Panorama

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Ein Zahnarzt in der Höhle der Löwen

Zahnfleischpflege-Gel: Dr. Ismail Özkanli hat sein Produkt mit Schwarzkümmel erfolgreich im Fernsehen vorgestellt – alle Unternehmer haben ihm einen „Deal“ angeboten.

Am Dienstagabend, 19. September 2017, war Zahnarzt Dr. Ismail Özkanli in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ des Senders Vox zu sehen. Mit seinem Schwarzkümmel-Produkt „Parodont-Creme“ hat der 44-Jährige alle Unternehmer überzeugt. Parodont soll das Zahnfleisch bei Parodontitis, Zahnfleischbluten, Entzündungen, Aphten, Herpes und gerissenen Lippen pflegen.

Der Berliner Zahnarzt, der Parodontologe und Implantologiespezialist ist, erzählte im Interview mit DZW-Redakteurin Evelyn Stolberg, wie er sein Produkt entwickelte, prüfte, und was er noch alles vorhat. Übrigens: Nach der Sendung wurde das Produkt in Parodont-Zahnfleischpflege-Gel umbenannt. Es ist ab heute (Mittwoch, 20. September 2017) unter diesem Namen rezeptfrei in Apotheken, online sowie bundesweit in Drogeriemärkten und im Handel erhältlich.
 
Dr. Ismail Özkanli: Sie haben sich als Zahnarzt sprichwörtlich in die Höhle der Löwen, der Gründer-Show auf VOX, begeben. Warum?
 
Dr. Özkanli:
Das Parodont-Zahnfleischpflege-Gel habe ich 2005 gemeinsam mit einem Apotheker entwickelt. In meiner Berliner Zahnarztpraxis haben wir es bei mehr als 9.000 Patienten angewendet. 2014 fiel dann die Entscheidung, damit auf den Markt zu gehen. Es reicht aber nicht, ein gutes Produkt zu haben. Es muss auch die Menschen, die Parodontitis haben, erreichen. Dafür brauchte ich starke Partner. Denn bislang habe ich mit meinem Produkt tatsächlich noch nicht viel verdient, aber schon 250.000 Euro aus eigenen Mitteln in die Entwicklung und Produktion gesteckt …

Ich bin Zahnarzt, aber kein Unternehmer, der Ahnung von Vertrieb und Marketing hat, um ein Produkt groß rauszubringen. Und Werbung ist einfach teuer. Die Sendung habe ich immer gerne gesehen und gedacht, Mensch, da würde ich gerne hin. Und das habe ich dann gemacht. 

VOX, Frank Hempel

Neue Geschäftspartner (von links): Carsten Maschmeyer, Hüsnü Özkanli, Dr. Med. Dent Ismail Özkanli und Ralf Dümmel.

Wie haben Sie die Juroren Ralf Dümmel, Judith Williams, Carsten Maschmeyer, Dagmar Wöhrl und Frank Thelen von Ihrem Produkt „Parodont Creme mit Schwarzkümmel-Öl“ überzeugt? Und wie war es im Studio?
 
Dr. Özkanli:
Mein Vater Hüsnü Özkanli und ich haben den Pitch zusammen vorbereitet und sind gemeinsam vor die Löwen getreten. Er und ich haben vor Jahren ein Unternehmen gegründet, das unser Produkt vertreibt. Im TV-Studio fühlte ich mich tatsächlich wie vor einer Examensprüfung, richtig nervös, obwohl wir super vorbereitet waren. Wir hatten eine tolle Verpackung und ein gutes Display, und der Sender hat uns sogar einen Zahnarztstuhl hingestellt.

Beim Sender wurde sehr darauf geachtet, dass wir vor dem Pitch nicht in Kontakt mit den Löwen kommen. Man sieht sie tatsächlich zum ersten Mal, wenn man durch die Tür zum Studio tritt. Auch das Produkt kennen sie im Vorfeld nicht. Für unser Gespräch mit den Unternehmern hatten wir dann etwa anderthalb Stunden Zeit. Zuerst habe ich erzählt, wie verbreitet die Parodontitis in Deutschland ist.

Ich habe Bilder dabei gehabt und erklärt, was eine Parodontitis ist und dass es bislang kein anderes Mittel gibt, das das Zahnfleisch unterstützt und pflegt, damit es sich möglichst wieder an den Zahn reattached. Antibiotika wirken zwar gegen Bakterien, aber die Zahnfleischtasche kann dadurch nicht geschlossen werden. Als ich Herrn Maschmayer aber von unserem Parodont-Zahnfleischpflege-Gel überzeugen konnte, war alles klar. Er hatte ja mal angefangen, Medizin zu studieren, und konnte die Chancen direkt gut einschätzen.
 
Alle Löwen wollten Ihr Produkt haben. Warum haben Sie sich für das Duo Dümmel und Maschmeyer entschieden, und welche Summe erhalten Sie?
Dr. Özkanli:
Wir haben 100.000 Euro für 30 Prozent bekommen. Diese Summe reicht natürlich nicht, um das Produkt groß rauszubringen, denn allein für die Produktion der Tuben braucht man noch mehr Geld. Dieses sogenannte „Working Capital“ wurde uns aber auch zugesagt. Die Wahl fiel auf das Duo Dümmel und Maschmeyer, weil Herr Dümmel ein sehr guter Vertriebler ist. Er war von Anfang an mein Favorit. Und Herr Maschmeyer ist aus der dritten Staffel ebenfalls als toller Investor bekannt. Er wiederum hat sehr gute Kontakte zur medizinischen Hochschule in Hannover, und kennt einige der Professoren im zahnmedizinischen Bereich persönlich. So konnten wir in der kurzen Zeit zwischen Aufzeichnung der Sendung und Ausstrahlung, neben Vertragsabschluss und Notar auch unabhängige Studien beauftragen und durchführen lassen.
 
Wie wird die Zusammenarbeit aussehen?
Dr. Özkanli:
Herr Dümmel wird sich um den gesamten Vertrieb kümmern, das beinhaltet Drogerieketten wie dm, Müller und Rossmann, aber auch Karstadt, Kaufland, Netto, Famila, Teleshoppingsender und andere Händler. Mein Vater und ich kümmern uns um den Vertrieb mit dem Apothekengroßhandel, Dentaldepots und Zahnärzten. Den gesamten Onlinehandel werden jetzt die Löwen übernehmen. Und Herr Maschmeyer wird sich ums Marketing kümmern – vielleicht sogar international.

Zahnarzt Dr. Ismail Özkanli (links) und sein Vater, Hüsnü Özkanli, stellen in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf Vox ihr Produkt vor. 
VOX / Frank Hempel

Zahnarzt Dr. Ismail Özkanli (links) und sein Vater, Hüsnü Özkanli, stellen in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf Vox ihr Produkt vor. 

Was bedeutet der Erfolg bei der Sendung jetzt für Sie als Zahnarzt, Unternehmer und Familienvater?
Dr. Özkanli:
Dadurch dass die Löwen mir fast alles abnehmen, ändert sich gar nicht so viel für mich. Ich arbeite immer noch als Zahnarzt, und das werde ich auch weiterhin tun. Wir haben jetzt zwar eine neue Firma mit Maschmeyer, Dümmel, meinem Vater und mir gegründet, die Beovita Vital GmbH heißt, aber ich hatte ja vorher auch schon eine Firma gemeinsam mit meinem Vater, die die Rechte und Pflichten jetzt auf das neue Unternehmen übertragen hat. Und in meiner Familie läuft es auch sehr gut. Meine drei Töchter sind super erfolgreich in der Schule, und ich hoffe, dass sie alle Kieferorthopädinnen werden.
 
Was hat Sie als Zahnarzt bewogen, diesen Weg zu gehen?
Dr. Özkanli:
Wir Zahnärzte sind wie Handwerker, die ohne ihre Hände nicht mehr arbeiten können. Um vorzusorgen, brauchen wir in unserem Beruf also ein zweites Standbein. Irgendwie bin ich dann auf das Thema Schwarzkümmel gekommen und habe mich intensiv damit beschäftigt. Schwarzkümmel gibt es schon seit Tausenden von Jahren. Es wurde sogar auch in Deutschland im 18. Jahrhundert angebaut, wobei seine Qualität in Umgebungen mit heißem Klima höher ist. Zuerst habe ich Studien über Schwarzkümmelöl gelesen, etwa aus Amerika oder von einem Berliner Immunologen, der es an der Charité verwendet und herausgefunden hat, dass es mehr als 100 gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe besitzt. Dr. Peter Schleicher hat übrigens ein Buch über die Wirkung von Schwarzkümmel geschrieben.

Schwarzkümmel-Öl besitzt mehr als 100 gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe.
DS Produkte / Parodont

Schwarzkümmel-Öl besitzt mehr als 100 gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe.

Nachdem ich das Buch gelesen hatte, war ich fasziniert von dem Thema und fand heraus, dass es die besten Samen in Ägypten gibt. Ein guter Freund von mir, der dort Verwandte hat, brachte mir Proben mit. Zuerst haben wir die Wirkung bei Allgemeinerkrankungen, wie Allergien, Diabetes und Neurodermitis im Bekanntenkreis getestet, und schließlich eine Firma gegründet. Dort haben wir das Produkt abgefüllt und verkauft, aber erstmal leider nicht so erfolgreich. Ich war übrigens weltweit der Erste, der getestet hat, welche Wirkung Schwarzkümmelöl im zahnmedizinischen Bereich hat.
 
Wie hat Ihre Familie nach Ihrem Erfolg bei der Höhle der Löwen reagiert? Ihre Frau – eine studierte Betriebswirtschaftlerin – übernimmt die komplette Organisation in Ihrer Arztpraxis?
Dr. Özkanli:
Ja, sie ist ein Organisationsgenie, sehr klug, und bringt mich immer auf tolle Ideen. Sie war ehrlich gesagt skeptisch vor der Sendung, obwohl sie von dem Produkt total überzeugt ist. Wir wussten ja nicht, ob wir auch die Löwen überzeugen können. Zum Glück hat alles geklappt.
 
Warum – glauben Sie – hat Ihr Produkt überzeugt?
Dr. Özkanli:
Wir haben ein Produkt, das komplett natürlich ist. Es enthält kein Cortison oder dergleichen und unterstützt, dass sich das Zahnfleisch wieder anheften kann. Das gibt es einfach noch nicht. Wir haben tolle Bewertungen auf unserer Website bekommen. Einer, der unser Gel verwendet hat, schrieb: „Mein Zahnarzt dachte, ich bin ihm fremdgegangen.“ Wir freuen uns, wenn wir den Menschen helfen können und so ein Feedback erfahren.
 
Ist das Gel für die häusliche Mundpflege oder auch für Zahnarztpraxen interessant?
Dr. Özkanli:
Es ist für beide interessant, besonders für die Prophylaxe-Helferinnen. Wir haben schon länger Kontakte zu Zahnarztpraxen in Deutschland und in der Schweiz, in Holland und Österreich. Dort werden unsere Produkte schon seit Längerem angewendet. Momentan überlegen wir, es für Zahnärzte in Einmalspritzen verpackt wie Kompositspritzen anzubieten. Aktuell muss man es noch aus den Tuben in Einmalspritzen umfüllen. Patienten zu Hause müssen nur einen Tropfen auf den Finger geben und auf die betroffene Stelle auftragen. Am besten funktioniert das vor dem Schlafengehen, damit es gut einwirken kann.
 
Wie ist das Wirkprinzip, sprich, was kann das Gel und wie funktioniert es?
Dr. Özkanli:
Schwarzkümmelöl enthält mehr als 100 gesundheitsfördernde Wirkstoffe, und es hat einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Bei unserem Öl liegt der Anteil beispielsweise bei mehr als 80 Prozent. Das Öl beziehen wir übrigens von einem Lieferanten aus Ägypten, den ich seit 13 Jahren persönlich kenne. Unabhängige Studien belegen, dass unser Öl eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung hat.
 
Sie haben eine Doppel-Blind-Studie zur Wirkweise durchgeführt. Wie war der Ablauf?
Dr. Özkanli:
Wir haben die Studie im Jahr 2005 an 200 Zähnen durchgeführt. Wir wollten mit der Studie gleichzeitig beweisen, dass der ägyptische Schwarzkümmelsamen, Nigella Sativa, eine heilende Wirkung hat, aber der türkische nicht. Den habe ich deshalb als Placebo verwendet. Beide Produkte – das aus ägyptischem und das aus türkischem Schwarzkümmel – habe ich in Gel-Form verwendet, die ein Medizinstatistiker zuvor in Tuben verblindet hatte.

Ich wusste also nicht, in welche Zahnfleischtasche ich welches Gel spritzte. Bei einem Patienten haben wir auf einer Seite das eine, auf der anderen das andere Gel verwendet, das Ergebnis konnte ich sehen. Auch der Statistiker hat die signifikante Wirkung unseres Gels festgestellt. Seitdem wende ich es regelmäßig bei unseren Patienten in meiner Zahnarztpraxis an – mit Erfolg! Seit 2014 wird es unter pharmazeutischen Bedingungen hergestellt und professionell abgefüllt. Es besteht ausschließlich aus dem Schwarzkümmelöl und einem hydrophoben Basisgel. Insgesamt sind 40 Prozent Öl im Gel enthalten. Den Mund mit reinem Öl zu spülen funktioniert leider nicht, denn das wird vom Speichel abgeschwemmt. Deshalb habe ich mit einem Apotheker das Gel entwickelt.

Können Sie die Wirkweise noch anders belegen?
Dr. Özkanli:
Wir haben dieses Jahr zwei neue Studien durchgeführt. Die medizinische Hochschule in Hannover hat nach einer achtwöchigen Studie bestätigt, dass das Parodont-Zahnfleischpflege-Gel eine antibakterielle Wirkung hat. Als Placebo haben wir dabei nur das hydrophobe Basisgel ohne Wirkstoff verwendet, bei dem – wie zu erwarten war – nichts passierte.

Die zweite Studie hat das Pro Derm Institut durchgeführt. Probanden mit Zahnfleischbluten testeten es acht Wochen auf Wirksamkeit und Hautverträglichkeit. Bestätigt wurde die signifikante Reduktion des Zahnfleischblutungsindex, also des Gingival Bleeding Index, GBI, und eine Hautverträglichkeit, die dermatologisch getestet wurde. Die erfolgreiche begleitende Pflege bei Zahnfleischproblemen wie Paradontitis, Zahnfleischbluten und Zahnfleischentzündungen ist belegt. Auf diese Ergebnisse sind wir sehr stolz.
 
Für welche Märkte ist Ihr Produkt gedacht?
Dr. Özkanli:
Eigentlich möchten wir es weltweit anbieten, aber wir fangen im deutschsprachigen Raum an, mit Deutschland, Österreich und der Schweiz. In der Türkei, der Heimat meines Vaters, sind wir noch nicht vertreten. Aber die türkische Presse ist durch die TV-Sendung jetzt auch auf uns aufmerksam geworden.

Ein türkischer Radiosender in Deutschland hat mich dazu interviewt. Es ist toll, dass man in Deutschland die Möglichkeiten hat, mit einer Idee wirklich erfolgreich zu sein. Ohne die Höhle der Löwen hätte ich das nicht umsetzen können, denn man braucht starke Investoren. Daher bin ich sehr glücklich darüber, dass es in Deutschland diese Sendung gibt.
 
Wie ist der Absatz in Deutschland?
Dr. Özkanli: Momentan verkaufen wir im Monat bis zu 1.000 Tuben in Deutschland. Seit Mittwoch ist unser Gel bei dm, Rossmann, Müller und vielen anderen Drogerieketten sowie Karstadt und anderen Händlern bundesweit erhältlich. Und online auch. Wir hoffen natürlich, dass wir Erfolg haben, denn am Ende entscheidet der Kunde...
 
Wie sind Ihre weiteren Pläne für die Zukunft? Was haben Sie noch vor?
Dr. Özkanli: Ehrlich gesagt, möchte ich allen Kolleginnen und Kollegen auf den Weg geben, bei der Höhle der Löwen mitzumachen, wenn Sie eine tolle Idee haben. Alleine schafft man das nicht. Ich selbst habe auch noch drei bis vier innovative Produkte im Kopf, etwa eine Zahncreme oder ein Mundwasser, die ich mit meinen Partnern gerne auf den Markt bringen möchte. Mal sehen, was noch kommt.