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Ausbildung neuer ZFA

Zwischen Realität und Wunschvorstellung

Füße stehen vor Richtungspfeilen
geralt / pixabay.com

Es steht wieder die Zeit an, in der junge Menschen sich dazu entschließen, den Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten zu ergreifen. Drei Jahre Ausbildung liegen vor ihnen, die die Weichen für das spätere Berufsleben stellen.

Doch in welche Richtung die Weichen gestellt werden, ist von mehreren Faktoren abhängig. Werden die Weichen der jungen Menschen so gestellt, dass sie diesen Beruf lieben lernen und danach auf ein fundiertes Grundlagenwissen zugreifen können, oder stellen sich die Weichen in die Richtung, dass sich ihnen dieser Beruf eher als eine Belastung darstellt und sie die Initiative ergreifen, sich lieber nach anderen Berufungen umzusehen. Verständnis für diesen tollen, vielseitigen Beruf ist hier dann leider Fehlanzeige.

Andrea Brandner-Stein

Andrea Brandner-Stein ist Zahnmedizinische Fachassistentin und Praxismanagerin und arbeitet als Angestellte eines Berufskollegs im Bereich zahnärztliche Leistungsabrechnung. Darüber hinaus ist sie Prüfungsausschussmitglied und Referentin für Institute und die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe.

Der Weg aus der Praxis raus

Die Situation der Auszubildenden in den Zahnarztpraxen, wie sie sich mir als Fachlehrerin in der Berufsschule schon häufig dargestellt hat, spricht Bände. Unter solchen Voraussetzungen wäre ein Berufswechsel nicht verwunderlich:

  • Auszubildende sollen am besten nach einer kurzen Einarbeitungsphase eine vollwertige Arbeitskraft sein. – Da möchte ich zu bedenken geben, warum ihr Gehalt von den ausgelernten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so abweicht?!
  • Perfektionismus wird gefordert und erwartet, alles soll auf Anhieb gelingen, Fehler sind nicht gern gesehen.
  • Oft werden nur die Fehler gesehen und bemängelt, ein Lob wird nur selten ausgesprochen. Ganz nach dem Motto: „Dass alles gut läuft erwarte ich; wenn es schiefläuft, verteile ich Druck.“
  • Eigene Fehler werden so gut wie nie angesprochen und meines Erachtens auch teilweise vergessen oder verdrängt.
  • Sich Zeit für die Auszubildenden zu nehmen, ist im oftmals hektischen Praxisalltag kaum durchführbar. Die Möglichkeit, bei den gestellten Hausaufgaben Hilfestellungen zu geben oder diese zu überprüfen, besteht nur selten.
  • Es wird nur allzu leicht übersehen, dass es nur noch wenig Nachwuchs für den Beruf der ZFA gibt. Mir fällt immer wieder auf, dass die wirklich engagierten Schülerinnen und Schüler nach der Ausbildung neue Wege einschlagen und mir sagen, dass sie diesen Beruf auf keinen Fall weiterführen möchten. Aus Mangel an Bewerbungen habe ich sogar schon mitbekommen, dass versucht wird völlig berufsfremde Mitarbeiterinnen (beispielsweise Bäckereifachangestellte) zu gewinnen. Diese sollen dann nach einer kurzen Einarbeitungsphase gleichwertige Arbeit leisten. – Welcher Schlag ins Gesicht für eine Angestellte, die sich in einer dreijährigen Ausbildung befindet?
  • Der Ausspruch „Das haben wir schon immer so gemacht“ verhindert eine Weiterentwicklung und Neuorientierung. Stillstand bedeutet Rückschritt. Neue Praxismitarbeiterinnen sehen diese Welt mit anderen Augen und sind noch offen für Neuerungen und Veränderungen, die den Praxisalltag auch erleichtern können.

 

Der Weg in eine berufliche Zukunft

Auch wenn ich gerne den Ansatz „Wir sind hier nicht bei ‚Wünsch-Dir-Was‘, sondern ‚So isses‘“ vertrete, würde ich mir für derartige Situationen Folgendes wünschen:

  • Es sollte nie vergessen werden, dass Auszubildende Anfänger sind. Anfänger die, die vielen unterschiedlichen Aspekte und Zusammenhänge nicht sofort und rasend schnell verstehen können.
  • Jeder sollte im Hinterkopf behalten, dass niemand perfekt ist.
  • Wir müssen beachten, dass auch wir einmal klein angefangen haben. Es wäre schön, wenn wir den Auszubildenden gegenüber die von uns gemachten Fehler zugeben würden und sie dadurch die Chance bekommen, diese im besten Falle zu vermeiden.
  • Wir müssten für unsere Auszubildenden einen Raum schaffen, in dem wir ein offenes Ohr für sie haben und sie sich somit bestmöglich weiterentwickeln können.
  • Das Verhältnis Lob – Kritik sollte im Verhältnis 4 zu 1 stehen, das bedeutet, viel mehr zu loben und weniger zu kritisieren.
  • Wir sähen den Beruf als das , was er ist, nämlich als sehr vielschichtig und fordernd.
  • Wir würden erkennen, dass durch die Ausbildung eines jungen Menschen frischer Wind in die eigene Praxis gebracht werden kann. Wir brauchen nur den Mut aufzubringen, uns von einigen eingefahrenen Verhaltensmustern zu lösen und uns darauf einzulassen.

Natürlich habe ich hier bewusst einmal Schwarz und Weiß gegenübergestellt. Selbstverständlich ist der Praxisalltag, genau wie das tägliche Leben, nicht nur trist und in Grautönen – sondern durchaus bunt. Jeder hat die Chance, auch das Praxisleben in möglichst vielen unterschiedlichen Farben zu gestalten.

In der jüngsten Vergangenheit habe ich auch erfahren, dass Zeit vorhanden war, um eine bessere Teamzusammengehörigkeit zu formen. Gespräche konnten in Ruhe geführt werden, Kolleginnen kamen sich näher und erfuhren mehr übereinander. Angespannte Situationen konnten aus der Welt geschafft werden.

Es wäre wirklich schön, wenn hier die Grundlage für ein besseres, vertrautes Miteinander geschaffen würde, bei all den Einschränkungen der letzten doch sehr außergewöhnlichen Zeit.

 

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