Dr. Eckart von Hirschhausen und andere Teilnehmer beim Gesundheitskongress des Westens

Gesundheitskongress des Westens

Kontroverse Diskussionen zur Rolle des Arztes der Zukunft

Neben politischen Diskussionen ging es auf dem Gesundheitskongress des Westens vor allem um die Themen Digitalisierung und die Rolle des Arztes in Zukunft. Teilweise gingen die Meinungen stark auseinander.

Die äußere Ruhe des historischen Gebäudes Gürzenich in Köln Anfang März 2017 war trügerisch. Denn innerhalb der Mauern mahnten Gesundheitspolitiker und Vertreter zahlreicher Institutionen auf dem 11. Gesundheitskongress des Westens, dass eine Überwindung der sektoralen Aufspaltung des Gesundheitswesens dringend notwendig sei.

Neben politischen Forderungen standen allerdings zwei eng miteinander verbundene Themen im Vordergrund. Besucher und Referenten diskutierten mitunter sehr kontrovers die Rolle der Ärzte in der Zukunft sowie die fortschreitende Digitalisierung der Medizin. Einerseits war von guten und bösen Gesundheits-Apps die Rede, andererseits war man sich in verschiedenen Podiumsdiskussionen nicht immer einig darüber, welche Rolle der Arzt von morgen nun spielen soll.

Barbara Steffens

Google verändert Arzt-Patienten-Verhältnis

Vor allem aus dem Publikum gab es zahlreiche Wortmeldungen, die oft konträr zu den Meinungen der Podiumsdiskussionsteilnehmer gingen. Allerdings waren sich Referenten und Besucher darüber einig, dass die fortschreitende Digitalisierung der Medizin den Arztberuf und auch die Beziehung zwischen Ärzten und Patienten langfristig verändern werde. So machte Dr. Johannes Salem, Facharzt für Urologie am Universitätsklinikum Köln, deutlich, dass durch die Digitalisierung Bürokratie abgebaut werde und der Arzt dadurch mehr Zeit für seine Patienten habe.

Prof. Dr. Jochen A. Werner, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen, hielt Salem jedoch entgegen, dass sich die Ansprüche der Patienten verändert haben. Sie wollen erfolgreich behandelt werden. Das Internet und speziell Google spielen laut Werner für sie eine große Rolle. Aus seiner Sicht vertrauen Patienten sowohl den Suchergebnissen bei Google als auch der Diagnose und Therapie des Arztes.

Dieser braucht jedoch laut Salem Freiräume für Kreativität und Entwicklung, um seinen Patienten die bestmögliche Therapie bieten zu können. Der Vorsitzende des Berufsverbands der Präventologen, Dr. Ellis E. Huber, ging noch einen Schritt weiter. Seiner Meinung nach kommt die Bedeutung der Digitalisierung in der Medizin an die Bedeutung des Buchdrucks für die Menschheit heran.

Darüber hinaus wird laut Huber der Arzt der Zukunft nicht mehr nur als reiner Wissensträger, sondern vielmehr als Persönlichkeit gebraucht. Darüber hinaus ermöglichen neue Informationstechnologien gleichzeitig mehr Handlungskompetenzen für Ärzte. Sowohl Referenten als auch Publikum waren sich darüber einig, dass Google den Arztberuf nicht abschaffen, aber mit Blick auf schnellere Entscheidungen verändern wird. Des Weiteren werde durch die digitalisierte Medizin das Arzt-Patienten-Verhältnis eine neue Dynamik erhalten. Bei allen Vorteilen, die die digitalisierte Medizin Ärzten und Patienten heute bietet, sah man dem damit einhergehenden Datenfluss kritisch entgegen.

Vor allem aus dem Publikum kamen Bedenken zu einem möglichen Missbrauch der Daten und sicherheitsrelevante Risiken bei der elektronischen Gesundheitskarte sowie bei Gesundheits-Apps. Viele Technologien seien noch nicht ausgereift. "Der aufgeklärte Patient möchte sein eigener Herr über die Daten sein", so Prof. Werner.

Gesundheitskongress des Westens

Ansprüche der Generation Y

Die Forderung nach mehr Selbstbestimmung fordere aber auch die sogenannte Generation Y. Dazu zählen sowohl junge Mediziner als auch Studenten. Wie Prof. Dr. Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Rostock, sagte, werde die kommende Medizinergeneration zunehmend weiblich. Zudem sei sie smart und individualistisch und würde im Krankenhaus auf traditionelles Schuhwerk verzichten.

"Stattdessen tragen die Studenten heute Flipflops auf der Station", so Schmidt. Natürlich könne man dies nicht für alle Studenten und jungen Ärzte pauschalisieren. Dennoch ist Schmidt der Ansicht, dass die Generation Y arbeiten will, die Arbeit jedoch nicht das ganze Leben bestimmen soll. "Die Zeit der 60-Stunden-Woche ist vorbei", sagte Schmidt. Die Rolle der Ärzte der Zukunft sowie die Digitalisierung der Medizin waren jedoch nicht die einzigen Themen des insgesamt zweitägigen Gesundheitskongresses. Unter anderem wurde die Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs besprochen sowie darüber debattiert, was der Innovationsfonds dem Patienten bringt.

Im kommenden Jahr findet der Gesundheitskongress des Westens am 13. und 14. März wieder im Gürzenich in Köln statt.

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