verfügung zu stellen, der sie nutzen will. Start-up-Unternehmen haben zwischenzeitlich auf Basis dieser Daten Apps entwickelt, die wiederum den Bürgern der Stadt das Leben angenehmer oder interessanter machen. So gibt es jetzt beispielsweise eine App, die anzeigt, wann der Schnee in welchen Stadtgebieten geräumt wird oder wie bestimmte Straßenzüge vor 100 oder 200 Jahren ausgesehen haben. Eine weitere App hilft Menschen mit Sehbehinderung, die nächste Ampel zu finden. Genau wie beim Knicklicht das Licht die Umgebung erhellt, profitieren von dieser Kooperation nicht nur die Start-ups (wirtschaftlicher Erfolg) und die Stadt (mehr Steuereinnahmen), sondern auch die Bürger und Nutznießer der Apps.

… nimmt die Leuchtkraft zu

Ist die trennende Wand im Knicklicht erst einmal gebrochen und man bewegt/schüttelt es, nimmt das Leuchten weiter zu. Die volle Leuchtkraft entsteht dann, wenn die Flüssigkeiten komplett zusammenfließen und sich vermischen. Häufig beginnt kooperative Zusammenarbeit in einer Zahnarztpraxis scheinbar vielversprechend, stockt dann aber. Ein Grund dafür sind oft Vorbehalte, sich wirklich voll und ganz einzubringen. Manche Mitarbeiter in der Praxis investieren nur abwartend oder mit halber Kraft. Nach dem Motto: „Erst einmal schauen, was die anderen leisten.“

Dies passiert vor allem, wenn der Zahnarzt als Chef nicht mit gutem Beispiel vorangeht. Leuchtende Ergebnisse entstehen jedoch nur dann, wenn alle Beteiligten volles Engagement zeigen und mit Vorschussvertrauen an die Sache herangehen. Das heißt, Bedenken sollten unbedingt vor dem Start ausgeräumt werden, um dann ohne Vorbehalte und mit voller Kraft in das gemeinsame Ziel zu investieren. In Zahnarztpraxen wird oft zu wenig Zeit dafür aufgewendet, über Werte und individuelle Ziele zu sprechen und sich darüber zu verständigen, wie diese in der Zusammenarbeit verwirklicht werden können.

Gebündelte Energie

Das Knicklicht leuchtet, weil chemische Energie in Lichtenergie umgewandelt wird. Eine Maxime für erfolgreiche Kooperation in der Zahnarztpraxis ist, dass Konflikte intern geführt und nicht nach außen getragen werden. Es scheint oft leichter, mit einem Patienten in das Klagelied über das Verhalten des Kollegen einzustimmen, das einem nicht passt, als es gegenüber dem anderen Beteiligten persönlich so anzusprechen, dass nach konstruktiven Lösungen gesucht werden kann.

Gelingt das jedoch, entsteht eine neue kreative Energie, die sich in besseren, innovativen Ergebnissen in der Praxis spiegelt. Kontinuierlicher Austausch und Kommunikation auf Augenhöhe sind Schlüsselfaktoren. Auf Augenhöhe bedeutet dabei, der anderen Idee oder Überzeugung genauso viel Raum und Gewicht zu geben wie der eigenen und genauso aktiv zuzuhören wie aktiv mitzuteilen; also sich vertrauensvoll und eng zu verbinden. Dann leuchtet das Miteinander – wie bei einem Knicklicht – und aus 1 plus 1 wird tatsächlich eine WIR-Energie in der Zahnarztpraxis!