Implantologie

Markt & Strategie 2.0

Auf der „Überholspur" mit Sofortimplantation als Zusatz

Implantation – sofort, ästhetisch, langlebig: Auf diese Versorgungswünsche kommt man eindeutig, wenn es um die Patientenerwartungen in Bezug auf Implantate geht. Das verdeutlichten die Referenten des exklusiven Forums „Markt & Strategie 2.0“, zu dem die Straumann Group im vergangenen Herbst 200 Gäste nach Baden-Baden einlud. Mit ihren Ausführungen zum Potenzial der Sofortversorgung mit dem BLX-Implantat sowohl aus klinischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive und ehrlichen Tipps aus der Praxis hierzu begeisterten Univ. Prof. DDr. Gabor Tepper, Österreich, Dr. Eirik Aasland Salvesen DDS, Norwegen, und Dr. Puria Parvini, Deutschland.

„Sie können nicht immer sofortimplantieren, doch ist die Sofortimplantation eine sehr gute Ergänzung der Therapieformen, die wir heute zur Verfügung haben“, hob Parodontologe und Implantologe Dr. Puria Parvini (Leitender Oberarzt Poliklinik für Oralchirurgie und Implantologie, ZZMK Carolinum, Frankfurt am Main, Direktor: Prof. Dr. Frank Schwarz) hervor. Patienten, die zu Beginn seiner Weiterbildungszeit 2006 für die Sofortimplantation ausgesucht wurden, waren „sportlich, dynamisch, jung, kerngesund, mit sehr guter Mundhygiene“, so Parvini. „Heute wünschen sich viele unserer Patienten perfekte und ästhetische Zähne – und sie wünschen sich die Versorgung heute.“ Es sei bekannt, dass „wir Strukturen verlieren, wenn wir drei Monate warten“. Es komme zu Resorptionsvorgängen im Oberkiefer, zu einer 50-prozentigen Volumenabnahme in bukkolingualer Richtung. Mit einer genauen Risikoabwägung können mithilfe der Sofortimplantation und Sofortversorgungen vorhersagbare, langzeitstabile und ästhetische Ergebnisse erzielt werden. „Grob gesprochen, benötigen wir Knochen, Weichgewebe, ein gutes und geeignetes Implantatsystem, einen erfahrenen Zahnarzt und ein sehr gut geschultes Team“, fasst Parvini zusammen.

Fallselektion für Sofortversorgungen weiter ausgedehnt

Welche Herausforderungen gibt es bei der Patientenselektion? Das sei auch abhängig vom Erfahrungsstand des Operateurs. Tiefe Kontaktpunkte, quadratische Zähne, kleine Papillen, ein dicker gingivaler Phänotyp seien guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sofortimplantation in der ästhetischen Zone. „Die DVT-Diagnostik sollte obligat sein!“, merkt Parvini an. Das sei die Grundlage für eine ästhetische Risikobewertung und Einschätzung, „wie weit palatinal kann ich das Implantat setzen. Wir dürfen die Implantate nicht zu weit nach vestibulär setzen, sonst verschwindet die vestibuläre Lamelle.“ Darüber hinaus „suchen wir uns heute schlanke Implantate aus.“ Im Wandel der Zeit haben wir „bessere Makro- und Mikromaterialien. Und wir haben die Literatur, die zeigt, dass diese Implantate dieselben Überlebensraten haben“.

Wissen und Techniken hätten sich weiterentwickelt, und so „arbeiten wir heute nur noch mikrochirurgisch nach minimal traumatischer Zahnextraktion und füllen Alveolen mit KEM auf. Für Sofortimplantation gilt die ‚flapless surgery‘“. Gemäß Straumann-Bohrprotokoll werde die Bohrung durchgeführt, gegebenenfalls navigiert, das Implantat werde palatinal gesetzt. „Wir erreichen eine sehr gute Primärstabilität. Wenn nötig, kann das Zahnfleisch aufgebaut werden. Dann wird gescannt und die Daten prä- und postoperativ mittels Exocad-Software gematcht.“ Innerhalb von drei Stunden können das definitive Abutment, das definitive Gerüst, die provisorische Krone aus PMMA und ein Zementierungsstumpf angefertigt werden. Das definitive Abutment werde mit 35 Ncm festgezogen. Für die Anfertigung der definitiven (Zirkoniumdioxid-)Krone habe dann der Überweiser drei Monate Zeit.  Das nimmt wenig Zeit in Anspruch: „Er nimmt das Provisorium heraus, probiert die Krone an, checkt die Kontakte und setzt die Krone ein.“ Sein Fazit: „Der konventionelle Weg ist kein falscher Weg – aber mit der Sofortimplantation als Zusatz sind Sie ‚auf der Überholspur‘.“

„50 bis 60 Prozent der Alveolen können sofortimplantiert werden“

Als Univ.Prof. DDr. Gabor Tepper, einer der führenden Implantologie-Experten Österreichs und ein international überaus gefragter Referent und Trainer innerhalb der Implantologie, seinen Vortrag beginnt, wird schnell deutlich, dass die Sofortimplantation und Sofortversorgung in den Praxen längst angekommen ist: „Ich arbeite nach diesem Konzept seit fast 20 Jahren – Straumann war sehr zurückhaltend, extrem evidence based, doch in anderen implantologischen Welten war das Konzept der Sofortimplantation längst Realität.“ Seiner Erfahrung nach können „50 bis 60 Prozent der Alveolen sofortimplantiert werden.“ Kritisch merkt er an, dass sich Patienten schnell an eine Lücke gewöhnen könnten, denn „der Mensch ist ein Gewohnheitstier“. Das bestätigt zum Beispiel eine schwedische Studie schon aus dem Jahr 1991 und eigene Patientenbefragungen. „Patienten wollen die Versorgung im Moment des Zahnverlustes! Dann ist die Bereitschaft am größten, sich ein Implantat setzen zu lassen.“ Die Konsequenz nach Tepper: „Push the limits, mach die Sofortimplantation möglich.“

Der in eigener Gemeinschaftspraxis in Wien niedergelassene Mediziner und Zahnmediziner, der pro Jahr eine vierstellige Zahl von Implantaten setzt, davon eine beträchtliche Anzahl Sofortimplantate, sieht für die Implantologie auch zwei weitere herausragende Themen, „Digitaler Workflow“ und „Biomaterialien“, doch in einer logischen Folge in der „Sofortimplantation den wichtigsten Faktor für das Wachstum einer Praxis“ und betont: „Das ist der Markt! Wir müssen mit den Patientenwünschen gehen, wir müssen uns entwickeln.“ Ein zufriedener Patient könne vier neue Patienten bringen, ein unzufriedener Patient „vertreibt potenziell zehn andere“, so Tepper. Sein grundsätzlicher Tipp: „Ich verkaufe kein Implantat, ich löse ein Problem. Deshalb sage ich nicht ‚Sie bekommen ein Implantat, sondern: ‚Sie bekommen einen neuen Zahn‘.“ Immer wieder bereichert er seine Ausführungen mit zahlreichen Tipps aus der Praxis, so auch: „Kaufen Sie sich eine Kamera, dokumentieren Sie die Ausgangssituation nicht erhaltungswürdiger Zähne! Schützen Sie sich!“

Begeistert und begeisternd zeigt Tepper sowohl anlässlich des Forums „Markt & Strategie“ als auch später am Tag als Referent der „Esthetic Days“ einige Fälle, die er nach dem Konzept der Sofortimplantation regelmäßig versorgt: „Frakturierte Schneidezähne oder Prämolaren sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer, oft wurzelbehandelt und resiziert. Da kommt die Wurzel raus, und es wird in der richtigen Position das Implantat palatinal versetzt, durchmesserreduziert und sauber eingesetzt. Dann geht er nach Hause mit einer Versorgung in Form seiner Kronen und kommt dann wenige Wochen später zur endgültigen Versorgung.“ In einer gedeckten Einheilung sehe er nur Nachteile: Diese seien die Freilegung an sich mit einhergehendem Schmerz, die Zusatzkosten, die Behandlungszeit und vor allem die Unsicherheit („Sie brüten möglicherweise ein Ei aus, aus dem nichts schlüpft“). Sein Vorgehen: „Wo ich es dem Patienten die Freilegung ersparen kann, tu ich’s.“

„Das Implantat ist der letzte Bohrer“

Um nach diesem Konzept zu behandeln, brauche es eine „Spezialwaffe, um es aggressiv auszudrücken“. Für den Implantolgen ist dies „momentan eindeutig das Straumann BLX-Implantat, es ist das innovativste Tool. Das ist für mich das Maß der Dinge in der Sofortimplantation!“ Die Kombination der Implantatform, die Originalität und Authentizität des Entwicklers („swiss engineering“) mit dieser Oberfläche (SLActive) und dem Material Roxolid – diese Kombination ermöglicht überhaupt derartige Primärstabilitäten. Ein einprägsames Video von der Insertion eines BLX-Implantates im Frontzahnbereich des Oberkiefers veranschaulicht Teppers Vorgehen und das, was der Fachmann „für das wichtigste Feature“ hält: „Sie können die Achse des Implantats während des gesamten Eindrehvorganges komplett feinjustieren.“ Dieser Bogen, den das Implantat beim Inserieren beschreibt, das „will ich nicht mehr missen, weil es mir eine Präzisionsjustierung ermöglicht.“ Es wird auch deutlich, dass es deutlich an Erfahrung als Implantologe bedarf, um das Implantat mit solch einer Leichtigkeit in der Achsausrichtung zu justieren und zu inserieren.

Tepper zeigt auch die Versorgung des zahnlosen Kiefers mit BLX-Implantaten („Festsitzend, verschraubt, nichts geklebt, fertiggestellt), bei einem Beispiel einer fast 80-jährigen Patientin, Raucherin, multiple Medikation, unter anderem Bisphosphonate: „Acht Implantate im Oberkiefer, sechs im Unterkiefer, bei gutem Knochen gehen auch weniger. Es sind alle eingeheilt und alles ist schön.“ Mit einem Beispiel aus der eigenen Praxis, bei dem Mediziner und Zahnmediziner ein implantatprothetisches Teil fehlte, verdeutlicht er, dass „man für das erfolgreiche Vorgehen nicht nur das überzeugende Produkt“ benötigt. „Der Support des Unternehmens muss da sein, es muss jemand erreichbar sein.“ Die schnelle Erreichbarkeit und die „Top-down-Mentalität“ von Straumann sei schlicht überzeugend, „der Support funktioniert. Das können Sie nicht mit einem kleinen Hersteller machen, der vielleicht keine Niederlassung in der Nähe hat und vielleicht in fünf Jahren nicht mehr am Markt ist“. Außerdem gehöre dazu, die wissenschaftlichen Daten bereitstellen zu können und ein Fortbildungsprogramm für Zahnärzte und das Team anzubieten.

„BLX ist die Universalrampensau“, legt sich Tepper fest. Es könne in Verbindung mit dem  BLT-Implantat 2,9 mm („Von den schlanken Implantaten für mich das beste der Welt“) das alleinige Implantatsystem einer Praxis sein. Sein Fazit: Mit BLX ist Straumann eingestiegen ins Topsegment der Sofortimplantation, einem wichtigen Marketingtool. „Sie können nicht immer sofort implantieren, aber wann immer Sie können, ist das eine wahnsinnige Bereicherung.“ Das richtige perioperative Management gehöre natürlich dazu.

„Sofortimplantation macht Patienten glücklicher!“

Und auch der letzte Gastredner anlässlich des Forums „Markt & Strategie“, der erfahrene Implantologe, Dr. Eirik Aasland Salvesen, DDS, aus Norwegen, Chef der Oris-Kliniken, bringt es auf den Punkt: „Sofortimplantation macht Patienten glücklicher!“ In diesem Zusammenhang zeigte er sich überzeugt vom BLX-Implantatsystem („There is a new boy in town, called BLX“), denn das System sei „einfach, vielfältig und flexibel“ – und sei als Implantatsystem zur Sofortimplantation im Portfolio von Straumann längst überfällig („Welcome to the new Millenium, I said to Straumann“). Die Einfachheit sei bestechend, und man könne BLX in allen Indikationen einsetzen, auch in komplexen Situationen. „BLX führt die Sofortimplantation auf ein neues Niveau.“ Wie seine Vorredner plädiert auch Salvesen mit dem Spirit eines erfolgreichen Unternehmers dafür, im Gespräch mit den Patienten den Fokus weniger auf das Produkt als vielmehr auf die Lösung für den Patienten – hier spricht Salvesen auch vom Kunden – zu setzen.

Die vier Hauptfragen, die sie beschäftigen, seien vor allem: „Wie wird das Problem gelöst?“, „Welche Kosten kommen auf mich zu?“, „Wann wird es gemacht?“ und „Wie lange dauert es?“ Der langjährige ITI-Fellow betont wie auch seine Vorredner, dass es bei der Implantation auf vorhersagbare, langzeitstabile und Ergebnisse mit hoher Überlebensrate ankäme – und die Sofortimplantation diese Ziele erreiche. Sofortimplantationen steigerten die Effizienz, da die Wundheilung und die Behandlungszeit verkürzt würden und der Patient weniger Schmerzen ertragen müsse. „Die Sofortimplantation geht nicht immer, aber auf jeden Fall sollte man sie ernsthaft in Betracht ziehen, bevor man einen Einzelzahn zieht!“, fordert Salvesen.

Mit der Erfahrung des Unternehmens und den hervorragenden Innovationen in Material und Oberflächendesign gebe das BLX-System Anwendern durch die hohe Primärstabilität in jeder Indikation Zuverlässigkeit und Sicherheit. „Es ist das brillante Gesamtpaket, vom Design des Implantats über die chirurgischen Instrumente und prothetischen Elemente, das das Verfahren der Sofortimplantation weiter verbessert.“ Salvesen hebt die besondere Innenverbindung hervor, die für alle Durchmesser gleich ist und damit hoher Flexibilität und Stabilität gewährleistet. „Mit BLX wurde eine ‚Lösung‘ mit vollständig digitalen Workflows gelauncht.“ Straumann sei es gelungen, legt sich der Norweger fest, mit dem BLX-System die Implantologie zu verbessern. Er betont, wie wichtig in dem Zusammenhang Kurse seien, um neue Konzepte zu erlernen und sich weiterzuentwickeln. Durch Rückschläge solle man sich nicht entmutigen lassen, Neues in die Praxis zu integrieren.

Alle Kliniker ermunterten die Kolleginnen und Kollegen, auf das Konzept der Sofortimplantation zu setzen und ließen niemanden im Unklaren darüber, dass das BLX-Implantat vor dem Hintergrund der richtigen Fallauswahl und der Erfahrung als Chirurg dafür sehr gut geeignet ist.

Dr. med. dent. Aneta Pecanov-Schröder, Bonn

 

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