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Wie viele Praxen braucht ein Azubi?

Alexay_Fotos / Pixabay.com

Nicht immer können Auszubildende in ihrer Ausbildungspraxis bleiben, manchmal kommt es zu Problemen, sodass die Azubis die Praxis wechseln. Karina ist 24 Jahre alt, gerade in ihrem zweiten Ausbildungsjahr und hat bereits in drei Praxen in Hamburg gearbeitet. Warum sie die Praxis wechseln musste und wie sie sich dabei gefühlt hat, hat sie uns erzählt.

„Als ich angefangen habe, mir Gedanken über meine berufliche Zukunft zu machen, wusste ich nicht, dass mein Weg mich in eine Zahnarztpraxis bringen würde. Ich wusste nur, ich möchte eine Ausbildung im medizinischen Bereich machen. Nach einigen Recherchen habe ich mich für den Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten entschieden und mich beworben. Ich hatte Glück, denn ich hatte keine Schwierigkeiten, eine Praxis zu finden. Auf Anhieb hat mir eine gefallen, sie war super modern, man nahm sich Zeit für mich, die Ärztin wirkte sehr kompetent, und ich wurde herzlich in das kleine Team aufgenommen. Als die Ausbildung begann, war alles natürlich neu und sehr aufregend, und was alles in der Ausbildungszeit auf mich zukommen würde, diese Vielfalt des Berufs, habe ich am Anfang nicht erwartet.

Doch mit der Zeit habe ich mich ,,eingelebt’’ und hatte auch eigene Aufgaben bekommen. Da die Praxis auf einem sehr hohen Standard gearbeitet hat, hatte ich mir natürlich viel Stress gemacht, um dem gerecht zu werden, es wurde von mir auch entsprechende Leistung erwartet. Mir wurde alles erklärt, jedes Praxismitglied war für einen bestimmten Bereich zuständig. Die mir zugedachten Aufgaben waren für den Anfang super, aber mit der Zeit, als ich mich mit meinen Mitschülern in der Berufsschule austauschte, merkte ich, dass ich noch nicht so weit war, wie die anderen in meiner Klasse. Manche konnten schon bei allem assistieren und hatten bereits ganz andere Aufgaben bearbeiten dürfen als ich.

Nach einigen Monaten fiel es mir dadurch schwer, in der Berufsschule mitzuhalten, einfache Dinge wie die Kariestherapie konnte ich nicht richtig verstehen, denn ich kannte sie nicht aus der Praxis. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon Instrumente als zweite Assistenz angereicht, aber so richtig einprägen konnte ich es mir nicht. Ich durfte nicht häufig genug in die Assistenz, was mich persönlich sehr belastet hat, weil ich mich bessern wollte, aber mich nach einiger Zeit allein und wenig unterstützt gefühlt habe. Allgemein lief es in der Praxis mal gut und mal schlecht, häufig hatte ich das Gefühl, es war abhängig von der Laune meiner Chefin. Die Berufsschule lief besser für mich, ich hatte gute Noten, habe alles immer gut verstanden und habe fleißig gelernt.

Ich hab mich für alles interessieren können, und je mehr ich gelernt und ­verstanden habe, umso mehr habe ich angefangen, diesen Job zu lieben.

Doch dann musste ich privat einige Rückschläge einstecken, und konnte für eine Zeit nicht in die Praxis gehen. Das Verständnis für mein Fehlen blieb leider aus und wurde mit Schweigen bestraft. Es fehlte die Möglichkeit, mit der Praxis über alles zu sprechen und zum Guten zu wenden, sodass sich unsere Wege nach dem ersten Ausbildungsjahr trennten.

Ich war erst unsicher, ob ich weitermachen sollte, da ich dachte, es wäre überall so. Aber weil ich diesen Beruf schon so sehr lieben gelernt hatte, habe ich mich wieder beworben. Mit den ersten Praxen hat es nicht so richtig gepasst, dann war aber eine Stelle dabei, bei der die Zahnärztin mich zum Probearbeiten eingeladen hat, obwohl sie zu der Zeit einen Azubi hatte, den sie kündigen wollte und dafür sollte ich einspringen. Das fand ich erst komisch, habe mir die Praxis aber trotzdem angeschaut und mich beim ersten Probearbeiten gut geschlagen. Ich durfte sogar direkt in die Assistenz, was mich richtig motiviert hatte. Da habe ich gemerkt, dass ich scheinbar doch nicht so eine schlechte Azubine bin, für die man mich in der ersten Praxis gehalten hatte. Ich habe direkt an diesem Tag auch eine Zusage für die Stelle bekommen, besser hätte es also nicht laufen können. Die Ärztin war super, die Arbeitszeiten haben gepasst, ich hatte endlich eine neue Praxis. Doch nach drei Tagen kam wieder die Enttäuschung. Die Auszubildende, dessen Stelle ich bekommen sollte, durfte bleiben, und ich musste wieder gehen. Mein Weltuntergang, wie konnte mir das passieren, wo ich doch so motiviert war?

Das Bewerbungsspiel ging von Neuem los, und diesmal ließe ich gefühlt keine Praxis aus und bewarb mich überall. Dann war das Glück auf meiner Seite, und ein freundlicher Zahnarzt hat sich sofort auf meine Bewerbung gemeldet und mich eingeladen. Das Gespräch war kurz und knackig, es schien zu passen, und wir vereinbarten einen Tag zum Probearbeiten. Ich war verunsichert wegen allem, was bisher gelaufen war, aber nahm die Stelle an. An meinem ersten Tag haben die Mädels mich sofort gut in das Team aufgenommen. Mir wurde alles sehr gut erklärt, und dann musste ich direkt loslegen und zeigen, was ich kann. Da ich noch nicht so viele Erfahrungen beim Assistieren hatte, machte mir das am meisten Sorgen, doch das war schnell verflogen. Mir wurde Verständnis für Fehler gezeigt, das hat mich bestärkt und motiviert, es beim nächsten Mal besser zu machen. Als Azubi ist man oft unsicher und möchte von Anfang an alles richtig machen, was natürlich nicht immer geht. Ich möchte das zwar nicht verallgemeinern, aber sich das bewusst zu machen, kann helfen, anders mit seinen Azubis umzugehen.

Aber häufig sind es gerade die Fehler, die uns helfen zu lernen.

Bis heute bin ich in dieser Praxis, und es läuft gut. Ich habe sehr nette Kolleginnen und einen sehr kompetenten und freundlichen Chef. Ich hoffe, ich bin in meinem Job eines Tages mindestens genauso gut wie sie. Sie geben sich viel Mühe mit mir, ich habe noch nie richtig Ärger bekommen. Wenn mal etwas nicht gut lief, hat man respektvoll mit mir gesprochen und alles in Ruhe erklärt. Ich finde es wichtig, dass Vorgesetzte ihre Rolle nicht ausnutzen und uns Auszubildende mit Respekt behandeln. Natürlich wissen wir, dass wir auch die Drecksarbeit machen müssen, aber das muss uns deswegen keiner unter die Nase reiben. Wir fühlen uns häufig auch so schon „klein“ und „ahnungslos“ – wenn das vom Team durch schlechtes Verhalten bestärkt wird, wie soll dann am Ende der Ausbildung eine gute und selbstbewusste ZFA aus uns werden? Wir brauchen Unterstützung, wenn wir dabei sind, etwas Neues zu erlernen, und auch wenn wir es niemals so sagen könnten, haben wir Respekt vor den Erfahrungen unseres Teams und der Ausbilder und Angst davor, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Ich würde mir wünschen, dass man sich für Azubis mehr Zeit nimmt, aber gleichzeitig auch etwas mehr Freiheiten gibt, damit wir Raum haben, um uns zu entfalten, damit wir merken, wo unsere Stärken und Schwächen sind, und weiter daran arbeiten können. Es ist enorm wichtig, die Lernfelder der Schule und der Praxis aufeinander abzustimmen So kann man sich die Inhalte besser einprägen und hängt nicht irgendwann hinterher. Trotz meiner anfangs schlechten Erfahrungen, bin ich froh, in diesen Beruf eingestiegen zu sein. Ich freue mich, wenn ich die Ausbildung absolviert habe und in Zukunft selbst an der Ausbildung der neuen Kolleginnen mitwirken kann, und darauf, die Perspektive zu wechseln.“

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