Patienten mit Beeinträchtigungen

Kooperationsverträge

Mehr Multiprofessionalität wagen

V.r.n.l.: KZVWL-Vize Michael Evelt, Dr. Holger Seib, Vorstandsvorsitzender der KZVWL, Tom Ackermann, AOK Nordwest, Dr. Volker Schrage, designierter 2. Vorsitzender der KVWL, Helene Maqua, Abteilungsleiterin Altenhilfe Diözesan-Charitasverband des Erzbistums Köln, Prof. Dr. Anne Friedrichs, Präsidentin der Hochschule für Gesundheit in Bochum, und Dr. Frank Stollmann, Gruppenleiter im NRW-Gesundheitsministerium
KZVWL

V.r.n.l.: KZVWL-Vize Michael Evelt, Dr. Holger Seib, Vorstandsvorsitzender der KZVWL, Tom Ackermann, AOK Nordwest, Dr. Volker Schrage, designierter 2. Vorsitzender der KVWL, Helene Maqua, Abteilungsleiterin Altenhilfe Diözesan-Charitasverband des Erzbistums Köln, Prof. Dr. Anne Friedrichs, Präsidentin der Hochschule für Gesundheit in Bochum, und Dr. Frank Stollmann, Gruppenleiter im NRW-Gesundheitsministerium

Seit 2014 haben Zahnärzte die Möglichkeit, Kooperationsverträge mit stationären Pflegeeinrichtungen abzuschließen. Zum Erfolgsmodell sind sie seitdem aber nicht geworden. Um das zu ändern, ist die Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KZVWL) nun in die Offensive gegangen. Gemeinsam mit der GKV hat sie einen Letter of Intent an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann übergeben, sich verstärkt für eine nachhaltige Verbesserung der zahnmedizinischen Versorgung von Menschen mit Beeinträchtigungen einzusetzen. Was der Minister natürlich begrüßte.

Auf dem Gesundheitskongress des Westens in Köln Ende März organisierte die KZVWL ein Podium „Pflegeheimversorgung zukunftsfest gestalten – Sektorübergreifende Versorgung neu gedacht“. Entsprechend war das Podium auch besetzt: Dr. Holger Seib, Vorstandsvorsitzender der KZVWL, Tom Ackermann, AOK Nordwest, Dr. Volker Schrage, designierter 2. Vorsitzender der KVWL, Prof. Dr. Anne Friedrichs, Präsidentin der Hochschule für Gesundheit in Bochum, Helene Maqua, Abteilungsleiterin Altenhilfe Diözesan-Charitasverband des Erzbistums Köln, und Dr. Frank Stollmann, Gruppenleiter im NRW-Gesundheitsministerium – moderiert von KZVWL-Vize Michael Evelt. Diese Initiative der Zahnärzteschaft wurde von den Playern im Gesundheitswesen positiv angenommen. Zugleich zeigt sich aber auch im Verlauf der Debatte, dass die Zahnärzte sich erst einmal mit der Rolle der Juniorpartnerschaft begnügen müssen.

„Mit Eintritt in die Pflegebedürftigkeit ist ein signifikanter Einschnitt in die Mundgesundheit verbunden“, stellte Seib eingangs fest. Die Mundgesundheit verschlechtert sich exponentiell bei Pflegebedürftigkeit. Verursacht werde dies durch eine verhängnisvolle Trias von verminderter Mundhygienefähigkeit, Therapiefähigkeit und Eigenverantwortung. Bei derzeit 3,4 Millionen Pflegebedürftigen und der herrschenden demografischen Entwicklung steht das Gesundheitssystem vor einer immensen Herausforderung.

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Die Wechselwirkung von Zahngesundheit und allgemeiner Gesundheit betonten dann auch der Humanmediziner Schrage. Der Hausarzt berichtete, wie schlechte Zähne und mangelhafte Prothesen zu Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit führen können, ohne dass ein Zusammenhang direkt erkennbar sein muss. Das Ziel sei es, die Zusammenarbeit von Ärzten, Zahnärzten und Pflegenden zu verstärken, um eine sektorübergreifende, interdisziplinäre und multiprofessionelle Versorgung realisieren zu können. Der regelmäßige interdisziplinäre Austausch, konkrete Fallbesprechungen, elektronischer Informationsaustausch und gemeinsame Besuchszeiten seien hehre Absichten, müssten dann aber auch Realität werden – eingebettet in konkrete Strukturen. Bei Schrages Ausführungen zeigte sich, dass die Humanmedizin im Bereich der Kooperation mit Pflegeeinrichtungen einiges an Erfahrung voraus hat.

KVen, GKV und Ministerium beschäftigen sich seit 2014 intensiv mit der Ausarbeitung von Pflegeheimverträgen. Die zahnärztliche Versorgung wird hier erst hineinwachsen müssen. Ackermann stellte eine aktuelle AOK-Umfrage vor, die deutlich zeigte, dass Zahnärzte auch bei Versichertenbedürfnissen zur Versorgung nur eine nachrangige Rolle spielen, während Hausärzte ganz vorne auftauchen.

Maqua mahnte die notwendige Augenhöhe von Ärzten, Zahnärzten und den Pflegenden an. Friedrichs verdeutlichte die Bedeutung der interprofessionellen Ausbildung der Gesundheitsberufe, um den vielfältigen Anforderungen in der Pflege gerecht werden zu können. Stollmann lobte den in Modellregionen eingeführten Pflegeheimvertrag in Westfalen-Lippe als „echte Erfolgsgeschichte“. Erfolgsfaktoren seien etwa, dass niedergelassene Haus- und Fachärzte die Heimbewohner regelmäßig zu festen Sprechzeiten aufsuchen und auch ein Medikationsmanagement anböten. Ein Kooperationsvertrag von Pflegeheim und Zahnarzt sei das Gebot der Stunde und auch der Zukunft.

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