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DMS V und die Konsequenzen für die Praxis

Dr. Wolfgang Stoltenberg: entscheidende Aspekte für das Prophylaxe-Konzept in der Praxis Seit fast 25 Jahren geben die Deutschen Mundgesundheitsstudien Auskunft über die Entwicklung der zahnmedizinischen Versorgung und Mundgesundheit. Neben der Betrachtung der zurückliegenden Entwicklung können auch Prognosen für die Zukunft abgegeben werden. Dabei ist das Lesen der Ergebnisse nicht nur ein einsames Schreibtischvergnügen für Statistiker, es ergeben sich auch entscheidende Aspekte für die Praxis und das persönliche berufliche Weiterkommen.
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Kariesentwicklung: 81 Prozent (acht von zehn) der zwölfjährigen Kinder sind heute kariesfrei, doppelt so viele wie noch 1997. Die jüngeren Erwachsenen von 35 bis 44 Jahren haben etwa 4,9 Zähne mit Karieserfahrung, fast ein Drittel weniger. Und das, obwohl diese Gruppe im Schnitt mehr Zähne hat, also weniger Zähne gezogen werden mussten (Grafik 1).

Entwicklung Gebiss

Wie ist diese Entwicklung zu erklären? Von frühester Kindheit an nahmen die Kinder an Gruppen- und Individualprophylaxe teil. Und es ist kein Geheimnis, dass der Löwenanteil der IP-Programme von den qualifizierten Praxismitarbeiterinnen durchgeführt wurde. Ohne die erfolgreiche und engagierte Arbeit der Prophylaxeabteilungen in den Praxen wäre dieses Ergebnis nicht erreichbar gewesen. Heute Kinder, morgen Erwachsene, mit einem frühzeitig beginnenden Vorsorgeprogramm sorgen gerade wir in der täglichen Praxis für die Grundlagen einer zahngesunden Zukunft!

Die Erwachsenenprophylaxe hat nicht nur zu einer Abnahme der Kariesfrequenz geführt, es bleiben deutlich mehr Zähne erhalten. Mehr Zähne bedeutet aber auch, es sind immer mehr Parodontien in den Mündern unserer Patienten, die erkranken können. Der Anteil der jüngeren Erwachsenen mit schwerer Parodontitis hat sich halbiert, dennoch hat mehr als die Hälfte (52 Prozent) dieser Altersgruppe eine moderate (43,4 Prozent) bis schwere (8,2 Prozent) Parodontitis. Mit zunehmendem Alter wird das Risiko einer Parodontitis immer größer, sodass nur eine intensive prophylaktische Betreuung diesem Trend entgegenwirken kann (Grafik 2).

Parodontalerkrankungen

Sorgen, aber nur in Bezug auf das Krankheitsrisiko, macht dabei die demoskopische Entwicklung, dass immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen. Denn dadurch wird die Zahl der Parodontalerkrankungen trotz der in der Studie aufgezeigten positiven Entwicklung insgesamt ansteigen. Der erhöhte Betreuungsbedarf wird dazu führen, dass die Nachfrage nach Terminen in der Praxis und qualifiziertem Prophylaxepersonal weiterhin groß sein wird.

Es werden weniger Zähne gezogen

War 1997 noch jeder vierte jüngere Senior (im Alter von 65 bis 75 Jahre) zahnlos, so ist es heute nur noch jeder achte! Im Durchschnitt besitzt so ein rüstiger Senior fast 17 Zähne und damit mindestens fünf eigene mehr als noch Ende des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig ist ein eindeutiger Trend zu festsitzendem Zahnersatz zu erkennen. Dazu hat sich die Einstellung der Patienten zu einer Reihe von Verhaltensweisen, die den Erhalt eigener Zähne, aber auch von festsitzendem Zahnersatz wesentlich unterstützen, merklich geändert. Es besteht ein steigendes Interesse daran, eine gute Kaufähigkeit bis ins hohe Alter zu bewahren. Dass dadurch die Vitalität und Attraktivität möglichst lebenslang erhalten bleibt, ist erwünscht und mehr als ein Nebeneffekt.

Die Trends

Es ist eine deutliche Veränderung des Lebensstils festzustellen. Unsere Patienten sind zunehmend gesundheitsbewusst. Ihre Ernährungsweise hat sich geändert und der Tabakkonsum geht zurück. Kinder und Erwachsene kennen moderne Hilfsmittel wie Zahnseide, Zahnzwischenraumbürsten und verschiedene Zahnbürstenmodelle bis hin zur elektrischen Zahnbürste und setzen sie vermehrt ein. Die Fluoridanwendung vor allem in Zahnpasten hat sich allgemein durchgesetzt. Und 75 bis 85 Prozent der Bevölkerung sind davon überzeugt, selbst sehr viel tun zu können, um die Gesundheit der eigenen Zähne zu erhalten oder zu verbessern (Grafik 3).

Trend

Dazu gehören natürlich die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt mit frühzeitigem Eingreifen, bevor größerer Schaden entstanden ist. Ebenso ist eine steigende Nachfrage nach prophylaktischen Maßnahmen, vor allem professioneller Zahnreinigung, zu verzeichnen. Dies alles führt dazu, dass sich bei allgemein sinkenden Risiken Erkrankungen wie Karies und Parodontitis auf ein immer höheres Alter verschieben.

Wie geht es weiter?

Deutschland hat beim Vergleich der Mundgesundheit weltweit eine Spitzenposition inne. Dies ist nicht zuletzt auf den nimmermüden Einsatz unserer Prophylaxemitarbeiterinnen zurückzuführen. Es gilt einerseits, trotz der demoskopischen Entwicklung die derzeit guten Ergebnisse zu halten, anderseits sollte die positive Entwicklung weiter fortgeführt werden.

Dies hat auch Auswirkungen auf das eigene Praxiskonzept. Patienten fragen gezielt nach Vorsorgemaßnahmen und erwarten vermehrt eine individuelle Planung und Konzepte in der Prophylaxe. Dabei gehen zum Beispiel Eltern davon aus, dass in den Praxen auch ein Vorsorgeprogramm für die Kinder angeboten wird. Innerhalb relativ kurzer Zeit können sich Mitarbeiterinnen für die Durchführung der Individualprophylaxe für Kinder und Jugendliche einschließlich der Versiegelung kariesfreier Fissuren qualifizieren und die Praxen der Nachfrage gerecht werden.

Der deutlich größere Bedarf wird gemäß der DMS V bei der Erwachsenenprophylaxe und vor allem der unterstützenden Therapie der Parodontitis (UPT) entstehen. Eine Delegation entsprechender Maßnahmen setzt die Qualifikation der Mitarbeiterinnen zur Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin (ZMP) voraus. In einem zukunftsorientierten Praxiskonzept wird eine leistungsorientierte Prophylaxeabteilung unverzichtbar und Grundlage einer patientenorientierten Ausrichtung sein.

Stoltenberg