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"The Winner takes it all!"

contimedu.de: der Zusammenhang zwischen Weiterbildung und Spezialisierung im Fokus

contimedu.de: der Zusammenhang zwischen Weiterbildung und Spezialisierung im Fokus

Im zweiten Teil der Blog-Reihe von contimedu.de stellt Autor Frank Jochum die Frage, ob die Spezialisierung im Bereich der Zahnmedizin den gleichen Regeln folgt wie in anderen Wirtschaftszweigen. Inspirieren lässt er sich dabei erneut durch eine NZZ-Kolumne („Neue Züricher Zeitung“) von Rolf Dobelli.

Vor 50.000 Jahren gab es keine Spezialisierung außer der anatomisch bedingten Trennung der Aufgaben von Frau und Mann. Die Äxte zur Verteidigung vor dem Säbelzahntiger und zum Tranchieren der Mammutkeule baute Mann selbst. Es gab keinen Axtdesigner, keinen Axt-Produktmanager und keinen Axt-Marketingleiter.

Vor etwa 10.000 Jahren begann die Spezialisierung

KönigIn, Soldat, Bauer, Köchin, Musiker – die Berufe waren entstanden. Der Spezialist hatte gegenüber dem Generalisten nach und nach zahlreiche Vorteile. Wachsende Spezialisierung führte zu immer kleineren Nischen, so dass innerhalb weniger Generationen neue Berufsbilder entstanden. Von meinem Ur-Ur-Großvater habe ich eine Extraktionszange geerbt, die er als Schmied in Nebentätigkeit verwendet hat.

Da 10.000 Jahre nur einen Wimpernschlag der Evolution darstellen, haben wir uns nicht wirklich mit der Spezialisierung abgefunden. Davon leben unter anderem die Baumärkte, die uns – yabadadayippiyippiyeeh – suggerieren, dass wir als Amateure jegliches Handwerk beherrschen könnten, quasi als axtschnitzende Generalisten.

Addiert man zu diesen Entwicklungen noch die Globalisierung, dann ergibt sich folgendes Beispiel: Während früher jede größere Stadt mindestens einen Tenor beschäftigte, der ein gutes Auskommen auf der örtlichen Bühne hatte, reichten durch Schallplatte und CD noch vor kurzem Pavarotti, Domingo und Carreras für die ganze Welt. Die Unterschiede in den Einkommen der Künstler wuchsen.

Durch das Internet haben diese Effekte noch erheblich weiter zugenommen: Die Nischen werden immer kleiner und die Ausbreitung guter Ideen immer globaler. Eine Ferienhausvermietung hatte bis vor wenigen Jahren 50 Objekte in der direkten Umgebung – Airbnb bot 2017 4,5 Millionen Unterkünfte an 81.000 Orten an.

The Winner takes it all!

Gelten diese Mechanismen 1 zu 1 für die Zahnmedizin? Müssen wir unsere Nische immer weiter verkleinern, um erfolgreich zu sein? Die Antwort ist ein entschiedenes JEIN!

PRO:

  • Die Zahnmedizin ist bereits ein Spezialgebiet, so dass Zahnärzte ohnehin als Fachärzte wahrgenommen werden.
  • Es gibt durch intensive Weiterbildung Tätigkeitsschwerpunkte, die genau diesem Muster der Spezialisierung innerhalb des Fachbereiches entsprechen: Erfolgreiche Endodontologen arbeiten heute mit Mikroskop und maschineller Aufbereitung. Einige Implantologen verwenden ausschließlich Keramikimplantate – die Nischen spitzen sich zu.
  • Das Angebot an Masterstudiengängen und Curricula nimmt kontinuierlich zu.
  • Größere Praxen und Kliniken stellen für möglichst viele Fachgebiete Spezialisten ein, die auch im Alltag nur ihren Fachbereich der Zahnmedizin bearbeiten.

CONTRA:

  • Viele Fortbildungen bedeuten aber auch, über das eigene Fach hinaus interdisziplinär zu denken: Wer sich zum Spezialisten für CMD weiterbilden lässt, wird erfahren, dass neben der Zahnmedizin zweckgebundene Kenntnisse in Orthopädie, Physiotherapie und Psychologie notwendig sind und dass innerhalb der Zahnmedizin nahezu alle Fachbereiche, vor allem die Kieferorthopädie und Prothetik in die Funktionstherapie hineinspielen. Hier wird der Spezialist durch das Anforderungsprofil zum Generalisten.
  • Im Bereich der Medizin gibt es das Hausarztmodell, um Patienten einen Wegweiser durch den Dschungel der Facharztkompetenzen zur Verfügung zu stellen. Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ des BMBF sieht eine Stärkung der Allgemeinmedizin vor.
  • In der Schweiz sieht das Bundesamt für Gesundheit und die Vereinigung der Krankenhäuser in ihrem Papier: „Realitätscheck zur Spezialisierung in der Humanmedizin“ die Förderung von Generalisten und vor allem auch das Aufzeigen von Karrierepfaden für Generalisten im „Spital“ als besonders wichtigen Punkt an.

Fazit

Ja, es gibt den Trend zur immer weitergehenden Spezialisierung auch in der Zahnmedizin – und das ist gut so! Allerdings ist weiterhin der Generalist gefordert, um den Therapiebedarf festzustellen und im Verlauf der Behandlung die Übersicht zu behalten.

Das „The Winner takes it all!“-Phänomen ist in unserem Fachbereich zunächst nicht zu erwarten, weil Patienten sich üblicherweise regional ihren Zahnarzt suchen und nur in seltenen Fällen große Entfernungen akzeptabel und sinnvoll sind. Diesen Effekt könnte in abgeschwächter Form in Zukunft gegebenenfalls Zahnarztketten oder ein Franchisemodelle auslösen, wenn deren Konzepte und Verbreitung für Patienten überzeugender werden.

Allerdings zeigt ein Blick in andere Wirtschaftsbereiche doch recht eindeutig, dass Ketten- und Franchisestrukturen eher selten am oberen Ende der Qualitätsskala angesiedelt sind. Eine gute Motivation für eine kontinuierliche Qualitätssteigerung bei der eigenen Arbeit zu sorgen – mit dem Besuch von Seminaren, Workshops, Kongressen und Curricula!