Anästhesie

3-Punkte-Übersicht

Kindern die Angst vor dem Piks nehmen

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Kind_Zahnarzt
jackSTAR/Cultura/Getty Images

Kinder stellen in der Praxis eine besondere Patientengruppe dar. Neben der altersgerechten Kommunikation müssen Zahnärzte vor allem mögliche Risiken bei der Anwendung von Arzneimitteln berücksichtigen. Das gilt unter anderem bei der Schmerzausschaltung, die bei Kindern einen hohen Stellenwert einnimmt. Die Lokalanästhesie wird dabei nach wie vor als Goldstandard angesehen. Was bei der Dosierung und der Injektionstechnik zu beachten ist, zeigt diese 3-Punkte-Übersicht.

1.    Die Dosierung korrekt bestimmen

Insbesondere bei kleinen Kindern ist die veränderte Pharmakokinetik von Arzneimitteln zu beachten. Kinder haben wegen ihres niedrigen Gewichts ein geringeres Blutvolumen und einen kleineren Verteilungsraum, dadurch kann der Konzentrationsspiegel bei gleicher Dosis höher sein – auch bei Lokalanästhetika [1|. Deshalb muss die Maximaldosis streng eingehalten werden [2]. Zudem sollten Zahnärzte immer das kleinste für eine ausreichende Anästhesie notwendige Volumen wählen und stets die individuelle Grenzmenge berechnen. Achtung: Dabei darf auch ein zusätzliches Oberflächenanästhetikum nicht vergessen werden. Für die zahnärztliche Behandlung von Kindern wird in Deutschland Articain empfohlen [2,3,4]. Die Dosisberechnung nach Daubländer [1,3] dient der Orientierung.

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2.    Möglichst geringen Adrenalinzusatz wählen

Bei Lokalanästhetika ist der vasokonstriktorische Zusatz (Adrenalin) für die meisten Nebenwirkungen verantwortlich [5,6,7].  Um herauszufinden, wie viel Adrenalin das Kind bekommt, multipliziert man die Menge des Anästhetikums mit dem enthaltenen Vasokonstriktor in Mikrogramm. Abhängig von der Behandlungsdauer und der Art des Eingriffs sollte ein möglichst geringer Adrenalinzusatz gewählt werden [5,6,8,9]. Um eine Intoxikation zu vermeiden, muss immer sorgfältig aspiriert werden. Jedoch kommt es in etwa 20 Prozent der Fälle dennoch zu partiellen intravasalen Injektionen, die hohe Adrenalinkonzentrationen zur Folge haben. Bei Patienten mit weiteren Risikofaktoren, beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen oder Sulfitallergie, sowie absoluten Kontraindikationen kann für kurze Eingriffe und je nach Injektionstechnik Articain ohne Adrenalin erwogen werden [8,10,11].

3.    Die passende Technik nutzen

Um die Behandlung für Kinder so angenehm wie möglich zu gestalten, gilt es, die richtige Technik zu wählen. Einige Tipps:

  • Das Kind auf den „kleinen Piks“ vorbereiten
  • Die Spritze mit „Schlafwasser“ bzw. „Einschlaf-Marmelade“  unsichtbar unter den Augen des Kindes vorbeiführen [3]
  • Die lokale Verwendung von Oberflächenanästhetika erwägen (z. B. bei palatinaler Injektion oder bei Extraktion eines gelockerten Milchzahns) [3]
  • Einstichstelle bei ängstlichen Kindern mit einem Tropfen Lokalanästhetikum betäuben [12]
  • Wann immer möglich, intraligamentäre Anästhesie (ILA) bevorzugen [8,12]: Die Gesamtmenge des Anästhetikums ist bei dieser Methode geringer, wodurch sie sich vor allem für Kinder und Risikopatienten eignet [3,12,13] – ggf. sogar ohne Adrenalinzusatz [14, 15]
  • Die Infiltrationsanästhesie kann bis zum 5. oder 6. Lebensjahr auch im UK Seitenzahnbereich ausreichend sein [3]
  • Bei der  Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior ist zu beachten, dass sich die Lage des Foramen mandibulae je nach Alter verändert (bei Kleinkindern unterhalb der Kauebene) [3]. Am N. alveolaris inferior kann insbesondere bei Erwachsenen häufig auf adrenalinfreies Articain zurückgegriffen werden [11,15]

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Das im Text beschriebene Vorgehen dient der Orientierung, maßgeblich sind jedoch immer die individuelle Anamnese und die Therapieentscheidung durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt. Die Fachinformationen sind zu beachten.


Literatur

[1] Daubländer M, „Lokalanästhesie in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“, in: Aken, Hv und Wulf H (Hrsg.), Lokalanästhesie, Regionalanästhesie, Regionale Schmerztherapie (3. überarb. Auflage 2010), Thieme, Stuttgart, New York, 585-636.

[2] Daubländer M, Kämmerer PW, Lokalanästhesie in der Zahnmedizin, 2011, Berlin, Sanofi.

[3] Viergutz G, Hetzer G, Zahnärztlich-chirurgische Maßnahmen bei Kindern. Zahnmedizin up2date, Thieme (2013) 5:453-472.

[4] Willershausen-Zönnchen B, Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, (DGZMK), V2.0: Zahnärztliche Behandlung in der Schwangerschaft. DZZ 1994; 49. Online abrufbar unter: https://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/Zahnaerztliche_Behandlung_in_der_Schwangerschaft_2001.pdf (Letzter Zugriff: 19.03.2019).

[5] Kämmerer PW et al. Comparative clinical evaluation of different epinephrine concentrations in 4 % articaine for dental local infiltration anesthesia. Clin Oral Invest (2014) 18: 415-421.

[6] Kämmerer PW et al., Epinephrine-reduced articaine solution (1:400,000) in paediatric dentistry: a multicentre non-interventional clinical trial. Eur Arch Paediatr Dent (2013) 14:89-95.

[7] DZW Redaktion, Moderne Lokalanästhetika in der Praxis: Einsatz und Wirkung, 2015. https://www.dzw.de/moderne-lokalanaesthetika-der-praxis-einsatz-und-wirkung (Letzter Zugriff: 25.04.2019).

[8] Daubländer M, Wissenswertes für die Kinderbehandlung: Schmerzausschaltung bei Kindern und Jugendlichen. Zahnärztliche Mitteilungen (2005) 15. Online abrufbar unter: https://www.zm-online.de/archiv/2005/15/zahnmedizin/schmerzausschaltung-bei-kindern-und-jugendlichen-1/ (Letzter Zugriff: 08.05.2019).

[9] Zurfluh MA et al., Comparison of two epinephrine concentrations in an articaine solution for local anesthesia in children. Swiss Dental J SSO (2015) 125: 698-703.

[10] Sanofi, Fachinformation Ultracain® D ohne Adrenalin, April 2017.

[11] Daubländer M, Kämmerer PW, Liebaug F, Ein praxisnaher Leitfaden: Differenzierte Lokalanästhesie 2016, Online abrufbar unter:  https://www.dentalmagazin.de/praxiszahnmedizin/vermischts/differenzierte-lokalanaesthesie/ (Letzter Zugriff: 08.05.2019).

[12] Bender W, Taubenheim L, Lokalanästhesie bei Hämophilie-Patienten, DENT IM-PLANTOL (20)1 2016, S. 36–39. Online Abrufbar unter: https://www.dimagazin-aktuell.de/parodontologie/anaesthesie/story/lokalanaesthesie-bei-haemophilie-patienten__3641.html  (Letzter Zugriff: 08.05.2019).

[13] Sanofi, Gebrauchsinformation Ultraject® Die Injektionsspritze mit Druckkraftbegrenzung für die intraligamentäre Anästhesie, April 2014. Online abrufbar unter: https://mein.sanofi.de/produkte/Ultraject/Downloads?id=1491bc60-1ab2-4707-b64f-a3ac128150af (Letzter Zugriff: 08.05.2019).

[14] Kämmerer PW, Scholz, M, Intraligamentäre Anästhesie mit adrenalinfreiem Articain. ZWP (2017) 6: 80-81.

[15] Kämmerer PW et al., Comparison of 4 % articaine with epinephrine (1:100.000) and without epinephrine in inferior alveolar block for tooth extraction – double blind, randomized clinical trial of anesthetic efficacy. Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol (2012) 113 (4):495-499.


Pharmazeutische Information

Ultracain® D-S. Ultracain® D-S forte. Ultracain®D ohne Adrenalin. Wirkst.: Articain-HCl, Adrenalin-HCl. Zusammens.: D-S u. U. D-S forte: 1 ml Inj.-Lsg. enth.: Arzneil. wirks. Bestandt. 40 mg Articain-HCl, 6/12 mg Epinephrin-HCl. Sonst. Bestandt.: NaCl, Wasser f. Inj.-zw. Ultracain D oh. Adrenalin zus.: Na-hydroxid, Salzsäure 10% z. pH-Einst. D-S/D-S forte zusätzl: Na-metabisulfit. D-S Amp. 1,7 ml zus.: NaOH, Salzsäure 10% z. pH-Einst. Zuber. i. Mehrfachentn.-fl. zus.: Methyl-4-hydroxybenzoat, NaOH, Salzsäure 10% z. pH-Einst. Anw.-geb.: D-ohne Infiltrations- u. Leitungsanästhesie i. d. Zahnheilkunde. Eignet sich vor allem für kurze Eingriffe an Pat., d. aufgrund bestimmter Erkrank. (z. B. Herz-Kreislauf-Erkr. od. Allergie geg. d. Hilfsst. Sulfit) kein Adrenalin erhalten dürfen sowie z. Injekt. kleiner Volumina (Anwendung i. d. Frontzahnregion, im Ber. d. Gaumens). D-S: Lokalanästh. bei Routineeingr. d. Zahnheilk. D-S forte: Lokalanästh. b.: Schleimhaut- u. knochenchirurg. Eingr., pulpenchirurg. Eingr., Osteotomie, läng. dau. chirurg. Eingr., perkut. Osteosynth., Zystektomie, mukogingivale Eingr., Wurzelsp.-resekt. Gegenanz.: Überempf. ggü Articain u. and. Lokalanästh. v. Säureamidtyp od. e. d. sonst. Bestandt. Ultracain. oh. Adrenalin nicht geeignet f. länger dauernde od. größ. zahnärztl. chirurg. Schw. Störg d. Reizbildgs- od. Reizleitgssyst. am Herzen, akut dekompens. Herzinsuff., schw. Hypotonie. U. D-S u. U. D-S forte zusätzl.: Allergie oder Überempfindlichkeit gegen Sulfit. Wg. Epinephringeh.: Engwinkelglaukom, SD-überfkt, paroxysm. Tachykardie, Myokardinfarkt innerh. d. letzten 3-6 Mo., Koronararterien-Bypass innerh. d. letzten 3 Mo., gleichz. Einn. v. nicht-kardioselekt. Betablockern, Phäochromozytom, schw. Hypertonie, gleichz. Einn. v. trizykl. Antidepr. od. MAO-Hemmern (bis 14 Tage nach Ende der MAO-Behandlung), Anästh. i. Endstrombereich. Intravenöse/intravasale Inj. ist kontraindiz. Zusätzl. f. Mehrf.-entn.-fl.: Parabenallergie. Warnhinw. u. Vorsichtsmaßn.: Eingr. b. Pat. m. Cholinesterasemangel verläng./verstärkte Wirkg mögl. Von Inj. i. entzünd./infiz. Geb. wird abgeraten. Enth. Natrium (<1mmol/23 mg). Besond. Vors. b. Störg. d. Blutgerinnung, schw. Nieren- od. Leberfkt-störung, gleichz. Behandl. m. halogenierten Inhalationsanästhetika, anamnest. bek. Epilepsie, kardiovask. Erkr., Angina pect., Arteriosklerose, zerebr. DBS, Schlaganfall in Anamnese, chron. Bronchitis, Lungenemphysem, Diab. mell, schw. Angststörg. Dos. so niedrig wie mögl. halten. Injekt. sorgf. i. 2 Ebenen aspirieren, um intravasale Injekt. z. vermeiden. Solange keine Nahrung aufnehmen, bis Wirkung abgeklungen ist. Betreuer kl. Kdr. auf Risiko v. Weichteilverletzung durch Selbstbiss hinweisen! Additive Wirkg. am kardiovaks. System u. ZNS bei Komb. verschiedener Lokalanästhetika. Reaktionsvermögen! Schwangersch. u. Stillz.: Nur nach streng. Nutzen/Risiko-Abwäg. Ggf. D-S ggü D-S forte bevorzugen. Nebenw.: Immunsyst.: Unverträgl.keits-reakt. (ödemat. Schwellg./Entzündg d. Inj.-st., Rötg., Juckreiz, Konjunktivitis, Rhinitis, Gesichtsschwellg, Angio-, Glottisödem m. Globusgef. u. Schluckbeschw., Urtikaria, Atembeschw. bis anaphylakt. Schock. Nerven: Dosisabh. ZNS-Störg w. Unruhe, Nervosität, Benommenh., Koma, Atemstörung (bis –stillstand), Msklzittern u. –zucken (bis generalis. Krämpfe), Schwindel, Parästhesie, Hypästhesie, vorüberg. Sehstörg, U. D-S u. U. D-S forte zusätzl.: Kopfschm. Herz u. Gefäße: Blutddruckabfall, Bradykardie, Herzversagen, Schock (u. U. lebensbedrohl.), sehr selten Tachykardie, Herzrhythmusstörg, Blutdruckanstieg. GIT: Übelk., Erbrechen. Zusätzl. U. D-S u. U. D-S forte: Allg. Erkr.: sehr selten: b. versehentl. intravas. Inj. ischämische Zonen i. Inj.-ber. bis z. Nekrose. Aufgr. d. Sulfitgeh. b. Asthmatik. sehr selten Überempf.-reakt. m. Erbrechen, Durchf., keuch. Atmg, ak. Asthmaanfall, Bewusstseinsstörg, Schock. Überempf.-reakt. auf Methyl-4-hydroxybenzoat (auch Spätreakt.), selten Bronchospasmen. Verschreibungspflichtig.

Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, 65296 Frankfurt am Main.

Stand: Ultracain D-S/D-S forte: Dezember 2018. Ultracain D ohne Adrenalin: April 2017

 

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