Oralmedizin kompakt

Neues aus der Forschung

Fehlender Nutzen von Schutzgelen beim Bleichen

Neues aus der oralmedinischen Forschung
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Oralmedizin kompakt: Frisches Wissen für Ihre Praxis

Für Ihre Patienten wollen Sie auf dem Laufenden bleiben. Welche Methoden funktionieren – und sind möglichst mit Studien abgesichert? Die Kolumne Oralmedizin kompakt liefert Antworten. Fachjournalist Dr. med. dent. Jan H. Koch sichtet für Sie laufend wissenschaftliche und praxisorientierte Publikationen oder berichtet von Veranstaltungen. Die Beiträge finden Sie online auf unserer Landingpage. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!

Fehlender Nutzen von Schutzgelen beim Bleichen

Vitale Zähne werden häufig in der Praxis mit hoch dosierten Wasserstoffperoxid-Produkten gebleicht (35 bis 40 Prozent). Dabei reagieren mehr als 50 Prozent aller Patienten mit mehr oder weniger starker Dentin-Überempfindlichkeit [1]. Dies ist deutlich mehr als bei häuslichem Bleichen mit geringer dosierten Präparaten. Die Lebensqualität kann nach einer systematischen Übersicht durch Überempfindlichkeit beeinträchtigt werden, die als „wichtigste Nebenwirkung“ gilt [2]. Um Beschwerden zu vermeiden oder zu reduzieren, wurde unter anderem die Wirkung von Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten untersucht. Diese erwiesen sich jedoch in der Regel nicht als erfolgreich [3].

Alternativ werden topische Präparate auf Kaliumnitratbasis eingesetzt. Diese sollen die Konzentration von Kaliumionen im Bereich sensorischer Nerven erhöhen und damit die Schmerzwahrnehmung reduzieren [4]. In einer aktuellen Vergleichsstudie zeigte jedoch ein entsprechendes Produkt mit zusätzlichem Fluorid nach Behandlung mit 35-prozentigem Wasserstoffperoxid keinen signifikanten Effekt [1]. Die Anwendung erfolgte beim selben Probanden jeweils auf einer Kieferseite sowohl vor als auch nach dem Bleichen, auf der anderen nur vor dem Bleichen, für jeweils zehn Minuten.

Der Schmerzunterschied war zwischen beiden Protokollen mit 93 und 90 Prozent nicht signifikant. Die Schmerzwerte (Visual Analog Scale, VAS) lagen in der Regel nach 24 Stunden wieder nahe null. Die für die primäre Wirkung negativen Ergebnisse widersprechen einem systematischen Review, das die Autoren jedoch als methodisch fehlerhaft bewerten [5].

Das Versuchsdesign der eigenen Studie mit Vorab-Berechnung der erforderlichen Patientenzahl (n=90), randomisierter Gruppenzuweisung, Split-Mouth-Design (Vergleich im selben Patienten) und dreifacher Verblindung (Behandler, Patienten, Randomisierung) entspricht dagegen formal den aktuellen Standards. In der Diskussion betonen die Autoren jedoch, dass der am besten geeignete Zeitpunkt ebenso wie Dauer und Dosierung topischer Präparate in weiteren Studien untersucht werden sollten.

Literatur

1. Martini, E. C., et al.; Clinical Oral Investigations 2020. 24 (1): 385-394.
2. Kothari, S., et al.; Journal of Dentistry 2019. 84 22-29.
3. Faria, E. S. A. L., et al.; Journal of the American Dental Association 2015. 146 (2): 87-93 e81.
4. Haywood, V. B., et al.; Quintessence Int 2001. 32 (2): 105-109.
5. Wang, Y., et al.; Journal of Dentistry 2015. 43 (8): 913-923.
 

Dr. Jan H. Koch

Dr. med. dent. Jan Hermann Koch ist seit dem Jahr 2000 als freier Fachjournalist und Berater tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Fachartikel, Pressetexte und Medienkonzepte für Dentalindustrie und Verbände. Seit 2013 schreibt Dr. Koch als fester freier Mitarbeiter für die DZW und Fachmagazine, unter anderem die Kolumne ZahnMedizin kompakt (Nachfolge Dr. Karlheinz Kimmel).

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