Parodontologie

Deutscher Zahnärztetag

Initialzündung erwünscht

Prof. Dr. Bettina Dannewitz
Michelle Spillner

Prof. Dr. Bettina Dannewitz, Präsidentin der DG Paro, sprach über „Erfolgreiche Parodontitistherapie in der Praxis – was braucht’s?“

„Wir haben die Parodontitis nicht im Griff“, zitierte „Spiegel online“ 2013 Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Das ist zwar einige Jahre her, doch auch die Zahlen der fünften Mundgesundheitsstudie sprechen Bände: Jeder zweite jüngere Erwachsene ab 35 ist von einer parodontalen Erkrankung betroffen.

Davon weisen 43,4 Prozent eine moderate und etwa jeder Zehnte eine schwere Parodontitis auf. Ein Problem, das angegangen werden muss.

Im vergangenen Jahr wurde eine neue Klassifikation parodontaler und periimplantärer Erkrankungen vorgestellt, die die Klassifikation von 1999 ablöst. Anhand des enormen Wissenszuwachses sei dies dringend erforderlich gewesen, so Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen (Bonn), der die wichtigsten Fakten zur neuen Klassifikation kompakt zusammenfasste.

Prof. Dr. Bettina Dannewitz, Präsidentin der DG Paro, schloss mit ihrem Vortrag „Erfolgreiche Parodontitistherapie in der Praxis – was braucht’s?“ an. Die gute Nachricht kam gleich zu Anfang: Parodontitistherapie ist keine Raketenwissenschaft. Der Erfolg sei messbar an Zahnerhalt sowie dem Erhalt der Ästhetik und Funktion. Für die PA-Therapie gebe es kein Patentrezept – jeder Patient ist anders und jede Praxis ebenfalls. Dannewitz machte drei Kernthemen fest, die für eine erfolgreiche PA-Therapie wichtig sind.

Parodontitis werde häufig zu spät erkannt. Daher sei eine frühzeitige Diagnostik essenziell. Das Problem: Konventionelle Verfahren erkennen Parodontitis häufig sehr spät. Vorschädigungen seien unter Umständen schon sehr weit fortgeschritten. Die Referentin erwähnte die „hervorragenden Möglichkeiten“, die der PSI-Code biete, um parodontal kranke und parodontal gesunde Patenten zu unterscheiden. Den Grad der Parodontitis könne der PSI-Code zwar nicht ermitteln, aber zur Früherkennung beitragen. „Der Held sollte der sein, der den Patienten vorzeitig vor Schäden bewahrt“, resümierte Dannewitz.

Ein weiterer Baustein einer erfolgreichen PA-Therapie sei eine effektive Infektionskontrolle. Wie bereits sehr anschaulich von Prof. Dr. Iain Chapple erläutert, spielen das Gleichgewicht der Bakterien im oralen Mikrobiom eine große Rolle. Die mechanische Plaquekontrolle – professionell und individuell – sei daher Bestandteil der PA-Therapie. Der Goldstandard seien nach wie vor Handinstrumente. Ob zusätzliche Technik wie Pulverwasserstrahlgeräte, Laser oder PDT nötig sind, müsse der Zahnarzt sorgfältig abwägen. „Die Behandlung ist nur erfolgreich, wenn es der Patient schafft, seine Zähne täglich zu reinigen“, so die Referentin. PA-Therapie sei immer ein Teamsport – das Team bestehe aus Zahnarzt, Patient und gut geschulten Mitarbeitern, die den Patienten fachgerecht anleiten. Dannewitz warnte: „Sie können nicht an Mitarbeitern sparen.“

Eine erfolgreiche Parodontitistherapie benötigt laut Dannewitz zudem verlässliche und bestmögliche Rahmenbedingungen. Und hier besteht großer Handlungsbedarf. Zum einen müsse die Ausbildung stimmen. Momentan nimmt das Thema Parodontitis im zahnmedizinischen Studium inhaltlich etwa 6 Prozent ein. „Das sind keine guten Rahmenbedingungen“, hält Dannewitz fest. Ein weiterer Faktor sei Geld. Die GKV gab für zahnärztliche Leistungen 2018 rund 14 Milliarden Euro aus, davon 476 Millionen Euro für PA-Behandlungen. Auch hier stimmten die Rahmenbedingungen nicht, denn der Erfolg einer Therapie hänge zum einen von Qualität und zum anderen von der Zeit, die aufgewendet wird, ab. Hier brauche man eine „Initialzündung“, damit es voran geht.

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