WM2018

5. Juli 2018

Umfrage: Jeder Dritte verfolgt Sportevents live im Netz

Live-Übertragungen von Sportereignissen im Internet werden immer beliebter. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, bei der 1.006 Personen ab 14 Jahren, darunter 834 Internetnutzer, befragt wurden. Demnach verfolgt jeder dritte Internetnutzer (30 Prozent) Sportereignisse live im Internet. Zum Vergleich: 2016 waren erst 23 Prozent über Livestream und Liveticker mit dabei. „Vor allem dank Smartphone und schnellem mobilen Internet kann man heute überall Sportereignisse verfolgen. Egal ob unterwegs in der Bahn oder mit Freunden im Park, es gibt immer das passende Online-Angebot, um auf dem Laufenden zu bleiben“, sagt Adrian Lohse, Referent Consumer Technology beim Bitkom.

Laut der Studie nutzt inzwischen jeder Zweite (54 Prozent), der Sportevents live im Internet verfolgt, dazu sein Smartphone. Gleichauf liegt der heimische Smart-TV, über den 53 Prozent schauen. Knapp drei von zehn (29 Prozent) greifen auf das Tablet zurück, um den Live-Übertragungen zu folgen. Über den Laptop schaut hingegen nur jeder Sechste (17 Prozent). „Online-Übertragungen erlauben nicht nur, überall das Sportereignis zu verfolgen, sie bieten häufig auch zusätzliche Features. So kann man in der App verschiedene Kameraperspektiven auswählen oder sich parallel zur Übertragung mit anderen Sportbegeisterten austauschen“, so Lohse. „Im Live-Ticker erhält man mit einem Klick Hintergrundinfos zum Spielverlauf oder zu einzelnen Spielern, die weit über das hinausgehen, was die Kommentatoren in der Übertragung bieten.“

Die beliebtesten Netzangebote sind kostenlose TV-Livestreams. Jeder Zweite, der Sportereignisse live im Internet verfolgt (48 Prozent), nutzt etwa die Angebote der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. 2016 waren es 44 Prozent. Jeder Dritte (31 Prozent) folgt dem Spielgeschehen textbasiert über Online-Liveticker (2016: 22 Prozent). 28 Prozent greifen auf kostenpflichtige Video-Livestreams zurück, um Sportereignisse live zu sehen (2016: 28 Prozent). 14 Prozent verfolgen die Liveübertragung via Webradio (2016: 13 Prozent).

4. Juli 2018

Mannschaften im K.-o.-Modus

Interview: Unsere WM-Analyse des ehemaligen Schiedsrichters Thorsten Kinhöfer

Jede Woche analysieren wir mit unserem Experten und BamS-Schiri Thorsten Kinhöfer, dem ehemaligen DFB- und FIFA-Schiedsrichter, das Spielgeschehen bei der WM 2018 in Russland. Für die DZW stellt Dr. Helge David die Fragen.

Ein kurzer Rückblick auf das letzte Deutschlandspiel gegen Südkorea: Mats Hummels datierte nach der Begegnung das letzte gute Spiel der Nationalmannschaft auf Herbst 2017. Was ist schiefgelaufen?

Thorsten Kinhöfer: Man hat immer gesagt, wir können es, wir werden es schaffen, das sind nur Vorbereitungsspiele. Die Gruppenphase in der Qualifikation hat die Mannschaft ja auch souverän geschafft. Danach gab es nur noch Freundschaftsspiele, und die wurden alle nicht mit dem Engagement und dem Siegeswillen geführt, als wären es Pflichtspiele. Beim Fußball hat man einen Gegner auf dem Platz, und wenn man sich dann sagt, das schaffe ich schon, wenn es ernst wird, und halte diese Ernsthaftigkeit nicht hoch, dann zieht man sich in seine Komfortzone zurück. Deshalb wird beim Training auch häufig Vollgas gegeben, damit man diesen Wettspielcharakter hat. Wenn ich bei diesen Freundschaftsspielen denke: „Ich bin sowieso bei der WM dabei, ich spiele ja auch“, halte ich die Spannung nicht hoch. Bei all den Freundschaftsspielen gegen Brasilien, Österreich und Saudi-Arabien hat die Mannschaft nie gezeigt, wozu sie imstande ist. Da muss ich mich natürlich fragen, warum kriege ich die Mannschaft nicht so fokussiert, dass sie ihre Leistung abruft. Ist die Mannschaft eine Art Wohlfühlbecken, dass die Leute, die dort spielen, sagen: „Ist ja prima hier“?

Die Nationalelf wird als Marke „Die Mannschaft“ präsentiert. Von Mannschaft auf dem Platz war aber nicht viel zu sehen, oder?

Kinhöfer: Was immer mehr zum Vorschein kommt, ist, dass die Mannschaft sich weiter und weiter von der Basis, von den Fans distanziert. Dieses Premiumprodukt „Die Mannschaft“, die da aufgebaut wurde, steht natürlich konträr zu den vielen, vielen Fans, die wir in Deutschland haben. Wenn sie Erfolg haben, kann man sich alles erlauben, alles wird schöngeredet, weil der Erfolg ja da ist. Wenn sie dann aber verlieren, gibt es von allen Seiten Feuer. Da muss man sich also fragen, ob die entrückte Außendarstellung der „Mannschaft“ noch zeitgemäß ist.

Was noch hinzukommt: Man hat die Gündogan-Özil-Affäre völlig unterschätzt. Nach den Fotos wurde intern darüber gesprochen, das bedeutet mit Bierhoff und Löw. Wenn man weiß, dass der Berater von Löw Faruk Arslan auch der Berater von Gündogan und Özil ist, stellt sich die Frage, ob man dann noch die Objektivität hat und wie geht man damit um? Man hat aus dem inakzeptablen Verhalten keine Konsequenzen gezogen. Thomas Strunz hat in seiner Kolumne geschrieben: „Man stelle sich mal vor, Thomas Müller oder Manuel Neuer hätten sich mit einem AfD-Politiker ablichten lassen.“ Dann hätte es einen Aufschrei gegeben. Das Ganze ist von DFB Seite völlig unterschätzt worden. Die ganze Mannschaft war ja nicht homogen, das konnte man ja deutlich sehen. Und das alles hat der DFB völlig falsch eingeschätzt. Darunter hat insgesamt auch die Leistung gelitten.

Welche Konsequenzen müssen nun bei der deutschen Mannschaft gezogen werden?

Kinhöfer: Man sollte nie Entscheidungen aus der Emotionalität treffen – bei positiven wie bei negativen Emotionen. Hier macht es der DFB richtig, er lässt es erst einmal ein bisschen sacken, dann muss analysiert werden. Wenn ich Trainerkonsequenzen möchte, dann stellt sich die Frage, wer soll es machen? Also, ich sehe da keinen. Ein Thomas Schneider oder Marcus Sorg, die beiden Assistenten von Löw, die sind noch nicht so weit, dass sie die Nationalmannschaft führen. Man muss ja auch einen Trainer haben, der von der Mannschaft akzeptiert wird. Der akzeptiert wird von den Fans. Ich glaube, man muss in der Mannschaft Konsequenzen ziehen. Da wird es Zeit, dass man einmal aufräumt. Dieses „Wohlfühlbecken Nationalmannschaft“ hat ausgedient, seit dem Aus am Mittwoch.

Kommen wir zur K.-o.-Runde: Messi, Ronaldo, Ramos sind ausgeschieden, kleine Länder wie Belgien und Kroatien gelten als Mitfavoriten auf den Titel. Ändert sich der Weltfußball?

Kinhöfer: Ich glaube nicht, dass sich der Weltfußball ändert. Man muss es so sehen, Messi über 30, Ronaldo über 30, Ramos über 30 – die haben ihre Topjahre hinter sich. Und jetzt kommt die neue Generation. Und ich habe schon vor der WM gesagt, dass Belgien für mich ein Favorit ist, weil die wirklich eine richtig, richtig gute Mannschaft haben. Beim letzten Gruppenspiel gegen England, da haben vier, fünf nicht gespielt: Lukaku vorne im Sturm, De Bruyne, Hazard, die haben alle nicht gespielt, und trotzdem hatten sie eine richtig gute Mannschaft. Und das Gleiche gilt für Kroatien.

Ich glaube, dass sich der Weltfußball nicht ändert, aber Mannschaften spielen jetzt dort eine Rolle, die wirklich als Mannschaft auftreten, die alles geben, die sich zerreißen, die den Willen haben, auch zu gewinnen. Die sich, auf Deutsch gesagt, den [Piep] aufreißen. Und das hat man bei der deutschen Mannschaft ja vermisst. Körpersprache, Engagement, Galligkeit, Giftigkeit – das sieht man bei den kleinen Mannschaften, deshalb sind sie auch so erfolgreich.

Wie zufrieden sind Sie mit der Schiedsrichterleistung und wer pfeift das Finale?

Kinhöfer: Für das Finale ist es noch zu früh für Prognosen. Bei der FIFA ist ganz viel Politik im Spiel. Da geht es dann teilweise nicht mehr darum, wer der beste Schiedsrichter ist, sondern um politische Entscheidungen. Wenn ich sehe, dass der deutsche Schiedsrichter Felix Brych bis zum heutigen Tage erst ein Spiel gepfiffen hat, dann halte ich das schlichtweg für einen Skandal. Er ist einer der besten europäischen Schiedsrichter und wird, weil er bei der FIFA nicht das gleiche Standing hat wie bei der UEFA, erst zu nur einem Spiel angesetzt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass bei FIFA und UEFA ganz viel „Nasenfaktor“ eine Rolle spielt. Deswegen ist es für die Nominierung für das Endspiel noch zu früh. Die Schiedsrichterleistung bei dieser WM ist im Großen und Ganzen sehr gut. Natürlich gibt es Ausreißer, wo man sich fragt, wie kann man so etwas pfeifen. Mir fallen ad hoc so drei bis vier Elfmeterentscheidungen ein, wo dann auch der Videoschiedsrichter versagt hat. Insgesamt machen die Schiedsrichter aber einen guten Job bei der WM.

Thorsten Kinhöfer war von 1994 bis 2015 DFB-Schiedsrichter. Im Jahr 2006 wurde er auch FIFA-Schiedsrichter. Kinhöfer leitete internationale Begegnungen in der Champions League, der Europe League und bei der WM-Qualifikation. Kinhöfer lebt in Herne.

 


3. Juli 2018

Auch künstliche Intelligenz hat sich bei der WM-Vorhersage für das deutsche Fußballteam geirrt...

KI WM-Vorhersage

Foto: wetzkaz – stock. Adobe.com

Vorhersagen sind nicht immer Glaubenssache. Erst recht nicht, wenn es um datenbasierte Prognosen geht, die sich auf Algorithmen stützen. Und dennoch kann sich auch künstliche Intelligenz irren. Sehr zum Ärger von Andreas Groll, Statistikprofessor an der Technischen Universität (TU) Dortmund. Er hat im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft gemeinsam mit einigen Kollegen einen Algorithmus entwickelt, der die Chancen der einzelnen Fußballteams einschätzen sollte.

Nach Angaben des Handelsblatts wurden dabei gut zwanzig Variablen berücksichtigt, unter anderem die Fifa-Weltrangliste, die Größe und Wirtschaftskraft des Landes sowie das Durchschnittsalter der Spieler und Quoten eines Wettspielanbieters. Auch spielte der Faktor „Ability“, also die Spielstärke, den die Forscher selbst aus verschiedenen Statistiken berechneten, eine Rolle.

Das System, das auf künstliche Intelligenz zurückgreift, konnte das deutsche WM-Aus nicht richtig vorhersehen. Immerhin gab es zu den Achtelfinalteilnehmern eine hohe Trefferquote. Elf der Länder, die es ins Achtelfinale schafften, wurden von dem System korrekt prognostiziert. Auch die Technologie, so das Fazit des Handelsblatt-Autors Christof Kerkmann, habe also ihre Grenzen. Faktoren wie Psyche, Nervosität und Zufall lassen sich nun mal schlecht in Daten abbilden und vorhersehen.

 

28. Juni 2018

Roboter-WM: Deutschland gleich Doppel-Weltmeister

Künstliche Intelligenz ist dieser Tage hoch im Kurs – auch auf dem Fußballfeld. Während internationale Fußballprofis in Russland immer noch um den Weltmeistertitel kicken, fand im kanadischen Montreal die Weltmeisterschaft der Roboter statt. Der Robot Soccer World Cup, kurz RoboCup, wurde in diesem Jahr vom 18. bis zum 22. Juni ausgetragen. Auch Teams aus Bremen, Leipzig, Hamburg, Berlin, Frankfurt und Dortmund waren am Start. Mit den Siegen der Nimbro-Mannschaft aus Bonn und des Nao-Teams HTWK aus Leipzig ist Deutschland gleich Doppel-Weltmeister im Roboter-Fußball geworden. 

Stürmer, Verteidiger, Torwart: Die humanoiden Maschinen, die beim jährlich an wechselnden Orten stattfindenden RoboCup in die Rollen menschlicher Prototypen schlüpften, sind nicht besonders schnell und knappe 60 Zentimeter groß. Die sogenannten Nao-Roboter, die auf den Erfolg des französischen Unternehmens SoftBank Robotics zurückgehen, werden nicht ferngesteuert, sondern handeln vollständig autonom. Nach dem Anpfiff spielt der menschliche „Trainer“ kaum noch eine Rolle. Die Naos kommunizieren dann über WLAN und schalten softwaregesteuert vom Verteidigung auf Angriff, wenn sie in Ballbesitz kommen. Entscheidend sind also zuvor entwickelte „intelligente“ Programme.

Im RoboCup Soccer wird in fünf verschiedenen Ligen gespielt: Humanoid, Standard Platform, Middle Size, Small Size und Simulation. Hier unterscheiden sich die Roboter hinsichtlich ihres Baus und der Programmierung. Das Ziel der Wettkämpfe ist jedoch gleich: Zwei Teams mit je fünf Robo-Spielern versuchen, auf einem Spielfeld von neun mal sechs Metern den Ball innerhalb von 30 Minuten so oft wie möglich ins gegnerische Tor zu schießen.

Neben dem Fußballturnier wird die Nutzung intelligenter Roboter für Industrie, Wirtschaft, Wissenschaft und im Alltag präsentiert. In den Ligen RoboCup Home, Robo­Cup Industrial und RoboCup Rescue zeigen Wissenschaftler ihre Lösungsansätze zum Einsatz von Robotern bei Rettungseinsätzen, im Haushalt, in Logistik und Produktion. So sind aus dem RoboCup bereits zahlreiche Innovationen hervorgegangen. Der in Japan entwickelte Roboter „Quince“ beispielsweise kam 2011 im havarierten Atomkraftwerk Fukushima als eines von nur wenigen Robotersystemen helfend zum Einsatz.

 

RoboCup 2016 Leipzig

In Deutschland fand zuletzt der RoboCup 2016 auf dem Leipziger Messegelände statt. Rund 35.000 Teilnehmer und Besucher aus der ganzen Welt ließen sich damals von der Weltmeisterschaft der intelligenten Roboter begeistern. (Foto: Leipziger Messe)

Der RoboCup ist eine internationale Initiative zur Förderung der Forschung in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz. Seit 1997 kommen Wissenschaftler, Studierende und mittlerweile auch Schüler zusammen, um ihre Roboter in unterschiedlichen Disziplinen und Ligen gegeneinander antreten lassen. Die Regeln in der Humanoid League des RoboCups unterscheiden sich von denen im „echten“ Fußball und verändern sich laufend. Von Beginn an hält die RoboCup Federation an einem ambitionierten Ziel fest: Spätestens im Jahr 2050 sollen sich Mensch und Roboter auf einem echten Fußballfeld auf Augenhöhe begegnen.

27. Juni 2018

„Wir sind zusammen Kroos“

Interview: Unsere WM-Analyse des ehemaligen Schiedsrichters Thorsten Kinhöfer

Jede Woche analysieren wir mit unserem Experten und BamS-Schiri Thorsten Kinhöfer, dem ehemaligen DFB- und FIFA-Schiedsrichter, das Spielgeschehen bei der WM 2018 in Russland rund um die deutsche Mannschaft. Für die DZW stellt Dr. Helge David die Fragen.

Die Begegnung Deutschland gegen Schweden war ein echtes Wimpernschlagspiel. Wie bewerten Sie die Leistung der deutschen Mannschaft?

Thorsten Kinhöfer: Das war natürlich ein Thriller, den Alfred Hitchcock nicht besser hätte schreiben können. Es war super spannend. Alle haben mitgefiebert. Es fing an, da dachte man, es gibt einen klaren Sieg. Die deutsche Mannschaft hat in den ersten Minuten wirklich Vollgas gegeben und all das umgesetzt, was sie sich vorgenommen hat. Nach dem Gegentor war auf einmal ein Bruch drin. Da kommen auch Unsicherheit und ein bisschen Angst dazu. Man überlegt, „Mensch, ich könnte hier auch ausscheiden“. Das ist dann eingetreten und die Mannschaft hat in der Phase wirklich nicht gut gespielt. Sie hatten zwar Chancen, aber auch echte Ausfälle. Dass Kroos uns in der fünften Minute der Nachspielzeit erlöst hat, war natürlich phantastisch.

Für mich ist da der Knoten geplatzt und wir werden am Mittwoch gegen Südkorea eine Mannschaft erleben, hinter der wieder ganz Deutschland stehen wird. Man hat den Eindruck, dass da wieder ein ganz neues Wir-Gefühl entfacht wurde. Egal, mit wem man spricht im Freundes- oder Bekanntenkreis, auf der Straße, in der Firma: Wir haben wieder eine Mannschaft. Das war wirklich ein Knotenlöser, dieses Spiel.

Thorsten Kinhöfer

Im Vorfeld gab es viele kritische, auch sehr laute Stimmen, die die deutsche Mannschaft schon vor dem Aus gesehen haben.

Kinhöfer: Die kritischen Stimmen in Deutschland waren natürlich im Vorfeld da. Dazu kamen die schlechten Vorbereitungsspiele und die Gündogan-Özil-Geschichte. Es war wirklich so, dass nicht ganz Deutschland hinter der Mannschaft stand. Ich hoffe, dass durch dieses sensationelle Kroos-Tor die Euphorie geweckt ist und wir jetzt wieder komplett hinter der Mannschaft stehen. Ich hatte den Eindruck, dass vor dem Spiel einige gedacht haben, warten wir mal ab. Das ist aber auch immer ein Spiel-Gegenspiel: Die Mannschaft muss liefern, dann springen die Fans auf den Zug. Und die Fans gehen auch manchmal in Vorleistung und ziehen die Mannschaft mit. Durch dieses phantastische Erlebnis am Samstag können wir wieder frohen Mutes auf das Korea-Spiel blicken.

Sehen Sie die deutsche Mannschaft nun schon im Achtelfinale?

Kinhöfer: Bei aller Euphorie darf man nicht vergessen, welche Schwächen die deutsche Mannschaft noch hat. Die Innenverteidigung ist sicher nicht weltmeisterlich im Moment. Die Außenverteidiger geben sich Mühe, aber auch da ist noch Potenzial. Ich denke, in diversen Mannschaftsteilen ist noch Luft nach oben. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler begehen und denken, wir haben gegen Schweden gewonnen. Jetzt sind wir Weltmeister. Wir haben im Spiel gesehen, dass gerade individuelle Fehler der Innenverteidiger der Mannschaft beinahe geschadet hätten, irreparabel geschadet hätten. Auch Boateng ist nicht wieder 100-prozentig fit. Man hat das gesehen, wenn er vorne mit im Strafraum war, wie er zurückgetrabt ist. Dazu kommt dieses Foulspiel, das einem Boateng in dieser Phase des Spiels nicht passieren darf, dass er mit einer gelb-roten Karten vom Platz fliegt. Und Rüdiger ist kein Ersatz für Hummels. Auch Süle ist noch nicht so weit, um die komplette Innenverteidigung abzudecken. Und im Sturm war nicht alles Gold, was glänzt. Wenn ich da die Riesenchance von Gomez gesehen habe im Spiel und sie nicht verwertet wurde, da wurde mir ganz anders.

Nach dem phantastischen Tor von Kroos muss man jetzt die Euphorie mitnehmen und die Fehler ausmerzen, dann läuft es auch am Mittwoch gegen Südkorea.

Jetzt haben wir alle Mannschaften gesehen. Haben Sie einen WM-Favoriten?

Kinhöfer: Ich hatte die belgische Mannschaft schon bei der letzten Europameisterschaft im Kopf. Das ist wirklich eine richtig, richtig geile Truppe. Das Problem da ist, die haben zwölf, dreizehn echte Weltklassespieler. Wenn sich von denen aber einer verletzt, dann kommt halt – ich will nicht sagen belgischer Durchschnitt – dazu. Denen fehlt halt die breite Masse. Bei Deutschland ist es so, wir haben einen Goretzka auf der Bank, der wäre in Belgien sicherlich Stammspieler. Wir haben einen breiteren Kader, was auch ausschlaggebend sein kann. Aber Belgien ist für mich ein absoluter Favorit.

Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych hat sein erstes Spiel Serbien gegen Schweiz geleitet. Wie schätzen Sie seine Leistung ein? Die Serben hatten in einer Situation einen Elfmeter gefordert.

Kinhöfer: Für mich hat er da einen sehr, sehr guten Job gemacht. Dass dann die Serben mit Aussagen an die Öffentlichkeit gegangen sind, er müsse vor das Kriegsverbrechertribunal, ist schon sehr martialisch und völlig deplatziert. Es gibt Situationen in einem Spiel, da kann man als Schiedsrichter nur verlieren: Pfeift er das, hat er die einen 50 Prozent gegen sich, pfeift er es nicht, hat er die anderen 50 Prozent gegen sich. Es gibt Entscheidungen, die getroffen werden müssen, und die muss man dann auch akzeptieren. Wenn dann Mladen Krstajić, der auch in der Bundesliga bei Bremen und Schalke gespielt hat, solche Aussagen tätigt, ist das mehr als befremdlich. Für mich hat Felix Brych wirklich einen guten Job gemacht. Es gibt im Schiedsrichterwesen ganz viel Grau, da ist nicht alles Schwarz und Weiß. Für Brych war es kein Elfmeter, das kann man absolut nachvollziehen. Wenn er ihn gegeben hätte, hätte man auch genügend Argumente gefunden, das auch als richtig darzustellen. Für mich hat er in diesem Moment die richtige Entscheidung getroffen.

 


26. Juni 2018

DZW WM-Format — Olli Kann Fußball: Episode 4

 
Es geht um die Wurst! Experte Olli und Orakel Mila haben wieder alles gegeben, um das kommende Spiel Südkorea gegen Deutschland vorherzusagen. Wir wünschen viel Spaß! ⚽️??

 


22. Juni 2018

Autokorso

WM-Fieber – Dos und Don’ts beim Feiern

Bis zum 15. Juli 2018 ringen Nationalmannschaften in Russland um den FIFA-WM-Pokal. Das nach der Olympiade mitunter bedeutendste Sportereignis genießt weltweite Aufmerksamkeit und versetzt Fußball-Fans rund um den Globus in helle Aufregung – selbst die größten Sportmuffel scheinen zu Fußball-Liebhaber zu werden. Trotzdem gilt es, beim Feiern eine Reihe von gesetzlichen Regelungen zu beachten.

Im Rausch der Euphorie: Die Lärmbelästigung

Ob im Stadion, beim Public Viewing oder auf dem TV Zuhause: Jeder weiß, dass Fußballfans laut werden können. Gerade in den eigenen vier Wänden besteht die Gefahr, dass der Nachbar beim nächsten Tor-Jubeln wegen Ruhestörung die Polizei ruft. Laut Lärmbelästigungs-Gesetz ist die Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr einzuhalten. Dabei darf die Zimmerlautstärke nicht überschritten werden. Auch die Ruhezeit am Wochenende müssen beachtet werden, die sonntags auch tagsüber besteht. Grundsätzlich kann ein Verstoß gegen die Nacht- und Wochenendruhezeit mit bis zu 5.000 € bestraft werden.

Wer sich die Live-Übertragung der Spiele auf Leinwänden in der Öffentlichkeit ansehen möchte, kann etwas beruhigter sein: Die Bundesregierung hat für den diesjährigen Kampf um den goldenen Pokal die deutschen Vorschriften zum Lärmschutz ausnahmsweise gelockert. Da das Fußballschauen vor allem eine Sache der Gemeinschaft ist, sind nach einem vom Bundeskabinett beschlossene Verordnung WM-Liveübertragungen grundsätzlich auch nach 22 Uhr gestattet. Diese Regelung findet nach dem finalen Spiel jedoch ihr Ende. Trotz allem sollte man sich jedoch um Rücksicht bemühen. „Man muss auch immer im Hinterkopf haben, dass es Personen gibt, die mit Fußball nichts am Hut haben: Arbeitnehmer, die morgens früh raus müssen, alte Leute oder Kinder, die ihren Schlaf benötigen”, so der Mainzer Polizei-Pressesprecher schon zur WM 2014.

Die geduldete Ordnungswidrigkeit: Der Autokorso

Bei einem Sieg wird der Freudenrausch nicht selten in einem Autokorso fortgeführt. Auch hier ist in Sachen Lärm Vorsicht geboten: Durch exzessives Hupen kann sich rasch ein Bußgeld eingehandelt werden. Was durch die Augen des Fans einem Beifall gleichzusetzen ist, kann für diejenigen, die diese Leidenschaft nicht teilen, ohrenbetäubend sein. In Deutschland darf im Straßenverkehr nur dann gehupt werden, wenn dies als Warnsignal bei einem Überholmanöver oder bei einer Gefährdung einer Person dient. Wer sich zu einer solchen spontanen Jubelfahrt hinreißen lässt, muss aber nicht nur auf die Lautstärke achten. Grundsätzlich dürfen hierbei keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert, belästigt oder geschädigt werden. „Schon das unnötige Hin- und Herfahren innerhalb einer geschlossenen Ortschaft kann nach § 30 StVO als Belästigung gelten,” so Rechtsanwalt Mathias Voigt, Vorsitzender des Verbands für bürgernahe Verkehrspolitik e.V..

Die Polizei, die derartige Fahrten durchaus stoppen und mit einem Verwarngeld sanktionieren darf, verzichtet im Regelfall auf eine Unterbindung, solange keine akute Gefahr gegeben ist oder Beschwerden über Lärm eingegangen sind. Zu beachten ist außerdem, dass ein Herauslehnen aus dem Fahrzeug und das Schwenken von Fahnenstangen verboten sind. In solchen Fällen kann nicht nur der Versicherungsschutz erlöschen; die Polizei wird den Autokorso dann ziemlich sicher abbrechen. Nicht zuletzt ist natürlich auch die Alkoholfahrt bei einer Überschreitung der Grenzwerte bei einem Autokorso verboten.

Beleidigende Ausschreitungen: Wenn der Mittelfinger 4.000 € kostet

Treffen Fans zweier gegnerischer Mannschaften aufeinander, muss es nicht erst zu körperlichen Ausschreitungen kommen, bevor der Geldbeutel blutet. Vor und nach dem Spiel wird oftmals ein verbaler Machtkampf, der nicht selten mit Beleidigungen einhergeht, ausgetragen. Doch sollte man sich auch hier keinesfalls von seinen Emotionen übermannen lassen. So kann etwa die Beschimpfung als „Idiot“ ein Bußgeld in Höhe von 1.500 € nach sich ziehen. Wer den Mittelfinger zückt muss wenn er Pech hat sogar 4.000 € blechen.

 


21. Juni 2018

DZW WM-Format — Olli Kann Fußball: Episode 3

In der dritten Episode unseres DZW-WM-Formats "Olli kann Fußball" gibt Experte Olli die geheime Strategie des schwedischen Teams preis und unser Orakel Mila sagt voraus, wer am Samstag das Spiel Deutschland gegen Schweden gewinnen wird. Wir wünschen viel Spaß!

 


20. Juni 2018

WM-Audio-Projekt: Bamberger Student lässt Spielernamen richtig einsprechen

Man kann die Anpfiffe schon in den Ohren hören: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland hat begonnen.

32 Nationen treten in insgesamt 64 Spielen an. Bis zum Finale am 15. Juli 2018 wird die Berichterstattung der Zeitungen, in Radio und Fernsehen von den sportlichen Erfolgen und Niederlagen großer und kleiner Länder geprägt sein. Dabei können Fans, Zuschauer, Kommentatoren oder Moderatoren leicht in ein sprachliches Fettnäpfchen treten, denn die korrekte Aussprache von Spielernamen wie Wojciech Szczęsny oder Kepa Arrizabalaga ist nicht immer leicht.

Maximilian Hubert, Student der Geschichte und Slavistik an der Universität Bamberg, hat deshalb im Rahmen eines Audio-Projekts ausländische Namen von Sportlern, Schiedsrichtern und Trainern eingesprochen. Unterstützt wird er dabei von Lehrenden und Muttersprachlern, die zum Großteil an der Universität Bamberg studieren.

Die Audiodateien sind nebst einer Liste mit der korrekten Schreibweise und weiteren Informationen zu den Spielern zum Nachhören und Nachlesen kostenlos im Webauftritt der Universität Bamberg zu finden: www.uni-bamberg.de/slavling/wm-2018


19. Juni 2018

„Von der Eins bis zur Elf eine desolate Leistung“

Interview: Unsere WM-Analyse des ehemaligen Schiedsrichters Thorsten Kinhöfer

 

Jede Woche analysieren wir mit unserem Experten und BamS-Schiri Thorsten Kinhöfer, dem ehemaligen DFB- und FIFA-Schiedsrichter, das Spielgeschehen bei der WM 2018 in Russland rund um die deutsche Mannschaft. Für die DZW stellt Dr. Helge David die Fragen.

 

 

Thorsten Kinhöfer

 

Die deutsche Mannschaft hat sich im Auftaktspiel gegen Mexiko ziemlich schwergetan. Woran hat es gelegen?

 

Thorsten Kinhöfer: Ich glaube, die Mannschaft hat einfach den Schalter nicht umlegen können. Man hat ja schon in der Vorbereitung gesehen: Das Spiel gegen Österreich war eine mittlere Katastrophe. Das Spiel gegen Saudi-Arabien war eine noch größere Katastrophe. Und gestern war natürlich der absolute Worst Case. So wie sich die deutsche Mannschaft am Sonntag präsentiert hat, darf sich ein Weltmeister und der Titelverteidiger nicht zeigen.

Das gilt für alle Bereiche der Mannschaft. Das fing beim Torhüter an. So ein Ball, wie ihn gestern Manuel Neuer kassiert hat, den kann man auch halten. Das zog sich dann von den Innenverteidigern über die Außenverteidiger ins Mittelfeld bis in den Sturm. Wir haben ja quasi ohne linken Außenverteidiger gespielt, das Spiel hat sich ja komplett auf die rechte Seite verlagert. Auch im Mittelfeld mit Khedira – Totalausfall, Özil – Totalausfall, Müller kam nicht ins Spiel, Werner keine Torchance. Das zog sich von der Eins bis zur Elf durch, dass die Mannschaft desolat gespielt hat. Das Ergebnis war letztendlich für Deutschland noch schmeichelhaft. Wenn Mexiko einen Topstürmer gehabt hätte, dann hätten wir uns nicht beklagen können, wenn wir 2:0 oder 3:0 verloren hätten.

 

Die deutsche Mannschaft ist auch gar nicht gelaufen, oder?

 

Kinhöfer: Wenn man allein gesehen hat, wie viel Konterchancen Mexiko hatte… Klar, wenn ich mit sieben Mann stürme, dann habe ich hinten nur noch drei Spieler in der Verteidigung. Wenn ich so offensiv auftrete und trotzdem kein Tor schieße, dann muss ich mich fragen, was mache ich da falsch.

Wenn ich so ins Turnier starte und weiß, im Achtelfinale kommt vermutlich Brasilien auf mich zu, dann muss ich eine andere Körperpräsenz zeigen. Deutschland ist spielerisch sicherlich eine sehr, sehr gute Mannschaft, aber mit Erfahrung alleine kann ich kein Spiel gewinnen, da muss Leistungswille sein, da muss Druck sein, da muss Leidenschaft sein. Und das hat alles am Sonntag gegen Mexiko gefehlt.

 

Toni Kroos war in einer Situation zu Beginn des Spiels nicht mit einer Schiedsrichterentscheidung einverstanden und ist massiv auf den iranischen Unparteiischen losgegangen, der sich handgreiflich Distanz verschaffen musste und konnte. Wie beurteilen Sie die Schiedsrichterleistung insgesamt?

 

Kinhöfer: Das hat sich im Spielverlauf mehrfach gezeigt, dass bei klaren Foulspielen von den Spielern lamentiert wurde. Der Schiedsrichter hat für mich gestern einen exzellenten Job gemacht. Es war jetzt auch nicht das super schwere Spiel zu leiten, aber er hatte eine sehr gute Körpersprache, eine positive Ausstrahlung – mit einer optimalen Gestik und Mimik. Wenn ich als Superstar gefoult werde und will es nicht wahrhaben, dann wird zu Boden gegangen, es wird diskutiert. Beispielsweise beim Zweikampfverlust von Khedira im Mittelfeld, der dann zum 1:0 für Mexiko führte, liegt der Spieler am Boden und denkt „Der große Khedira, da muss doch gepfiffen werden“ – das sind alles kleine Mosaiksteine, die zusammenkommen, die dazu führen, dass Deutschland am Sonntag so desolat gespielt und verdient verloren hat. Wir sind ja alle Fans der deutschen Nationalmannschaft, jetzt müssen wir hoffen, dass sie den Schalter doch noch umlegen. Nach den Vorstellungen gegen Österreich, Saudi-Arabien und jetzt Mexiko muss man sich aber doch sehr große Sorgen machen, ob nicht nach der Vorrunde oder spätestens dem Achtelfinale Feierabend ist.

 

Es gibt zur WM einige neue Regeln, etwa den Videobeweis. Wie beurteilen Sie die neuen Regeln und wie sie eingesetzt werden?

 

Kinhöfer: Das wird ja in der Bundesliga schon praktiziert. Am Anfang war es so, dass – überspitzt gesagt – jeder Einwurf vom Videoschiedsrichter überprüft wurde. Das hat sich in der Rückrunde gelegt, da wurden nur noch die 100 Prozent klaren Fehlentscheidungen vom Videoschiedsrichter korrigiert. Die Messlatte für das Eingreifen des Videoschiedsrichters bei der WM ist sehr hoch gelegt, was auch ein klarer Vorteil ist. So kann man die Entscheidung des Schiedsrichters akzeptieren, das liegt in seinem Ermessen und entscheiden soll wirklich der Unparteiische auf dem Feld. Nur bei wirklich 110-prozentigen Fehlentscheidungen sollte der Videoschiedsrichter eingreifen und korrigieren. Diese Umsetzung des Videobeweises halte ich für sehr, sehr richtig. Die Schiedsrichterleistungen insgesamt in den ersten Spielen haben mich wirklich überzeugt.

 

 


16. Juni 2018

DZW WM-Format — Olli Kann Fußball: Episode 2

Rechtzeitig zur deutschen Premiere bei der WM befragen wir in unserem DZW-WM-Format "Olli kann Fußball" unser Orakel Mila, wer denn das Spiel wohl gewinnen wird. Das Ergebnis seht ihr in unserem kleinen Video. Viel Spaß beim Schauen und beim Spiel Deutschland gegen Mexiko!

 

 


14. Juni 2018

DZW WM-Format — Olli Kann Fußball: Episode 1

Rechtzeitig vor dem Eröffnungsspiel der WM starten wir unser neues DZW-WM-Format "Olli kann Fußball". Heute Episode 1

 


14. Juni 2018

WM-Umfrage: Deutsche glauben an Titelverteidigung

fotogestoeber - stock.adobe.com

Während 2014 nicht einmal jeder dritte Deutsche an einen Titelgewinn von Jogi Löws Nationalelf glaubte, sind inzwischen 53,1 Prozent davon überzeugt, dass Deutschland den Weltmeistertitel verteidigen wird. „Dass die deutsche Nationalmannschaft den Titel bei der letzten WM gewonnen hat, führt zu einem größeren Zutrauen der Bevölkerung“, so Prof. Dr. Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing & Business Development der Universität Hohenheim.

Der Glaube an die eigene Mannschaft erstreckt sich über alle Alters- und Geschlechtergruppen: „In jeder Altersgruppe erwarten mindestens knapp 50 Prozent der Befragten, dass die Nationalelf ihren Titel verteidigt“, erläutert Co-Studienleiter Benjamin Zimmermann. „Und auch das Geschlecht scheint keinen großen Unterschied zu spielen. Mit nahezu identischer Prozentzahl von jeweils um die 53 Prozent erwarten sowohl Frauen als auch Männer einen WM-Sieg der deutschen Mannschaft.“

Deutschland und Brasilien sind Favoriten für das Finale
Nach den Mannschaften befragt, die am 15. Juli in Moskau im Finale stehen werden, tippen die meisten Befragten auf Deutschland und Brasilien. Auf Platz zwei der meistgenannten Paarungen befindet sich Deutschland versus Spanien, Platz drei ging an Deutschland gegen Frankreich.

Zum Vergleich: 2014 glaubten die meisten Deutschen an ein Finale zwischen Brasilien und Spanien. An zweithäufigsten genannt war die Paarung Deutschland versus Spanien, am dritthäufigsten nannten die Befragten damals die Partie Spanien gegen Deutschland.

Die meisten Befragten tippen auf Brasilien oder Frankreich als Vizemeister. Lediglich von den Altersgruppen mehr als 55 und 18 bis 25 wird Spanien auf Platz 2 gesehen.

Die höchsten Leistungsbewertungen erhalten Thomas Müller und Toni Kroos, dicht gefolgt von Jerome Boateng und Mats Hummels.

Schon vor der offiziellen Verkündung des Kaders bewerteten die Befragten Mario Götze und Sandro Wagner als leistungsschwächste Spieler. „Diese Einschätzung scheint sich mit der des Bundestrainers zu decken“, erklärt Zimmermann, „denn beide Spieler haben es nicht in den WM-Kader geschafft.“

Manuel Neuer und Thomas Müller sind den Zuschauern am sympathischsten. Die wenigsten Sympathiepunkte konnte Sandro Wagner verbuchen. „Nach seinem öffentlichen Streit mit Jogi Löw ist er den Fans anscheinend nicht positiv in Erinnerung geblieben“, interpretiert Voeth die Ergebnisse der Studie.

Interesse an Fußball generell gestiegen

„Die Studienergebnisse zeigen, dass nicht nur das Interesse an der WM, sondern auch am Fußball allgemein gestiegen ist“, erklärt Zimmermann. So geben mehr Befragte als 2014 an, auch die Bundesliga und andere Fußball-Wettkämpfe zu verfolgen. Verglichen mit allen anderen Wettkämpfen sei das Interesse an der WM der Herren aber nach wie vor am größten.

Allerdings konzentriere sich das Interesse der Bevölkerung stärker als noch 2014 nur auf die Spiele der deutschen Nationalmannschaft, so Zimmermann weiter. „Nur gut 41 Prozent der Befragten geben an, die WM-Spiele unabhängig von den spielenden Mannschaften zu verfolgen. 2014 waren es noch 68 Prozent.“

„Etwas mehr als sechs Prozent der Befragten geben an, die WM gar nicht verfolgen zu wollen“, erläutert Zimmermann, „Das sind zwar gut zwei Prozent mehr als 2014, aber immer noch ein verhältnismäßig kleiner Teil der Bevölkerung.“

Hintergrund WM-Studie 2018

Bei der WM-Studie 2018 handelt es sich um eine bevölkerungsrepräsentative Online-Umfrage in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit unter 1.000 Probanden. Durchgeführt wurde sie zwischen dem 1. und 20. Mai 2018 vom Fachgebiet Marketing und Business Development der Universität Hohenheim.

Der Lehrstuhl von Prof. Dr. Markus Voeth begleitet die FIFA-Fußballweltmeisterschaften seit 2001 mit regelmäßigen repräsentativen Bevölkerungsbefragungen. Schwerpunkte der Befragungen sind Themen wie Begeisterung, Pläne und Fanverhalten der Bevölkerung, ergänzt durch wechselnde Sonderschwerpunkte wie beispielsweise politische Themen rund um die sportlichen Großereignisse. Einzel- und Langzeitstudien sollen einerseits Stimmungsindikator, andererseits auch konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation sein.

Die Universität Hohenheim veröffentlicht die Ergebnisse sukzessive bis zum Anpfiff am 14. Juni. Vollständige Studie unter mub.uni-hohenheim.de/wm2018.

Der DFB stellt eine WM-Broschüre zum Download bereit.