Oralmedizin kompakt

Neues aus der Forschung

Faserverstärkte Komposite zeigen widersprüchliche Resultate

Neues_Wissenschaft
viperagp - stock.adobe.com

Oralmedizin kompakt: Frisches Wissen für Ihre Praxis

Für Ihre Patienten wollen Sie auf dem Laufenden bleiben. Welche Methoden funktionieren – und sind möglichst mit Studien abgesichert? Die Kolumne Oralmedizin kompakt liefert Antworten. Fachjournalist Dr. med. dent. Jan H. Koch sichtet für Sie laufend wissenschaftliche und praxisorientierte Publikationen oder berichtet von Veranstaltungen. Die Beiträge finden Sie online auf unserer Landingpage. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!

Faserverstärkte Komposite zeigen widersprüchliche Resultate

In zwei Studien, publiziert im Journal of Adhesive Dentistry (Quintessenz), wurden glasfaserverstärkte Komposite in endodontisch behandelten Seitenzähnen untersucht. In der ersten, klinischen Studie wurde das faserverstärkte Material (everX Posterior, GC) adhäsiv bis 2 Millimeter unterhalb der Okklusalfläche von 12 Molaren eingebracht und mit einem Universalkomposit (G-aenial, GC) überschichtet [1]. Die Kontrollgruppe mit ebenfalls 12 Molaren erhielt nur das adhäsiv verwendete Universalkomposit. Die Erfolgsquote war für die Kontrolle mit 91,3 Prozent (eine Fraktur) nach drei Jahren höher als für die Testgruppe (faserverstärktes Material, drei Frakturen).

Die erfolgreichen Füllungen zeigten dagegen in beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede, unter anderem in Bezug auf Randverfärbungen und -dichtigkeit. Der Untersuchungszeitraum ist jedoch nach Einschätzung der Autoren mit drei Jahren relativ kurz, so dass die Ergebnisse noch bestätigt werden müssten. In einer weiteren Studie wurden die gleichen Materialien bei extrahierten Molaren verglichen [2]. Hier waren die Resultate für die endodontisch nicht behandelten Zähne besser als für die endodontisch behandelte Vergleichsgruppe. Das Überkuppeln eines Höckers hatte in beiden Gruppen einen stabilisierenden Effekt.

Die zweite im Journal of Adhesive Dentistry publizierte Studie wurde an extrahierten, endodontisch behandelten Prämolaren durchgeführt [3]. Verglichen wurden unter anderem das oben genannte faserverstärkte Seitenzahn-Komposit (ohne Überschichtung), ein konventionelles Seitenzahn-Komposit und zwei ebenfalls unverstärkte Komposite (Flow und normalviskös), jeweils in Kombination mit Glasfasern (everStick NET, GC).

Nach Kausimulation zeigte sich, dass Komposite mit Faserverstärkung nicht besser vor Frakturen schützten als die Kontrollmaterialien. Andererseits war das Volumen marginaler und interner Spalträume bei Füllungen mit Faserverstärkung geringer (3D-Analyse), der Verbund an den Grenzflächen also besser. Die besten Ergebnisse erreichte jeweils eine Kontrollgruppe mit indirektem Komposit [3]. Hersteller GC nennt als Vorteile seiner direkten faserverstärkten Komposite eine dentinähnliche Elastizität und empfiehlt sie als verstärkenden Dentinersatz in großen Seitenzahnrestaurationen.

 

Literatur

1. Tekce, N., et al.; J Adhes Dent 2020. 22 (2): 127-137.
2. Bijelic-Donova, J., et al.; J Mech Behav Biomed Mater 2020. 103 103554.
3. Scotti, N., et al.; J Adhes Dent 2020. 22 (2): 215-224.

 

 

Titelblat des Journal of Adhesive Dentistry
Quelle: Quintessenz

Dr. Jan H. Koch

Dr. med. dent. Jan Hermann Koch ist seit dem Jahr 2000 als freier Fachjournalist und Berater tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Fachartikel, Pressetexte und Medienkonzepte für Dentalindustrie und Verbände. Seit 2013 schreibt Dr. Koch als fester freier Mitarbeiter für die DZW und Fachmagazine, unter anderem die Kolumne ZahnMedizin kompakt (Nachfolge Dr. Karlheinz Kimmel).

Weitere Artikel