Politik

FVDZ-Hauptversammlung

Zurück in die Zukunft

FVDZ hält Selbstverwaltung für nicht funktionierend: steile Thesen, schrille Töne - leere Kassen?
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FVDZ hält Selbstverwaltung für nicht funktionierend: steile Thesen, schrille Töne - leere Kassen?

In der richtigen Politik wird es außenpolitisch besonders laut, wenn es innenpolitisch nicht so richtig rund läuft. Diese Art Nebelkerzenpolitik scheint sich Harald Schrader, Bundesvorsitzender des FVDZ, zum Vorbild genommen zu haben, der zur Herbst-Sitzung des Erweiterten Bundesvorstands steile Thesen in den Raum warf: „Wir haben lange still gehalten, aber diese Zeit ist vorbei.“  Deshalb lege der Bundesvorstand nun ein Forderungspapier mit „Fünf guten Gründen für eine freiheitliche Zahnheilkunde“ und einer klaren Zielrichtung vor. Und weiter: „Dieser Antrag richtet sich gegen eine nicht funktionierende Selbstverwaltung“.

Kleine Hauptversammlung, großer Ärger?

Geht‘s auch eine Nummer kleiner? – Bei einer richtigen Hauptversammlung hätte das vermutlich der eine oder die andere gefragt. Doch dies ließ das gewählte Hybrid- Format aus Präsenz- und Online-Veranstaltung so nicht zu. Schraders Verbandskollegen, die in den KZVen und der KZBV, in den Landeszahnärztekammern und der BZÄK die Interessen der Zahnärzteschaft politisch vertreten, werden über die erhobenen Versagensvorwürfe wenig erfreut gewesen sein.

Bei Licht betrachtet sind die „Fünf guten Gründe“ vielleicht weniger gut als gedacht.  Hier entsteht ein Zerrbild. Bei aller berechtigten Kritik quietschen Sätze wie: „Aus dem Freien Beruf ‚Niedergelassener Zahnarzt‘ und ‚Niedergelassene Zahnärztin‘ drohen beamtenähnliche Erfüllungsgehilfen staatlicher Gesundheitspolitik zu werden“, zwar laut in den Ohren, werden aber politisch bestenfalls belächelt oder als Querulantentum wahrgenommen.

So stellt sich die Frage nach dem Sinn der Lautstärke der vorgebrachten Thesen. Hier ein Erklärungsversuch: Mitten in die Sitzung des Erweiterten Bundesvorstands hinein stellten zwei Landesvorsitzende einen Antrag, die HV zu verschieben, bis eine Präsenz-HV möglich sei. Sie begründeten ihren Antrag damit, dass die Delegierten über die Finanzlage des Verbands nicht ausreichend informiert worden seien. Der Antrag wurde zwar in geheimer Abstimmung abgelehnt, legt den Finger aber in eine wunde Stelle, die sich auch durch Lautstärke nicht wegreden lässt. Verbandskreise sprechen von einem eklatanten Haushaltsdefizit und einer rückläufigen Mitgliederzahl. Nachdem der Mitgliedsbeitrag bereits zum 1. Januar 2019 erhöht wurde, gab es nun erneut eine Debatte um eine weitere „Beitragsanpassung“. Offenbare Haushaltsprobleme lassen sich aber nicht durch schrille Thesen übertünchen.

Nach einer Erfolgsgeschichte klingt dies alles nicht. Die „Forderungen des FVDZ an eine zukunftsweisende Gesundheitspolitik“ erscheinen eher rückwärtsgewandt und einer Filterblase entsprungen. Jüngere Zahnärztinnen und Zahnärzte werden sich vermutlich eine andere politische Heimat suchen. Eine, die im Heute angekommen ist und Antworten auf ihre Bedürfnisse hat.

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