Telematikinfrastruktur

Ärzte und Zahnärzte vielfach verunsichert

Eine Fülle von zum Teil widerstreitenden Meldungen zum Thema E-Health und Gesundheitstelematik verunsichert Ärzte und Zahnärzte in der Frage, ob, wann und wie sie nach dem Start des Online-Rollouts am 1. Juli 2017 die Installation für die Telematik-Infrastruktur angehen sollen.

So kommt von Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen in Mitgliederrundschreiben und Statements häufig die Empfehlung, mit dem Bestellen der nötigen Komponenten noch abzuwarten. Auch heißt es immer wieder, die angebotenen/nötigen Geräte seien veraltet oder noch gar nicht verfügbar.

„Für eine überstürzte Kaufentscheidung gibt es weiterhin keinen Grund. Nach wie vor kann kein Hersteller zertifizierte Lesegeräte, Kartenterminals und Konnektoren anbieten“, heißt es zum Beispiel im aktuellen „KZVB Transparent“ der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns. Ähnliche Informationen und Statements gibt es auch bei den Ärzten. Auf der anderen Seite informieren KZVen und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung jetzt breit über die Finanzierungsvereinbarung mit dem GKV-Spitzenverband und die nötigen Komponenten.

„Für eine überstürzte Kaufentscheidung gibt es weiterhin keinen Grund. Nach wie vor kann kein Hersteller zertifizierte Lesegeräte, Kartenterminals und Konnektoren anbieten“, rät die KZVB bayerischen Zahnärzten.

„Für eine überstürzte Kaufentscheidung gibt es weiterhin keinen Grund. Nach wie vor kann kein Hersteller zertifizierte Lesegeräte, Kartenterminals und Konnektoren anbieten“, rät die KZVB bayerischen Zahnärzten.

Projektkosten: 1,2 Milliarden Euro – bis jetzt

Zudem wurde in den Medien spekuliert, dass das inzwischen mehr als 1,2 Milliarden Euro teure Projekt elektronische Gesundheitskarte (eGK) gefloppt sei und nach der Bundestagswahl komplett eingestellt werden könnte. Befördert wurde diese Spekulation auch von einigen Krankenkassen, die bei der elektronischen Patientenakte eigene Konzepte betreiben, so die Techniker Krankenkasse (die DZW berichtete).

Dazu hat sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zwischenzeitlich gemeldet. Er will die Digitalisierung weiter „kraftvoll“ angehen, ein Ende der eGK gebe es nicht. Ziel sei ein „intraoperables System mit einer klaren BSI-Zertifizierung“, erklärte er im Gespräch mit Ärzten. Auch solle niemand für Verzögerungen zahlen müssen, die er nicht verantwortet habe, so Gröhe zu den im E-Health-Gesetz enthaltenen Strafen für die Selbstverwaltung in der Gematik. Bei der elektronischen Patientenakte befürwortete er jedoch auf seiner Sommerreise vergangene Woche eine Anbietervielfalt.

Was die kritisierte Technik für den Online-Produktivbetrieb beziehungsweise Wirkbetrieb der Telematikinfrastruktur – kurz OPB – angeht, bezieht auch die Industrie Stellung. Aktuell ist die Koblenzer CompuGroup Medical (CGM) mit ihren Produkten für die Telematik-Infrastruktur am weitesten und macht Ärzten und Zahnärzten bereits entsprechende Angebote.

Sicherheitsstandards stellen alles in den Schatten

Teilweise sei von veralteter Technik die Rede, so die CGM. „Doch Fakt ist, dass die bisher getesteten Hardware-Komponenten und deren Programmierung auf dem neusten technischen Stand sind. Um zukünftige Anwendungen performant bedienen zu können, wurden in den Jahren der Entwicklungs- und Testphasen die technischen Voraussetzungen permanent auf dem aktuellsten Stand gehalten. Dies war ein Grund für die immer wieder aufgetretenen Verzögerungen in diesem europaweit größten IT-Projekt, dessen Sicherheitsstandards alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen“, so das Unternehmen.

Beim geforderten „Stand-alone-Szenario“ (Paragraf 291 a, Abs. 2b SGB V) gebe es eine positive Nachricht für die Praxen. Sowohl die physikalische als auch die logische Trennung können zur Verfügung gestellt werden, so die CGM weiter. Hierzu habe es besonders viele Fragen gegeben.

Das „Stand-alone-Szenario“

Beim Stand-alone-Szenario mit physischer Trennung erfolge die Online-Prüfung der Versichertenstammdaten (VSDM) an einem separaten Kartenterminal und Konnektor mit Netzzugang, die nicht mit dem Zahnarztinformationssystem verbunden sind. Für dieses Szenario würden jedoch ein zweites Kartenterminal und ein zweiter Konnektor benötigt, um die Daten der eGK auch mit der Zahnarztsoftware einzulesen.

Beim Stand-alone-Szenario mit logischer Trennung seien Zahnarztinformationssystem und Online-Welt durch den Konnektor voneinander separiert. Die Trennung werde innerhalb des Konnektors geschaltet beziehungsweise durch eine entsprechende Konfiguration des Praxisnetzwerks erreicht. Es reiche also ein Konnektor mit dem passenden Kartenterminal völlig aus, so die Erläuterung der CGM.