Wissenschaft

Gebärmutterhalskrebs per Impfung frühzeitig vorbeugen

Seit 2006 gibt es eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Die Impfung bietet die Chance, Infektionen mit HPV vom Typ 16 und 18 zu verhindern, die für etwa 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. In Deutschland erkranken ca. 4.660 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs, etwa 1.500 versterben an dieser Erkrankung [1]. "Würden alle Mädchen rechtzeitig geimpft, könnte die Zahl der Erkrankungs- und Todesfälle drastischer sinken“, unterstreicht der Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen Prof. Matthias W. Beckmann. Nachstehende Informationen beruhen auf Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (Berlin).

Nicht jede Infektion mit genitalen HPV-Typen löst Krebsvorstufen aus. Die meisten Infektionen werden durch das Immunsystem frühzeitig erkannt und bekämpft. In bis zu 20 Prozent der Fälle kann es jedoch zu langwierigen Infektionen kommen, die wiederum zu Krebsvorstufen und schließlich zu Krebs führen können. [15] Die Übertragung der Viren erfolgt hauptsächlich über Sexualkontakt, aber auch eine Ansteckung durch Schmierinfektionen im Genitalbereich kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

"In Deutschland entwickeln etwa 30 bis 40 Prozent aller jungen Menschen bis zu einem Alter von 25 Jahren zu irgendeinem Zeitpunkt eine HPV-Infektion“, so Beckmann. Ungeimpft kann man sich immer wieder infizieren. Kondome bieten keinen effektiven Schutz vor einer HPV-Infektion. "Auch eine Übertragung beispielsweise über die Schamhaare oder die Haut kann nicht ausgeschlossen werden, da die Viren resistent gegen Austrocknung sind“, sagt Prof. Peter Hillemanns, ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Impfung ab dem Alter von 9 Jahren

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung für alle Mädchen von neun bis 14 Jahren. Spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahre sollen versäumte HPV-Impfungen nachgeholt werden [3, 4]. Frauenärzte, Hausärzte oder auch Kinderärzte dürfen die Impfung durchführen. Die Kosten für Mädchen der Altersgruppe neun bis einschließlich 17 Jahre werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige Krankenkassen finanzieren die Impfung darüber hinaus bis zum Alter von 26 Jahren [2].

"Wichtig ist, dass die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt“, betont Beckmann, da die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ab diesem Ereignis deutlich ansteigt [4]. Die Impfung wirkt nicht, wenn bereits eine Infektion mit HPV 16 und 18 besteht, beziehungsweise verliert an Effektivität, wenn bereits eine Infektion mit einem der beiden Impfstoff-HPV-Typen erfolgt ist.

„Ebenso für eine möglichst frühe Impfung spricht, dass junge Mädchen aus immunologischen Gründen nur zweimal geimpft werden müssen, um einen vollständigen Impfschutz zu erlangen“, so Beckmann. In Studien ließen sich für zehn- bis 14-jährige Mädchen nach HPV-Impfung höhere Antikörperantworten nachweisen als bei älteren Jugendlichen und Frauen [4, 7].

"Die HPV-Impfstoffe sind bislang mehr als 150 Millionen Mal geimpft worden. Es gibt mittlerweile so viele Daten weltweit, die zeigen, dass die HPV-Impfung so sicher ist wie jede andere Impfung auch“, unterstreicht Hillemanns.

Ob der Impfschutz lebenslänglich besteht beziehungsweise ob und gegebenenfalls wann eine Auffrischung sinnvoll ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen. "Dazu laufen Langzeitbeobachtungen, die mit entsprechendem Vorlauf – also vor Einführung der Impfung – gestartet sind“, so Hillemanns. Bisherige Daten lassen aber erahnen, dass der Impfschutz einen längeren Zeitraum anhält [2, 15].

Um den Erfolg eines Impfschutzprogramms beurteilen zu können, muss man die Entwicklung über einen langen Zeitraum betrachten. Aber schon jetzt zeigt sich eine klare Tendenz: In verschiedenen großen, weltweit durchgeführt Studien ließen sich ein Rückgang der Häufigkeit von HPV-Infektionen sowie ein Rückgang der Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs nach Einführung der HPV-Impfung nachweisen [2].

Niedrige HPV-Impfrate in Deutschland

In Deutschland sind nur knapp 40 Prozent der 14- bis 17-jährigen Mädchen vollständig gegen HPV-geimpft [10]. Auch im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit eher auf den hinteren Rängen. „Das muss mehr sein“, fordert Beckmann im Interview [14]. Angesichts des großen Potenzials der Impfung sei die Impfmüdigkeit in Deutschland unverständlich, so der Experte.

Gesteigerte Impfraten könnten diese Ergebnisse noch deutlich verbessern und viele Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs, aber auch risikobehaftete Operationen am Muttermund zur Entfernung von Krebsvorstufen verhindern. Die HPV-Impfung scheint zudem vor seltenen Krebsarten wie Scheiden-, Schamlippen- oder Peniskrebs sowie Analkrebs beziehungsweise deren Vorstufen zu schützen, die ebenfalls mit HPV 16 und 18 im Zusammenhang stehen [2].

Ein Ersatz für die regelmäßigen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen durch Frauenärzte ist die Impfung allerdings nicht, da die aktuell verfügbaren Impfstoffe nur gegen die HPV-Typen 16 und 18 schützen und ca. 20 bis 30 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs von anderen HPV-Typen ausgelöst werden. [2,8]

Wer sollte noch geimpft werden?

Die bislang vorliegenden Daten lassen auch eine Impfung von Jungen ab neun Jahren sowie von Frauen nach dem ersten Geschlechtsverkehr, bereits durchgemachter HPV-Infektion oder im Rahmen der Behandlung HPV-bedingter Krebsvorstufen sinnvoll erscheinen [2]. Die Impfung der Jungen beispielsweise bietet auch für die Mädchen einen besseren Schutz. "Die Jungen übertragen HPV. Wenn wir die Infektion ausrotten wollen, müssen wir Jungen und Mädchen impfen“, betont Beckmann, der sich ganz klar für eine Impfung von Jungen ausspricht. Die Kosten der Impfung (150 Euro pro erforderlicher Einzeldosis) müssen in diesen Fällen derzeit jedoch in der Regel selbst getragen werden [14,15]. Mehr zu diesen Empfehlungen und den Möglichkeiten der Kostenübernahme unter www.krebsgesellschaft.de.